Mögliche Tätlichkeit von Modeste Sulu muss sein Schweigen brechen

Köln · Wie bewertet Darmstadts Kapitän das Duell mit Torjäger Modeste? Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen den FC-Stürmer. Eine Stellungnahme von Aytac Sulu soll Klarheit bringen.

 Banger Blick nach Frankfurt: Womöglich wird Anthony Modeste wegen einer Tätlichkeit gesperrt.

Banger Blick nach Frankfurt: Womöglich wird Anthony Modeste wegen einer Tätlichkeit gesperrt.

Foto: picture alliance / Uwe Anspach/d

Weil Schiedsrichter Robert Kampka eine entscheidende Szene beim 6:1-Sieg des 1. FC Köln in Darmstadt nicht gesehen haben will, ist der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag tätig geworden und ermittelt gegen Anthony Modeste. Dem FC-Torjäger wird vorgeworfen, sich „eines krass sportwidrigen Verhaltens in der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner schuldig gemacht zu haben“, wie es in sperrigem Juristendeutsch in einer DFB-Mitteilung heißt. Kurz gesagt, wird dem Mittelstürmer eine Tätlichkeit vorgeworfen.

Sowohl Modeste als auch sein Gegenspieler Aytac Sulu wurden aufgefordert, eine Stellungnahme zu der Spielszene aus der 38. Minute abzugeben. Das Geschehen hatte sich bei einem Kölner Angriff gut 20 Meter zentral vor der Darmstädter Strafraumgrenze abgespielt. Im Laufduell wischte Anthony Modeste mit der behandschuhten rechten Faust und dem Unterarm über die linke Wange des Gegners, nachdem der ihn zuvor geschubst hatte.

Nach dem Spiel hatte Sulu den Vorgang nicht bewerten wollen. Nun muss er sein Schweigen brechen, muss sagen, ob es aus seiner Sicht eine zielgerichtete Tätlichkeit oder eine eher unkontrollierte Abwehrbewegung von Modeste gegen ihn war.

Schiedsrichter Kampka lief etwa fünf Meter links von dem Spielerpaar und schaute in ihre Richtung zum weiter rechts den Ball spielenden Christian Clemens. Er reagierte nicht auf den Vorgang, ließ das Spiel laufen. Auf Befragen des Kontrollausschusses erklärte der Bundeswehrarzt am Montag, er habe die Szene nicht gesehen.

„Jetzt gibt es die schriftliche Anhörung. Tony muss eine Stellungnahme abgeben, wie er das Geschehen erlebt hat. Dann sehen wir weiter, ob es ein Verfahren gibt“, berichtete Jörg Schmadtke. Mehr wollte der Sportchef zu dem Vorgang nicht sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt.

Entscheidung fällt am Mittwoch

Nach Auswertung der Stellungnahmen der beiden Spieler wird der DFB-Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden. Kommen die Sportrichter zu dem Schluss, dass Kölns Torjäger schuldhaft gehandelt hat, würde zeitnah ein Verfahren eingeleitet. Eine Entscheidung darüber wird am Mittwoch erwartet.

Sollte Modeste tatsächlich gesperrt werden, wäre dies für die Kölner ein herber Verlust. Schließlich erzielte der wuchtige Mittelstürmer, der in Darmstadt neun Minuten vor der umstrittenen Szene seine dritte Verwarnung in dieser Saison erhalten hatte, 14 Treffer in 18 Spielen. Mit Artjoms Rudnevs besitzt der FC seit dem letzten Sommer allerdings einen Stürmer, der inzwischen ebenfalls seine Torgefahr nachgewiesen hat. Nach seiner Einwechslung in Darmstadt erzielte er den Treffer zum 6:1-Endstand und bereitete zwei weitere vor. Bei seinen letzten vier Einsätzen war er an fünf Treffern beteiligt, von denen er drei selbst schoss.

Deshalb meinte Trainer Peter Stöger gestern: „Ich glaube, dass Rudnevs und Osako von den Spielertypen her auch ein sehr gut funktionierendes Sturmduo bilden können. Rudi ist derjenige, der richtig viel arbeitet, der unangenehm ist, der Räume öffnen kann. Und Yuya ist der Stratege. Das passt so, wie Yuya auch zu Tony passt.“

Es könne also durchaus mit ihnen funktionieren. „Ich denke, wir würden es auch schaffen, wenn Tony ausfallen sollte. Aber so weit ist es ja noch nicht“, mochte auch Stöger der Entscheidung des Kontrollausschusses nicht vorgreifen. Er selbst bewertete die strittige Szene im Übrigen als einen harten Zweikampf, wie es viele andere in dieser Partie gegeben habe.