1. Sport
  2. 1. FC Köln

Max Kruse stürzt FC tiefer in die Krise

1. FC Köln : Max Kruse stürzt FC tiefer in die Krise

Die Kölner verlieren nach einem Elfmetertor gegen Union Berlin mit 1:2. Ellyes Skhiri gleicht per Kopf Rückstand aus.

Die beiden 19-jährigen Fans weit hinter der Südkurve versuchten alles. Das Duo aus Bad Neuenahr beschallte am Sonntagabend mit Lautsprechern das menschenleere Rheinenergiestadion über 90 Minuten mit Gesängen. Eine schöne Idee, um dem vom Zuschauerverbot so arg gebeutelten 1. FC Köln wenigstens ein bisschen das Gefühl von Heimspielatmosphäre zu vermitteln. Die Aktion verpuffte aber genauso wie die vollmundigen Ankündigungen aus dem FC-Lager vor dem Heimspiel gegen Union Berlin. Ein Sieg sollte her, doch durch das völlig verdiente 1:2 (1:1) gegen die Eisernen stehen die Geißböcke auch nach dem achten Spieltag ohne Dreier da und rutschten auf einen Abstiegsplatz. Saisonübergreifend sind die Kölner nun schon 18 Partien ohne Sieg und haben damit den clubinternen Negativrekord eingestellt.

„Wenn wir weiter solche Fehler produzieren, gewinnen wir in der Bundesliga kein Spiel. Das war ein bitterer Abend“, brachte Rafael Czichos die maßlose Enttäuschung auf den Punkt. Der FC-Innenverteidiger wusste wovon er sprach, war er doch an beiden Gegentoren direkt beteiligt. Beim 0:1 von Taiwo Awoniyi gab Czichos gemeinsam mit Marius Wolf ein Musterbeispiel für inkonsequente Zweikampfführung ab. Weil die beiden Kölner nur halbherzig zur Sache gingen, fiel der Ball der Leihgabe aus Liverpool vor die Füße, bevor er ihn aus 14 Metern kühl ins untere linke Ecke setzte (27.).

Vor dem entscheidenden 1:2 leistete sich Czichos einen ebenso unnötigen wie krassen Fehlpass im Aufbauspiel, der die FC-Defensive so aus dem Gleichgewicht brachte, dass der bis dahin tadellose Salih Özcan am Ende der Fehlerkette Marcus Ingvartsen im Strafraum von den Beinen holte (71.). „Ich komme zu spät,. Das ist gefühlt jetzt schon der 100. Elfer gegen uns“, verzweifelte der FC-Sechser. Zur Einordnung: Es war der sechste Elfmeter gegen die Geißböcke im erst achten Saisonspiel: eine ebenso beispiellose wie wahnsinnige Serie.

Es schien aber, als könne Timo Horn die Scharte ausbügeln. Der FC-Torwart hielt den Strafstoß von Max Kruse und verhinderte damit einen Rekord. Kruse hatte bislang alle seine 16 Elfmeter in der Bundesliga verwandelt, mit 17 hätte er den Ex-Bochumer Abel überflügelt. Horns tolle Parade nützte den Kölnern aber nichts, und Kruse war sein verpasster Rekord letztlich auch völlig wurscht. Sein verwandelter Nachschuss war wichtig und bescherte Union das siegbringende 2:1 (72.) sowie die Saisonpunkte 13 bis 15. „Der Nachschuss ist sinnbildlich für unsere Situation. Uns fehlt das Glück. Aber wir werden wieder aufstehen“, versuchte Timo Horn den Verlierern Mut zu machen.

Der 1. FC Köln hat nur drei Zähler auf dem Konto, und es bleibt festzustellen, dass diese schmale Ausbeute die Leistungen der Gisdol-Elf in dieser Saison gut zusammenfasst. Trotz des leichten Aufwärtstrends vor der Länderspielpause mit drei Punkten aus vier Partien traten die Hausherren gegen biedere Berliner so destruktiv auf, dass sie in 96 Minuten nicht eine echte Torchance aus dem Spiel heraus kreierten. Das zwischenzeitliche 1:1 durch Ellyes Skhiris Kopfball konnte deshalb nur nach einem Freistoß von Ondrej Duda fallen (36.). Gefahr entstand auch in der Folge nur nach Standards: Rafael Czichos Kopfball nach einer Ecke verfehlte das Ziel nur knapp (82.), und Elvis Rexhbecajs Freistoß klatschte an den Pfosten (90.+4).

Es sah auf Kölner Seite insgesamt aber nach einer Strategie aus, in der das Verhindern einer Niederlage mehr Gewicht als der so dringend benötigte Sieg hatte. „Es war eine Partie auf mäßigem Niveau. Beide Teams haben viel gearbeitet, aber wir haben wieder die entscheidenden Fehler gemacht. Wenn man sieht, dass es mit dem Sieg nicht klappt, muss man den einen Punkt mitnehmen. Das ist ärgerlich“, haderte FC-Trainer Markus Gisdol.

So sehr des Trainers Maßnahme, Unions Topspieler Max Kruse durch eine Manndeckung von Skhiri aus dem Spiel zu nehmen, auch aufging, so wenig Plan war in den Offensiv-
aktionen der Kölner zu erkennen. „Im Spiel nach vorne waren wir wieder zu ungeduldig und zu ungenau“, kritisierte Czichos und durfte sich wieder selbst mit einschließen. Die FC-Fangesänge hinter der Südkurve waren dann längst verstummt. Wie das nach einer Heimniederlage so ist.