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Trainer beim 1. FC Köln: Vor diesen Aufgaben steht Steffen Baumgart

Große Herausforderungen : Vor diesen Aufgaben steht Steffen Baumgart beim 1. FC Köln

Der kommende FC-Coach Steffen Baumgart verkörpert Offensivfußball. Der aktuelle Kölner Kader überzeugt aber vor allem in der Defensive. Schon deshalb erwartet den Noch-Paderborner viel Arbeit.

Eigentlich sah der SC Paderborn bereits wie der sichere Sieger aus. 2:0 führte der Bundesliga-Aufsteiger erwartungsgemäß an jenem Sommertag im August 2019 gegen den Viertligisten SV Rödinghausen zur Halbzeit. Doch die Mannschaft von SC-Trainer Steffen Baumgart gab die sichere Führung aus der Hand. Auch weil Ex-BSC-Spieler Lars Lokotsch doppelt traf. Erst im spektakulären Elferschießen setzte sich Paderborn durch und erreichte die zweite Runde des DFB-Pokals.

Die zu befürchtende Floskel des Pokals und seiner eigenen Gesetze legte Baumgart etwas überraschend aus. „Wenn sie mich fragen, welche Halbzeit mir besser gefallen hat, dann definitiv die zweite“, sagte der Coach. Die Begründung: Paderborn kassierte zwar drei Gegentore, spielte aber den vom Trainer gewünschten offensiven Tempofußball. Hohes Anlaufen, Pressing, Einsatzbereitschaft: Baumgart will mit seinem Fußballspiel Leidenschaft entfachen – bei den Fans, aber auch bei den Spielern. Die Leidenschaft, die der 1. FC Köln erst am vergangenen Sonntag gegen den SC Freiburg 45 Minuten lang so schrecklich hat vermissen lassen. Baumgart ist kein Freund der Taktiktafel, er braucht Arbeiter, Kämpfer.

Auf den ersten Blick dürfte die Trainerwahl der Kölner überraschen. Denn nicht viele FC-Profis verkörpern aktuell die Spielweise des künftigen Coaches. Offensiven Tempofußball hat man in dieser Spielzeit beim FC nicht gesehen. Der Fokus von Markus Gisdol lag zumindest in dieser Spielzeit ganz klar auf Defensivarbeit. Einige Kölner Verantwortliche hatten jetzt Bedenken bei Peter Stöger, der für einen ähnlichen Stil steht.

1. FC Köln hat sich bei Baumgart gegen große Konkurrenz durchgesetzt

Nun auf Baumgart zu setzen, ist also mutig. Für FC-Sportdirektor Horst Heldt aber auch eine Art Befreiungsschlag. Der gebürtige Königswinterer gilt als angezählt. Auch, weil er zu lange an Gisdol festgehalten und bei der Kader-Nachjustierung im Winter nicht an den richtigen Stellschrauben gedreht hat. Nun hat er sich mit dem FC bei Baumgart gegen namhafte Konkurrenz aus Hamburg und Schalke, dem Vernehmen nach auch Bremen, durchgesetzt. 

Der Trainer-Coup deutet aber auch gleich auf eine drastische Veränderung beim 1. FC Köln hin. Nachdem die Trainerfrage geklärt ist, wird sich Heldt an die konkrete Planung des Kaders machen müssen – und das aktuell noch zweigleisig. Ein Großteil des Teams wird den Club im Sommer sicherlich verlassen. Wie berichtet, laufen acht Verträge aus, die mit Sicherheit nicht verlängert werden. Zudem muss der FC einiges an Tafelsilber verkaufen, unabhängig der Liga. Darunter werden sich einige Leistungsträger befinden. Baumgart wird eine neue Mannschaft um einige Routiniers aufbauen müssen. „Er hat bewiesen, dass er Spieler, egal welchen Alters, weiterentwickeln und besser machen kann“, sagte Heldt. Nicht umsonst hat Köln jüngst die Verträge mit einigen jungen Spielern wie Jan Thielmann verlängert.

Baumgart steht beim FC sofort unter Erfolgsdruck

Baumgart liebt die Herausforderung. Er wird sich auch in Köln also einer großen stellen müssen. Und das nicht nur wegen der Fragezeichen hinter Kader und Liga. „Es ist mir bewusst, dass beim FC drei Kameras mehr am Trainingsplatz stehen“, sagte Baumgart. „Aber damit kann ich umgehen.“ Das wird er auch müssen. Denn der Coach steht beim FC unmittelbar unter Druck. Sollte Köln absteigen, wird von ihm nichts anderes erwartet, als der sofortige und überzeugende Wiederaufstieg. Sollte das Team die Klasse halten, geht es wohl von Beginn an gegen den Abstieg.

Beim aktuellen Trainer Friedhelm Funkel und seinem Team hat unterdessen die Vorbereitung auf das kommende Spiel gegen Hertha BSC (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) begonnen. Im Schloss Bensberg, hinter verschlossenen Türen. Die Abschottung ist verständlich. Sollte der FC verlieren und sollten Bremen und Bielefeld am Samstag gewinnen, wäre der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte perfekt. Dann würde Baumgart die erste Runde des DFB-Pokals als Bundesliga-Absteiger bestreiten.