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Sportchef Heldt stärkt Trainer Gisdol den Rücken: Reinigendes Gewitter beim 1. FC Köln

Sportchef Heldt stärkt Trainer Gisdol den Rücken : Reinigendes Gewitter beim 1. FC Köln

Sportchef Horst Heldt stärkt Trainer Markus Gisdol beim 1. FC Köln vor dem Krisengipfel gegen Hertha BSC den Rücken. Ein Debakel wie gegen Freiburg soll sich aber nicht wiederholen.

Horst Heldt und Markus Gisdol haben eine gewisse Routine entwickelt. Besser gesagt, entwickeln müssen. Von dem Tag an, an dem der Sportchef und der Trainer im November 2019 ihre Arbeit beim 1. FC Köln aufgenommen haben, sahen sie sich Skepsis und Vorurteilen ausgesetzt. Daran hat sich trotz Klassenerhalt und den acht Punkten vor Weihnachten gegen Gegner wie Dortmund, Leipzig und Wolfsburg wenig geändert. Der inakzeptable Auftritt des abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten beim 0:5 in Freiburg hat all jene, die denken, mit ihrer Kritik an der Sportlichen Leitung richtig zu liegen, also sofort wieder auf den Plan gerufen: Das Duell am Samstag (15.30 Uhr, Rheinenergiestadion/Sky) gegen Hertha BSC muss das nächste Endspiel für Gisdol sein.

Die Frage nach der Zukunft eines Trainers ist für einen Sportchef nichts Ungewöhnliches. Horst Heldt wird sicher nicht genau wissen, wie oft er sie in seiner Karriere schon beantworten musste – allein in den vergangenen 14 Monaten bei Gisdol. Dass die Frage nach einem Debakel wie dem von Freiburg kommen würde, war dem 51-Jährigen also klar. Heldt weiß auch, dass sie ihre Berechtigung hat. Denn er hätte kaum noch Argumente für eine Weiterbeschäftigung Gisdols, wenn die Mannschaft ein zweites solch leb- und wehrloses Spiel abliefern und sich damit vom Trainer abwenden würde.

So weit ist es aber noch nicht, und deshalb wollte der Sportchef am Donnerstag auf der virtuellen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Berliner von einem Endspiel nichts wissen: „Ich kann nicht bestätigen, dass das jemand von Vereinsseite gesagt hätte. Ein Endspiel bedeutet, dass es danach nicht weitergeht. Jedes Spiel ist für uns wichtig. Wir sind nicht in der Lage, leichtfertig in ein Spiel zu gehen.“ Gisdol durfte dies als klare Rückendeckung verstehen und wollte Heldts Aussage nichts hinzufügen. Außer, dass er sich mit dem Thema nicht auseinandersetze: „Das würde mir nur Energie kosten. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit.“ Damit war der Coach auch ausreichend beschäftigt, denn das 0:5 hatte eine andere Qualität als die anderen sieben Niederlagen dieser Saison: „So eine Leistung hat sich nicht abgezeichnet. Man nimmt sich Zeit, um die Spieler zu fragen, wie es dazu kommen konnte“, berichtete Gisdol von einem „guten, ehrlichen und konstruktiven Austausch“ auf allen Ebenen: „So ein Spiel kann ein reinigendes Gewitter sein. Jeder hinterfragt sich, was er beitragen und besser machen kann.“ Im Idealfall bleibt ein erneutes Versagen aus. Oder wie Horst Heldt es ausdrückte: „Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat.“

Bevor Gisdol sich in der Analyse der rätselhaften Leistung mit anderen beschäftigte, fing er bei sich selber an: „Dass ich als Trainer bei einem 0:5 der Hauptschuldige bin, bringt schon mein Anspruchsdenken mit. Ich trage die Verantwortung. Es war auch von mir in Freiburg nicht die beste Performance“, räumte er ohne Zögern ein.

Die richtige Einstellung ist entscheidend

Bei aller Selbstkritik spiele es aber keine entscheidende Rolle, in welcher taktischen Grundausrichtung er seine Elf aufs Feld schicke: „In Dortmund waren wir mit der Dreier-Variante erfolgreich, in Leipzig mit der Viererkette“, erinnerte er an die beiden Sternstunden vor Weihnachten. Vielmehr gehe es darum, mit der richtigen Einstellung Zugriff auf Spiel und Gegner zu bekommen.

Für die FC-Mannschaft des Jahrgangs 2020/21 kommt es in jeder Partie auf die Arbeit gegen den Ball an. Zweikämpfe suchen, annehmen und für sich entscheiden. All das ließen die Kölner in Freiburg vermissen, wie die Laufstatistiken schonungslos belegten.

In der Routine, mit ständiger Kritik umgehen zu müssen, strahlten Heldt und Gisdol am Donnerstag jedenfalls Zuversicht aus. Zuversicht, die das Duo aus den vielen intensiven Einzel- und Gruppengesprächen dieser Woche gezogen hat. „Die Inhalte der Gespräche bleiben natürlich im inneren Zirkel. Die Spieler sind einsichtig, dass es kein weiteres Freiburg geben darf“, zeigte sich Horst Heldt überzeugt. Gegen die kriselnden Berliner muss sich zeigen, ob diese Einsicht auch zu einer besseren Leistung und dem ersten Heimsieg dieser Saison führt.