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Polizei löst Feier des 1. FC Köln auf

Über den Wolken : FC-Profis feiern ausgelassen

Friedhelm Funkel ist nicht mehr in Köln. Er ist dann mal weg. Durchatmen. Die Reserven auffüllen im Urlaub in den Bergen. Den hat er sich verdient. Der Saisonarbeiter hat seinen Auftrag beim 1. FC Köln mit dem Klassenerhalt eindrucksvoll erfüllt.

„Diese sieben Wochen haben schon sehr, sehr viel Kraft gekostet, die ich aber gern investiert habe“, sagte er. „Jetzt gehe ich in der Tat wieder zurück in meinen Ruhestand.“ Aber erst mal Urlaub.

Im Charterflieger nach dem Relegationssieg in Kiel zurück zum Flughafen Köln/Bonn richtete der 67-Jährige einige lauschige Worte an die Mannschaft, die sich schon in prächtiger Feierlaune zeigte. Davon gibt es ein Video. Durchs Bordmikro spricht der Trainer von „sieben geilen Wochen“, die der pausierende Ruheständler in Köln hatte. Und dann wird es richtig laut über den Wolken. Er wünscht den Spielern einen „wundervollen Abend und eine schöne Nacht“. Das interpretierten die FC-Profis offenbar als letzte offizielle Dienstanweisung Funkels, denn sie feierten in der Tat, bis die Polizei kam.

Das ist wörtlich zu nehmen. Die Erleichterung nach dem erfolgreichen Klassenerhalt war bei den Spielern jedenfalls so groß wie die Party in der Nacht. Der nach fünf Jahren beim FC scheidende Kölner Marco Höger organisierte eine Bar in der Stadt. Dorthin zog die Mannschaft nach einem flüssigen Aufwärmprogramm am Geißbockheim. Sie ließ auch nach dem 5:1 in Kiel nicht locker, feierte trotz Ausgangssperre in Köln – und das wohl nicht coronakonform. Die Polizei beendete die Feier wegen diverser Verstöße. „Gegen 3.15 Uhr kam es in Bickendorf zu einem Polizei-Einsatz wegen Ruhestörung“, sagte ein Polizei-Sprecher der „Bild“.

 Zwar seien alle Feiernden negativ auf das Coronavirus getestet gewesen, dennoch war die Party nicht legal. „Die Feier war spontan und der Euphorie geschuldet. Wir können uns nur dafür entschuldigen“, sagte FC-Finanzchef Alexander Wehrle, der ebenfalls in der Bar gewesen sein soll. „Wir sind unserer Vorbildfunktion da nicht gerecht geworden und wissen, dass so etwas in Pandemie-Zeiten nicht vorkommen darf.“ Laut Medienberichten ermittelt die Polizei nun gegen Veranstalter und entsprechende Partylöwen.

Nicht dabei war Funkel, der den gelungenen Tag mit Freunden daheim ausklingen ließ. Von den Feierlichkeiten seines Teams bekam er nichts mit. Von den kuriosen Vorgängen rund um den Liga-Verbleib natürlich schon. Der gebürtige Neusser hatte vielleicht eine Vorahnung, dass Sportchef Horst Heldt, der ihn zurück ans Geißbockheim beordert hatte, beim FC nicht länger erwünscht war. Da konnten auch seine eindringlichen Worte in Richtung FC-Führung nichts mehr ausrichten (ein griffbereites Bordmikro wäre womöglich hilfreich gewesen). Heldt hatte er als „richtigen Mann“ für den Club charakterisiert, selbst wenn der auch einige „unglückliche Entscheidungen“ traf. Gleichwohl: „Er hat einen guten Draht zu den Spielern. Und Horst hängt am Verein.“

Steffen Baumgart, der neue Kölner Trainer, konnte der Demission Heldts ebenfalls nicht viel Positives abgewinnen. „Ich hatte sehr gute Gespräche mit Horst Heldt, der mich vom FC überzeugt hat“, sagte er dem TV-Sender Sport1. „Deshalb habe ich mich auf die Zusammenarbeit mit ihm gefreut.“

Schon vor dem Finale in Kiel hatte Funkel den Mahner gegeben. Beklagte die zunehmende Einmischung zu vieler kaum fähiger Personen ins Tagesgeschäft des Vereins. Und beschwor „einen neuen Zeitgeist“ beim FC herauf.

Dem Verein ist er gleichwohl zu Dank verpflichtet. Nicht nur, dass er ihn aus seiner häuslichen Eintönigkeit in der Pandemie – der geplante Urlaub war ja storniert – holte. Auch finanziell gab es Grund zur Freude. Zumindest für Funkel. Er hatte sich nicht nur bei den Spielern zu bedanken, dass er mit diesem Ergebnis und Erlebnis „so jetzt in Rente gehen kann“, er müsse sich auch beim FC bedanken, denn „meine Rentenkasse ist dadurch aufgebessert worden“. 300 000 Euro soll die Nichtabstiegsprämie betragen. Damit lässt sich ein langer, schöner Urlaub gestalten.