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Trainer Baumgart spielt mit dem FC im Derby gegen Gladbach auf Sieg

1. FC Köln gegen Mönchengladbach : Baumgart spielt mit dem FC im Derby auf Sieg

FC-Trainer Steffen Baumgart geht voller Selbstvertrauen in sein erstes Derby gegen Gladbach. Auch für ihn ist es ein besonderes Spiel, für das sich Torjäger Anthony Modeste fit gemeldet hat.

Selbst Jupp Heynckes, dieser Grandseigneur des Fußballs, hat einst in kurzen Hosen den Rasen umgepflügt, wie das in der wenig geschönten Fußballsprache heißen muss. Er war Fußballer, ein begnadeter Stürmer, Kind der Bundesliga. Dort hat er auch kapitelweise Derby-Geschichte geschrieben. Elf Treffer gelangen dem Gladbacher 74er-Weltmeister im Duell mit Köln – so viele wie keinem anderen Spieler der beiden Rivalen. Eine leichte Faszination kann der Weitgereiste nicht verbergen, wenn es sich um das rheinische Spiel der Spiele dreht. „Die Luft vor einem Derby war anders“, formulierte er es einmal. Anders, flirrender, aufgeladener. Nun wird es wieder Zeit, dass sich was dreht, wenn am Samstag in dicken Lettern die Überschrift in Müngersdorf lautet: FC gegen BORUSSIA.

Dabei ist es fraglich, ob ein direkt Beteiligter in der 93. Bundesliga-Auflage des ewig jungen Konflikts, zumindest des sportlichen, diese brodelnde Gemengelage aus Bedeutung und Brisanz schon transportieren kann. Zwar ist Steffen Baumgart bekannt für seine außerordentlichen Emotionen, die er erst gar nicht zwanghaft zu verstecken gedenkt. Jedoch ist es für ihn die Premiere in einem Derby, das für den FC-Trainer das „größte ist, das ich bisher gespielt habe“. Natürlich, er weiß um die besondere Würze in diesem rheinischen Fußball-Festmahl. Er bezeichnete es am Donnerstag als das wichtigste Spiel des Jahres, „auf der einen Seite ein Duell, auf der anderen eine große Besonderheit“. Bei allem Pathos schätzt der 49-jährige Coach jedoch vor allem, dass die Partie überhaupt zur Aufführung kommen wird, obwohl „wir als Gesellschaft in einer schwierigen Situation sind“.

Baumgart will Rivalität auf dem Platz sehen

Die Situation des Kölner Teams ist derzeit gleichfalls ein wenig unübersichtlich: die Leistung stimmt, die Punkteausbeute nicht. Fünf Ligaspiele in Folge haben die Kölner nicht gewonnen, was den Trainer nicht davon abbringt, seine Vorstellungen klar zu formulieren. „Wir können mit unseren Leistungen, die wir gezeigt haben, die Begegnung für uns entscheiden“, sagt er. Und: „Ob es uns gelingt wird man sehen, aber wir haben da sehr, sehr gute Möglichkeiten.“

Schon beim ersten Bundesliga-Derby zwischen beiden Clubs 1965, das der FC mit 3:2 gewann, war die Konkurrenz spürbar besonders. Bis in die Gegenwart hat sich daran nichts geändert. Und Baumgart kann sich mit dieser knackigen Atmosphäre, die im Kölner Stadion herrschen wird, durchaus arrangieren. Mehr noch: sie gefällt ihm. Er sagt: „Die sportliche Rivalität ist gut und muss auf dem Platz zu spüren sein.“

Schwäbe vertritt Horn im Tor

Sportlich geht es, wie fast in jedem Duell, um einiges. Gelänge den Kölner der vierte Saisonsieg wären sie punktgleich mit Gladbach, das mit 18 Zählern auf Rang neun drei mehr aufweist als der FC auf Platz zwölf. Eine Niederlage bedeutete für die Baumgart-Elf jedoch, dass sie sich vorerst verstärkt mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen müsste.

Die Formation seiner Elf, die das verhindern soll, zeichnet sich noch nicht in aller Klarheit ab. Dass jedoch Marvin Schwäbe, der sonst nur im Pokal zum Einsatz kommt, anstelle des wegen einer Knieverletzung länger ausfallenden Timo Horn im Tor stehen wird, steht fest. Den Konkurrenzkampf um die Nummer 1 befeuerte der FC im Sommer mit Schwäbes Verpflichtung. „Es ging vor der Saison darum, mit Timo und Marvin zwei gute Torhüter im Kader zu habe“, erläutert der Rostocker. „In den vergangenen Monaten war zu sehen, dass Timo besser und konstanter geworden ist. Marvin ist der, der dahinter gewartet und gut trainiert hat. Seine Leistungen im Pokal waren sehr gut.“ Ob Schwäbe es auch in der Liga umsetzen kann? Das sei wie ein Blick in die Glaskugel, „so weit bin ich noch nicht“.

FC-Torjäger Modeste einsatzbereit

Überzeugende Auftritte liefert auch einer ab, der eher weit entfernt vom  eigenen Tor zu finden ist: Anthony Modeste. Der mit einer Hüftprellung zuletzt angeschlagene Torjäger ist, das bestätigte Baumgart am Donnerstag, auf jeden Fall eine Option. Dabei hatte es unter der Woche nicht gut ausgesehen für einen Einsatz des Franzosen, der es bislang auf acht Saisontreffer bringt. Nein, eine „Wunderheilung“ sei es bei Tony nicht gewesen, beteuert Baumgart. „Es ging vor allem ums Schmerzempfinden. Es war ja nichts kaputt, sondern eine Prellung.“ Am Donnerstag hat Modeste das Mannschaftstraining wieder aufgenommen. Und ein wenig Zeit bleibt ja noch bis Samstag.

Einsatzbereit ist auch Ellyes Skhiri. Der Tunesier wird nach Abklingen seiner Knieverletzung wieder in der Startelf erwartet, wären da nicht der zuletzt starke Salih Özcan und Dejan Ljubicic, die ebenfalls berechtigten Anspruch auf einen Einsatz von Beginn an anmelden könnten. Baumgart gibt sich diplomatisch. „Wir haben ein sehr gutes Konkurrenzverhalten“, sagt er. „Dementsprechend kann es sein, dass Ellyes in der Startelf steht. Es kann aber auch sein, dass er sich gedulden muss. Spielen wird er in jedem Fall.“

Mittelfeldrenner Skhiri vor Rückkehr in Startelf

Ganz sicher nicht verändern wird sich die Herangehensweise Baumgarts und des Teams gegen einen Gegner, in dem der Coach „eine der besten Mannschaften, die wir in Deutschland haben“ erkennt und dessen „positiven Trend“ er hervorhebt. Das Ziel sei es dennoch, das „Spiel zu gewinnen. Ich finde es schön, dass ich das Gefühl habe, wir können dieses Spiel gewinnen“. Eigenes Wunschdenken, das schließt Baumgart aus.