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Neuer Trainer: So lief Friedhelm Funkels erstes Training beim 1. FC Köln

Neuer Trainer : So lief Friedhelm Funkels erstes Training beim 1. FC Köln

Bei seiner ersten Trainingseinheit beim 1. FC Köln zeigt sich Friedhelm Funkel als stiller Beobachter. Der neue FC-Trainer will dem Team die nötige Sicherheit für den Abstiegskampf vermitteln.

Ein Dalmatiner streunt durch den Wald. Dahinter: eine Frau, hektisch, wild gestikulierend, in dem Versuch, den gepunkteten Hund wieder einzufangen. An einer Bank hat sich eine kleine Gruppe älterer Männer versammelt. Auf Abstand. Maske? Man trägt Kinn. „Ich hätte den Gisdol schon zur Halbzeit gefeuert“, sagt ein älterer Herr mit FC-Kappe. „Wie kann er denn den Benno bringen, obwohl der Bornauw fit auf der Bank sitzt?“, fragt er in die Runde. „Das Problem ist doch der blinde Sturm“, erklärt ein anderer. „Ich hoffe, der Neue öffnet dem blinden Dennis die Augen.“ Das Geklüngel wirkt gerade zwar anormal, aber so kölsch, angenehm, in diesen Zeiten auch entschleunigend.

Eine ähnliche Ausstrahlung verkörpert gut 100 Meter entfernt der „Neue“: Friedhelm Funkel. Vor knapp 24 Stunden ist der 67-Jährige als Cheftrainer des 1. FC Köln vorgestellt worden, nur Stunden nach dem erwarteten Rauswurf von Markus Gisdol. Funkel soll dem Ruf des Feuerwehrmanns gerecht werden und den FC vor dem siebten Abstieg bewahren. Bei sechs ausstehenden Spielen und drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer eine äußerst schwere Aufgabe. „Ich glaube fest daran, dass wir mit der Mannschaft in der Liga bleiben können“, hat Funkel bei seiner ersten Pressekonferenz gesagt. „Wichtig ist, die Ruhe zu behalten und vertrauensvoll mit der Mannschaft zu arbeiten.“

Eben jene Ruhe eines Trainer-Routiniers. Funkel ist auch auf dem Trainingsplatz an diesem Tag ein stiller Beboachter. Das Training leitet sein „Co“ André Pawlak. Es gibt von Funkel keine hektischen Zwischenrufe, allenfalls lobende Worte. Ab und an macht der Trainer sich eine Notiz, hier und da sucht er das direkte Gespräch mit einem seiner Spieler. Das will er in den kommenden Tagen vertiefen. Funkel will seiner Mannschaft Sicherheit verleihen.

Abstiegskampf ist für Friedhelm Funkel nichts Neues

Der Trainer ist Abstiegskampf gewohnt, sprang bereits öfter in höchster Not ein. Vor 19 Jahren auch beim FC. 2016 übernahm er Fortuna Düsseldorf. Die Fortunen kämpften in der 3. Liga um den Klassenerhalt. Funkel rettete Düsseldorf nicht nur, er führte die Fortuna 2018 in die 1. Liga. „Ich hatte auch dort eine schöne Zeit, keine Frage. Sie hat knapp vier Jahre gedauert“, sagt Funkel. Nach seiner Entlassung 2020 gab Funkel sein Karriere-Ende bekannt. Nun der Rücktritt vom Rücktritt. „Ich habe damals gesagt, dass es meine letzte Station sein wird, ohne zu wissen, was im Leben noch passieren wird“, sagt der Coach. „Das war eben diese traurige Corona-Zeit.“

Zu seinem ersten Training nach dem Rücktritt sind zahlreiche Journalisten gekommen. Auch einige Zuschauer, die aber von dem obligatorischen schwarzen Zaun abgehalten werden. Auf dem Platz haben sich die Spieler versammelt, die am Sonntag weniger als 45 Minuten gespielt haben. Das restliche Team absolviert eine regenerative Einheit. Funkel will Eindrücke sammeln. Die Spieler müssen sich beweisen. „Ich werde völlig unvoreingenommen das erste Training leiten und schauen, wie die Mannschaft mitzieht“, sagt Funkel. „Letztendlich entscheiden die Spieler selbst, ob sie im Kader stehen. Natürlich gibt es auch Spieler, die enttäuscht werden.“ Funkel wünscht sich eine enge Zusammenarbeit, spricht von Respekt untereinander. Er setzt auf den Teamgedanken, der beim FC intakt zu sein scheint. Zumindest nach den vergangenen Wochen.

Als Markus Gisdol gegen Dortmund, Wolfsburg oder Mainz unter Druck stand, zeigte die Mannschaft Charakter, spielte ordentlichen Fußball. Die Kölner Schwäche macht der gebürtige Neusser ebenfalls in der Offensive aus. Doch es gibt Hoffnung. „Wir müssen vielleicht ein Stück weit mehr Risiko nach vorn zeigen. Wir müssen bereit sein, die Wege in der Offensive zu gehen“, sagt Funkel. „Ein wichtiger Faktor ist, dass Andersson zurück ist. Er hat die Qualität, vorn in der Spitze Bundesliga zu spielen. Er ist als Zielspieler sehr wichtig.“ Der Trainer verweist auf die Verletzungsprobleme, die den FC in dieser Spielzeit geplagt haben. „Die Spieler müssen jetzt gesund bleiben, das hoffe ich“, meint der Coach, der dann doch noch einen kleinen Schockmoment erlebt. Nach einem Zweikampf mit Tim Lemperle bleibt Ismail Jakobs verletzt liegen und muss das Training abbrechen. Eine Diagnose steht noch aus.

Nach gut 75 Minuten beendet Funkel die Übungseinheit. Die Gruppe von älteren Herren hat sich inzwischen aufgelöst. Nur der Mann mit FC-Kappe ist noch da. „Den hätten sie schon in der Winterpause holen müssen“, sagt er und winkt bedient ab. „Jetzt wird das nichts mehr.“