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Der 1. FC Köln braucht mehr Torgefahr: Wenn die Defensive die Offensive ist

Der 1. FC Köln braucht mehr Torgefahr : Wenn die Defensive die Offensive ist

In der jüngsten Vergangenheit strahlten Defensivspieler wie Jonas Hector oder Ellyes Skhiri die größte Torgefahr beim FC aus. Das dürfte gegen Leipzig zu wenig sein.

Ein Freistoß an die Latte, ein Schuss knapp am Tor vorbei, ein verfehlter Kopfball – wie schon gegen den VfL Wolfsburg strahlte Jonas Hector auch am vergangenen Samstag gegen Bayer Leverkusen vor dem gegnerischen Tor die größte Gefahr der Kölner aus. Jener ehemalige Nationalspieler, der in seiner Karriere wahlweise als Außenverteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt wurde.

Hector verkörperte in diesen beiden Spielen einmal mehr das große Manko des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln in dieser Saison. Die eigene Defensive sorgt in Teilen für mehr Gefahr, als die Offensive. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Ellyes Skhiri zu den Top-Torschützen beim FC gehört. Daran kann ganz offensichtlich auch der Trainerwechsel auf Friedhelm Funkel nichts ändern. Einen torgefährlichen Stürmer gibt der aktuelle Kader nicht her. Das Problem verdeutlichte die Begegnung gegen den 1. FSV Mainz 05 am 28. Spieltag, als mit Sebastian Andersson der etatmäßige Stürmer nach langer Verletzungspause wieder von Beginn an spielte und das sonst lahmende Offensivspiel der Kölner deutlich belebte.

Gegen Leverkusen fiel der Schwede aufgrund seines lädierten Knies wieder aus und auch gegen Leipzig am Dienstag (18.30 Uhr, Sky) wird der Angreifer fehlen. „Er muss erst drei, vier Mal auf dem Platz stehen“, sagte Funkel. „Er muss das Vertrauen haben. Aber auch ich muss das Vertrauen haben, dass er 60, 70, 80 Minuten spielen kann.“

Der Kölner Coach setzte gegen Bayer also auf den unter Markus Gisdol noch aussortierten Emmanuel Dennis. Der Nigerianer bemühte sich zwar, fand aber einmal mehr so gut wie gar nicht statt. „Dennis hat sich bemüht und ordentlich gespielt“, befand Funkel. „Er ist aber keine 1,85 Meter groß und das fehlt uns.“ Das fehlte gegen Leverkusen in der Tat. Der FC brachte viele Flanken im gegnerischen Strafraum unter, ein Abnehmer war aber nur selten zur Stelle.  

Andersson fällt wieder aus

So steht Funkel vor der Begegnung gegen Leipzig vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Dennis strahlt so gut wie keine Torgefahr aus und Andersson fehlt. Einen weiteren erstklassigen Zielspieler sucht man in den Reihen der Kölner vergebens. Tolu Arokodare bringt zwar die Physis mit, spielt aber in Funkels Plan noch keine Rolle. Gegen Bayer stand der Angreifer noch nicht einmal im Kader. „Ich kann ja nur 18 Spieler mitnehmen. Vor dem Leverkusen-Spiel war Tim Lemperle ein wenig auffälliger“, sagt Funkel auf der Suche nach der Andersson-Alternative.

„Das ist in der Tat die schwierigste Frage, die man mir stellen kann“, sagte Funkel. „Wir haben schon verschiedene Überlegungen.“ Voraussichtlich rückt Ondrej Duda wieder als hängende Spitze in die Startformation, eine Rolle, die der Slowake schon unter Gisdol spielte. Aber auch eine Rolle, die die technische Stärke des Mittelfeldspielers torpediert. Zudem zeigte Max Meyer gegen Leverkusen, dass auch er ein Kandidat für die Startelf sein kann.

Der Rückstand droht größer zu werden

Ob Friedhelm Funkel ausgerechnet gegen Titelkandidat RB Leipzig eine offensive Ausrichtung wählt, ist ohnehin fraglich. Im Hinspiel ermauerte sich Köln einen Punkt gegen den Tabellenzweiten. Dabei dürfte selbst ein Unentschieden für den FC zu wenig sein. Nach der 0:3-Niederlage gegen Leverkusen beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer fünf Spieltage vor Saisonende vier Zähler, der auf den Relegationsplatz drei Punkte. Die Luft wird für den FC immer dünner. Auch, weil die direkte Konkurrenz aus Bielefeld gegen Schalke spielt und Mainz zu Gast bei angeschlagenen Bremern ist.

Somit ruht die Hoffnung auf einer stabilen Defensive. Möglichst einer, die den Weg zum gegnerischen Tor kennt.