1. Sport
  2. 1. FC Köln

Der Mainzer Daniel Brosinski vor dem Duell mit seinem Ex-Club 1. FC Köln: „Wir haben den Ernst der Lage verstanden“

Der Mainzer Daniel Brosinski vor dem Duell mit seinem Ex-Club 1. FC Köln : „Wir haben den Ernst der Lage verstanden“

Beim 1. FC Köln sammelte Daniel Brosinski erste Erfahrungen als Profi. Mit Main 05 trifft er am Samstag auf seinen früheren Club und spricht über die schwierige Situation beider Vereine.

Herr Brosinski, Ihr früherer Club, der 1. FC Köln, reist nach dem Sieg in Dortmund und dem Punktgewinn gegen Wolfsburg mit Rückenwind nach Mainz. Wie ordnen Sie den Kölner Aufschwung ein?

Die Kölner haben das gut gemacht. Im Abstiegskampf muss man viel investieren, da bekommt man nichts geschenkt. Gerade gegen Teams auf Augenhöhe, die mit Kampfkraft punkten, wie es der FC in Dortmund und gegen Wolfsburg getan hat.

Mit Mainz und Köln treffen zwei Mannschaften aufeinander, die Probleme im Ballbesitz haben. Rechnen Sie mit einem reinen Kampfspiel?

Es wird sehr intensiv mit vielen Zweikämpfen – bis zur 90. Minute. Beide Mannschaften werden läuferisch alles in die Waagschale schmeißen. Da muss man von der ersten Minute an da sein. Gerade bei Standards dürfen wir uns keinen Fehler erlauben. Das hat der FC in Dortmund sehr gut gemacht. Wenn uns ein schnelles Tor gelingt, können wir die Kölner vielleicht ein bisschen verunsichern und einen zweiten Treffer nachlegen.

Inwiefern taugt das Duell auch als Weichensteller bis zum Jahreswechsel?

Es ist das nächste Spiel im Tabellenkeller, das man auf keinen Fall verlieren darf. Meiner Meinung nach wäre sogar ein Punkt schon zu wenig. Bis Weihnachten geht es jetzt Schlag auf Schlag mit englischen Wochen. Man darf sich nicht mehr so viele Niederlagen erlauben. Sonst verliert man irgendwann den Anschluss.

Nach der Entlassung von Achim Beierlorzer hat der langjährige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte im September als neuer Cheftrainer übernommen. Was läuft seither besser? Und welche Probleme sind geblieben?

Es darf für uns keine Alibis mehr geben. Wir haben den Ernst der Lage verstanden und wissen, was wir zu tun haben. Das heißt, 90 Minuten lang kämpfen und rennen. In den läuferischen Daten haben wir zugelegt. Zudem sind wir taktisch gefestigter geworden. Luft nach oben haben wir noch bei den Standards, sowohl offensiv als auch defensiv. Darauf haben wir in den vergangenen Tagen auch das Augenmerk gelegt.

Was zeichnet Lichte aus?

Er analysiert ruhig und sachlich, verfällt nicht in Panik und gibt uns viele Verbesserungstipps. Im Moment passt das ganz gut, auch wenn wir zuletzt in Bielefeld nicht so an die Leistung der vorherigen drei Spiele anknüpfen konnten. Das sollte uns aber nicht aus der Bahn werfen.

Wie tief sitzt der historische Mainzer Fehlstart von sechs Auftaktniederlagen noch in den Köpfen der Spieler?

Es bringt nichts, zurück zu schauen. Der Start ist nicht mehr zu verändern und abgehakt. Wenn man auf die Tabelle und unsere Punkte blickt, hängt er uns aber natürlich schon noch ein Stück weit nach.

Warum hat es mit dem früheren FC-Coach Achim Beierlorzer nicht funktioniert?

Ich möchte da jetzt gar nicht mehr groß drauf eingehen. Es wurde dazu in letzter Zeit schon so viel gesagt und geschrieben. Teilweise waren es Wahrheiten, teilweise Unwahrheiten. In unserem Verein war so viel Unruhe. Das ist aber Vergangenheit. Wir stehen in der Tabelle im Moment nicht so gut da, das müssen wir zuallererst ändern. Nun geht es darum, dass wir die Zukunft positiver gestalten.

Hinter den 05ern liegen untypische Monate. Es gab Zoff um Gehaltsverzicht in Zeiten von Corona, die nach einem Spielerstreik zurückgenommene Suspendierung von Stürmer Adam Szalai und die folgende Entlassung von Achim Beierlorzer. Waren Sie als langjähriger Mainzer von den Vorkommnissen selbst überrascht?

Natürlich hat es einen gewundert, dass es so weit gekommen ist. Das konnte keiner voraussehen. Jeder macht Fehler, auch wir Spieler haben Fehler gemacht. Wir haben das alles aufgearbeitet und können nun wieder mit einem guten Gefühl in die Zukunft blicken. Wir schauen jetzt, dass wir uns auf das Wesentliche, die Bundesliga, konzentrieren und unsere Leistung auf den Platz bringen. Nichts anderes zählt.

Sportchef Rouven Schröder hat bei der Vertragsverlängerung mit Ihnen vor der Saison Ihren Wert als Führungsspieler und Identifikationsfigur betont. Warum ist Ihre Hilfe derzeit besonders wichtig?

In einer schwierigen Phase wie der jetzigen ist es wichtig, viel zu reden, gerade mit den jungen Spielern, die solche Erfahrungen noch nicht gemacht haben. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden: Ruhe reinzubringen, aber auch die Dinge anzusprechen, die nicht gut laufen. Da sind gerade die erfahrenen Spieler gefragt.

Sie sind in Ihrem bereits siebten Jahr in Mainz. Warum passt es so gut?

Ich fühle mich hier einfach wohl. Sportlich hat es immer gepasst. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Ich versuche immer, meine Leistung auf den Platz zu bringen und mich reinzuhauen. Das wollen die Fans in Mainz sehen. Dann verzeihen sie dir auch die Spiele, in denen die Ergebnisse nicht stimmen.

Ist die Allrounder-Qualität Ihre größte Stärke?

Früher hat man immer gesagt: Allrounder sein ist nicht so gut. Es hieß, man sollte lieber eine Hauptposition haben. Das hat sich, denke ich, verändert. Ich finde, diese Allrounder-Fähigkeit ist ganz gut. Ich kann in der Abwehr eigentlich alles spielen und habe auch im Mittelfeld schon einige Positionen bekleidet. Da war ich immer recht zuverlässig. Das wissen auch die Trainer zu schätzen, unter denen ich gespielt habe.

Ihr Abschied vom FC liegt mittlerweile fast zehn Jahre zurück. Haben Sie eigentlich noch Kontakt nach Köln?

Es gibt kaum noch Verbindungen. Den Zeugwart (Kresimir Ban, d. Red.) kenne ich noch persönlich, mit Christian Clemens habe ich in Mainz zusammengespielt. Ansonsten haben meine Mitspieler von damals den FC entweder verlassen oder ihre Karriere beendet.