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Zu viele Fehler bringen 1. FC Köln um den Erfolg gegen Union Berlin

Taktik-Analyse : Zu viele Fehler bringen den 1. FC Köln um den Erfolg

Der 1. FC Köln bleibt daheim in Müngersdorf in dieser Saison ungeschlagen. Doch das 2:2 gegen ein sehr kompaktes Team von Union Berlin war am Ende glücklich – auch, weil Anthony Modeste spät zum Ausgleich traf. Insgesamt unterliefen den Kölnern zu viele Fehler.

Um dieses wunderbare Spiel ordnungsgemäß, verständlich und gemeingültig einordnen zu können, dienen den Protagonisten nicht selten Beschreibungen als Sprachstütze, die dem Floskelhaften nicht entrinnen können. Fehler etwa gehören zum Fußball dazu, selbstredend. Die aber haben für die fehlerbehafteten Mannschaften oftmals die dumme Angewohnheit, unliebsame Gegentore nach sich zu ziehen. Oder, wie es das einstige Fußball-Feierbiest Mario Basler auszudrücken gedenkt: „Tore passieren durch individuelle Fehler“, sagte der frühere Nationalspieler einmal, „die dürfen nicht passieren.“

Gerade erst gab es beim 1. FC Köln eine berechtigte Grundlage, sich dieser Fußball-Binse zu bedienen: Fehler gehören dazu. Genau. Doch im Fall des FC ist das einerseits sehr betrüblich, andererseits gleichzeitig ein willkommener Anlass, die Mannschaft auf die nächste Stufe des Leistungsniveaus heben zu können. Nach dem Spiel gegen Union Berlin, das der Kölner Bundesligist vor allem deshalb nicht verlor, weil sein Torjäger Antony Modeste dort zu stehen hat, wo ein Torjäger halt stehen muss (noch so eine Einschätzung, die aus der Vergangenheit grüßt), nach diesem also alles in allem glücklichen, gleichwohl nicht unverdienten 2:2 (1:2)-Remis, hatte Trainer Steffen Baumgart ausreichend Gelegenheit, den Nutzen der zwei Gegentore in seinem Sinne einzuordnen. „Wenn wir Fußball entwickeln wollen“, sagte er, „passieren Fehler.“

Kölner Fehlerkette vor dem 1:2

Vielleicht hat er ja recht, aber aus Kölner Sicht war dieses Unentschieden trotz des späten Ausgleichs durch Modeste (86.) gerade deshalb ärgerlich, da aus der frühen Führung, ebenfalls durch den Franzosen (7.), bis zur Pause ein Rückstand erwuchs. Zunächst hatte der „Eiserne“ Julian Ryerson praktisch im Gegenzug das 0:1 egalisiert (9.), dann Grischa Prömel (45.+1) das 2:1 für die Gäste erzielt. Beiden Treffern ging – natürlich – eine individuelle Fehlleistung der Kölner voraus. Beim 1:2 war es sogar eine Fehlerkette, die die Köpenicker kurz und schmerzlos zu nutzen wussten. Als erstes Steinchen dieser Kette tauchte Torhüter Timo Horn auf, der mit einem Pass Rafael Czichos unnötig unter Druck setzte. Der Routinier nahm diese Situation aber nicht wie ein Routinier an, sondern leitete mit einem weitreichenden Fehlpass das Gegentor ein. Bei dem wiederum das erste Steinchen (Horn) nicht glücklich aussah. Lernen aus Fehlern: Für Baumgart gehören, wie er selbst immer wieder betont, solche Rückschläge zum Prozess. Er sei natürlich froh darüber, dass „wir noch das 2:2 machen. Aber ich habe mich schon über die eine oder andere Situation geärgert“, sagte der Rostocker. „Die Jungs machen meines Erachtens einen sehr, sehr guten Job. Wenn ich sehe, gegen wen wir hier gespielt haben, wenn ich sehe, was die Jungs gemacht haben – wir machen den Fehler in der ersten Halbzeit, weil wir einfach den Mut haben rauszuspielen.“

Nur sollte in diesem Fall Mut nicht mit Übermut verwechselt werden. Das schlichte Wegschlagen des Balles wäre in dieser Drucksituation der Unioner die richtige Wahl gewesen. Bereits der 1:1-Ausgleich basierte auf einigen Unzulänglichkeiten der Kölner: Kapitän Jonas Hector ließ Ryerson ohne große Gegenwehr schießen, Horn wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Unhaltbar erschien der Schuss jedenfalls nicht. „Nach Fehlern konnte Union die Tore erzielen“, fasste FC-Offensivkraft Mark Uth zusammen, der zudem einen besorgniserregenden Fehlpass Hectors ansehen musste, der beinahe zu einem Elfmeter geführt hätte (27.). „Der Trainer hat uns ermutigt, auch nach Fehlern weiter mutig nach vorn zu spielen.“ Auch Benno Schmitz stellte sich hinter den mutigen Plan Baumgarts. „Wir spielen Fußball, auch von hinten raus. Natürlich müssen wir da auch mal einen Fehler in Kauf nehmen. Das gehört dazu. Aber dafür kommen wir vorn auch zu Chancen“, sagte der Rechtsverteidiger.

FC liegt in fast allen Statistiken vorn

Tatsächlich waren die Kölner mit viel Verve in die Partie gestartet. Vor allem mit ihrem aggressiven, frühen Pressing brachten sie die Gäste in Schwierigkeiten, waren diese im Ballbesitz. So erreichten lediglich 53 Prozent der Pässe der „Eisernen“ den Mitspieler. Die FC-Quote lag bei immerhin 81 Prozent. Ohnehin sprach die Spielstatistik für die Hausherren: Ballbesitz 70 zu 30 Prozent, Torschüsse 18 zu zehn, Zweikampfquote 54 zu 46 Prozent, angekommene Pässe 471 zu 134 (Pässe insgesamt 581 zu 251). Nur in der Laufleistung lagen die Berliner vorn (121,74 Kilometer zu 118,18). Ergebnis: zwei zu zwei. Auch, weil Union mit seinen wenigen guten Chancen keinen Wucher trieb. Kölner Chancen suchte man nach dem Wechsel lange vergeblich in Müngersdorf. Die Geißböcke dominierten zwar, fanden aber im engmaschigen Netz aus Berliner Abwehrbeinen keinen Durchschlupf. Erst Modeste erlöste mit seinem späten, gleichwohl spektakulären Treffer nach einem Standard die Mannschaft. Damit holte der FC im fünften Bundesligaspiel gegen Union immerhin den ersten Punkt. In sechs Heimspielen dieser Saison blieb er zudem ungeschlagen (drei Siege, drei Unentschieden).

Versöhnlich zeigte sich auch Gäste-Trainer Urs Fischer – trotz des späten Gegentreffers. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte der Schweizer. „Die Mannschaft hat ein tolles Spiel gemacht und eine Mentalität an den Tag gelegt, sie hat sich diesen Punkt mehr als verdient. Köln hatte mehr Ballbesitz, aber wir haben es auch leidenschaftlich verteidigt. In der zweiten Hälfte müssen wir bei Umschaltmomenten den Sack zumachen. Aber so ist Fußball: Dann bekommst du halt durch einen Standard noch den Ausgleich. Aber ich werde meiner Mannschaft sicher keinen Vorwurf machen. Wenn man sieht, was die Jungs heute an Wegen gemacht haben, ist das eindrücklich. Respekt an die Mannschaft.“ Geärgert haben dürfte sich der Coach jedoch über den fahrlässigen Umgang mit Kontergelegenheiten. Bei mehr Konsequenz hätte das Spiel schon früher zugunsten seines Teams entschieden sein können.

Union nicht konsequent bei Kontern

So blieb es am Ende beim leistungsgerechten 2:2, was auch Jörg Jakobs, sportlich Verantwortlicher beim FC, Respekt für  seine Mannschaft abnötigte – vor allem bezogen auf die Qualität, nie aufzustecken und die Intensität bis zum Schluss hoch zu halten. Er sagte: „In der letzten Viertelstunde eines Spiels sind wir wirklich gut und bringen noch mal Sachen auf den Platz, die andere Mannschaften dann nicht mehr bringen.“