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Sportpsychologische Analyse: So schätzt ein Experte den Teamgedanken des 1. FC Köln ein

Sportpsychologische Analyse : So schätzt ein Experte den Teamgedanken des 1. FC Köln ein

Der Teamgedanke spielt beim 1. FC Köln eine übergeordnete Rolle. Immer wieder betonen die FC-Verantwortlichen, wie wichtig die Mannschaft sei. Das sagt der sportpsycholgische Experte Thorsten Loch zum Teamgedanken einer Sportmannschaft.

Steffen Baumgart war im Sommer erst wenige Tage im Amt, da hatte der neue Trainer des 1. FC Köln schon einen Großteil der FC-Anhängerschaft auf seine Seite gezogen. Der gradlinige Trainer, der frei Schnauze seine Meinung kundtut, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Hype um den Trainer nahm schnell Fahrt auf und hält bislang beeindruckend das Tempo. Kein Wunder, der FC spielt einen attraktiven Offensivfußball und eine hervorragende Saison. Einen ersten kleinen Dämpfer hat die Euphorie allerdings in der vergangenen Woche nach dem Pokal-Aus gegen Hamburg erlebt. Baumgart wurde für seine Rotation kritisiert.

„Ich kann ja nicht von meinem Kader sagen, dass ich glaube, ich habe keinen Kader A und B, sondern dass ich einen ausgeglichenen Kader habe“, sagte der Trainer. „Wenn ich den Jungs das vermitteln will, dann muss ich das auch machen.“ Immer wieder betont Baumgart die Stärke und Ausgeglichenheit des Teams, tut sich schwer damit, einzelne Spieler hervorzuheben. Es wirkt so, als würde der Trainer nach dem Motto „Die Mannschaft ist der Star“ agieren. „Die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft lässt sich nicht nur über die individuale Qualität einzelner Spieler festhalten“, sagt Thorsten Loch, sportpsychologischer Experte. „Wäre dem so, wären ja auf Jahre hinweg Titel vergeben. Es finden sich immer wieder Mannschaften, die sich aus Spitzenspielern zusammensetzen und gegen vermeintlich schwächer aufgestellte Teams verlieren.“

Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden

Auf der anderen Seite gibt es den vermeintlichen Underdog, dessen Spieler über sich hinaus wachsen können – biespielsweise im Pokal. „Ursachen dieser verschiedenen Erscheinungen liegen in den mehr oder weniger bewussten psychischen Antriebsfaktoren“, sagt der Experte. „Sie veranlassen den einzelnen Spieler dazu, das jeweilige Potenzial entweder voll auszuschöpfen, es nur teilweise zu aktivieren oder es gar nicht über die individuelle Leistungsgrenze hinaus mobilisieren zu können.“ Erfolg sei im Team nur möglich, wenn es die Abhängigkeit voneinander verstünde.

Ob bewusst oder unbewusst, Baumgart wird nicht müde, diese Abhängigkeit zu kommunizieren. So zum Beispiel bei Anthony Modeste. Der Torjäger kommt mittlerweile auf 13 Saisontore. Doch Baumgart betont immer wieder, dass er nur so viele Tore schießen würde, weil er ja auch gefüttert werde. Medial hält Baumgart den Torschützen klein. „Als „kleinhalten“ würde ich das nicht bezeichnen wollen. Es impliziert automatisch eine Wertung“, sagt Loch. Der Experte verweist auf Teams, die trotz zahlreicher Superstars auch in der Mannschaft gut funktioniert haben, wie in der 90er Jahren die Chicago Bulls mit Michael Jordan. „Damit dies gelingen kann, muss ich entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit eine Potenzialentfaltung gelingen kann“, sagt Loch. 

Das Team muss bei Laune gehalten werden

Doch den Fokus verstärkt auf die Mannschaft richten, kann auch Nachteile mit sich bringen. „In der Psychologie gibt es einen Begriff der „sozialen Faulheit“. Dieser beschreibt ein sozialpsychologisch relevantes Phänomen in einer Gruppe“, sagt der Experte. Demnach reduziere sich die physiologische Anspannung eines einzelnen Spielers, wenn Individuen in einem Kollektiv auf ein Ziel hinarbeiten, ohne, dass die Leistung des Einzelnen bekannt wird. Ursachen dieser sozialen Faulheit können beispielsweise bei Spielern entstehen, die den Eindruck haben, dass sich ihr Aufwand nicht lohnt wie bei Ergänzungsspielern, die nicht aufgestellt werden. „Das Gegenteil zu „sozialer Faulheit“ stellt Synergie dar. Synergieeffekte bewirken, dass die Mannschaftsleistung größer ist als die Summe der Einzelleistungen“, sagt Loch. „Mannschaften gelingt es also, über sich hinaus zu wachsen und Fantastisches zu leisten.“ An dieser Stelle spielt der Trainer laut Experten eine besondere Rolle. „Trainer müssen sensibel sein. Sensibel für Signale, die anzeigen, wo und wie Veränderungen möglich und notwendig sind“, sagt Loch.

Dazu gehört auch, das Team bei Laune zu halten, gerade die Spieler die vermeintlich hinten anstehen. „Der Trainer muss in den Austausch mit seinen Spielern gehen. Sprechen und Hören sind hier mitunter die entscheidenden Kriterien“, sagt Loch. Eins ist sicher: In Sachen Kommunikation beweist Steffen Baumgart bislang wenig Schwächen.