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1. FC Köln: Wiedersehen im Derby mit Florian Wirtz

1. FC Köln : Wiedersehen im Derby mit Florian Wirtz

Als der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln danach gefragt wurde, wie er vor dem Nachbarschaftsduell der Fußball-Bundesliga am Mittwoch dem Wiedersehen mit Florian Wirtz entgegenblicke, konnte sich Horst Heldt eine süffisante Spitze nicht verkneifen.

Als der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln danach gefragt wurde, wie er vor dem Nachbarschaftsduell der Fußball-Bundesliga am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) bei Bayer 04 Leverkusen dem Wiedersehen mit Florian Wirtz entgegenblicke, da antwortete Heldt mit einem verschmitzten Lächeln: „Er kriegt einen Tritt in den Hintern, wenn er meint, er müsste gegen den FC gut performen.“

Es war die humorige Annäherung Heldts an ein Thema, das vor einem halben Jahr noch für kräftige Verstimmungen zwischen den beiden Rivalen gesorgt hatte. Die Kölner waren sauer darüber gewesen, dass ihnen der Werksclub in dem europaweit begehrten Florian Wirtz den wohl größten Schatz ihres Nachwuchsleistungszentrums weggeschnappt hatte. Zudem sahen sie einen Verstoß gegen eine Vereinbarung der rheinischen Bundesligisten, nicht in der Jugendabteilung des anderen zu wildern. Bayer wiederum hielt dagegen, man habe Wirtz nicht als Nachwuchs-, sondern als Profispieler angesehen. Am Ende hatte die Causa Wirtz so hohe Wellen geschlagen, dass der damalige Kapitän der Kölner U17-Meistermannschaft schon in der Winterpause die Seiten wechselte – und bei Bayer 04 Leverkusen auf Anhieb für derartiges Staunen sorgte, dass Trainer Peter Bosz den Jungen aus Brauweiler alsbald in den Profikader hochzog. Vor dem Derby gegen den FC ist der aktuelle U17-Nationalspieler längst bundesweit bekannt: Als mit 17 Jahren und 34 Tagen jüngster Torschütze der Bundesliga-Historie. Aufgestellt hatte der offensive Mittelfeldspieler den neuen Rekord am 30. Spieltag mit seinem Treffer zum 2:4-Endstand gegen Bayern München. Vieles spricht dafür, dass Wirtz am Mittwoch im Duell mit seinem Jugendclub zu seinem fünften Bundesliga-Einsatz kommt. „Er wird sich sicherlich viel vornehmen“, prognostiziert Horst Heldt.

Der Sportchef des FC verfolgt die kometenhafte Entwicklung von Florian Wirtz mit gemischten Gefühlen. „Ich freue mich für seinen Weg“, sagt der 50-Jährige einerseits. Andererseits sei er immer auch „betrübt“, wenn in der Kölner Jugend groß gewordene Spieler ihr Bundesliga-Debüt bei einem anderen Proficlub geben. So wie jüngst der ehemalige FC-U19-Stammspieler und Neu-Schalker Can Bozdogan (19), der am vergangenen Sonntag gegen Leverkusen (1:1) bei seinem fast 70-minütigen Einsatz erstmals Erstliga-Luft schnupperte. Mittelfeld-Talent Bozdogan ist nach Wirtz sowie den FC-Jungprofis Noah Katterbach (19), Ismail Jakobs (20) und Jan Thielmann (18) der bereits fünfte im Kölner Nachwuchs ausgebildete Akteur, der in dieser Saison seinen Bundesliga-Einstand gefeiert hat. „Diese Zahl ist etwas Besonderes“, meint Horst Heldt. Der FC-Sportchef wertet sie auch als Bestätigung für die „ganz exzellente Arbeit“, die trotz „schwieriger Bedingungen“ im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln geleistet werde. Und von der die Lizenzspieler-Abteilung in dieser Spielzeit in einem Maße profitiert wie schon lange nicht mehr. „Die Durchlässigkeit ist gerade ein großer Trumpf“, freut sich Heldt. Damit dies nicht nur in den aktuell wirtschaftlich unsicheren Zeiten so bleibt, müsse weiter „intensiv und gut“ ausgebildet werden. „Nur mit einer hohen Durchlässigkeit kommt eine gute Ausbildung zum Tragen.“ Markus Gisdol zeigt sich grundsätzlich offen für diesen Weg („Eine gewisse Unbekümmertheit tut immer gut“), legt aber auch Wert darauf, Jugend und Erfahrung in Einklang miteinander zu bringen: „Es tut einer Mannschaft immer gut, wenn du eine gewisse Mischung auf dem Platz hast“, betont der FC-Coach. Gisdol warnt zugleich davor, in den Talenten Allheilsbringer zu sehen: „Wir sollten nicht in eine Situation hineinlaufen, dass wir einem jungen Spieler zu viel auf die Schultern lasten.“ Dass Noah Katterbach und Jan Thielmann, die eigentlich noch für die U19 spielen könnten, bereits im Profiteam funktionierten, sei ein „schönes Beiwerk. Wir haben aber eine Gesamtverantwortung in unserem Kader“.