Kolumne "EM-Stichtag" 17. Juni 1976: Vier Kölner Tore

Meinung | Bonn · Am 17. Juni 1976 setzt sich die Nationalmannschaft im Halbfinale der EM-Endrunde 1976 mit 4:2 nach Verlängerung gegen Gastgeber Jugoslawien durch. Alle deutschen Tore werden erzielt von Spielern des 1. FC Köln, drei von Dieter Müller, eines von Heinz Flohe.

Tor durch Dieter Müller: Bei der EM 1976 erzielt der Kölner Stürmer vier Tore, drei im Halbfinale gegen Jugoslawien und noch eines im Endspiel gegen die Tschechoslowakei (hier im Bild). Abwehrspieler Jan Pivarnik hat das Nachsehen.

Tor durch Dieter Müller: Bei der EM 1976 erzielt der Kölner Stürmer vier Tore, drei im Halbfinale gegen Jugoslawien und noch eines im Endspiel gegen die Tschechoslowakei (hier im Bild). Abwehrspieler Jan Pivarnik hat das Nachsehen.

Foto: dpa

Spieler des 1.FC Köln feierten mit der Nationalmannschaft viele Erfolge. Hans Schäfer war einer der Helden von Bern, Wolfgang Overath wurde Weltmeister 1974, Thomas Häßler und Pierre Littbarski standen in der Weltmeistermannschaft 1990. Zehn Jahre zuvor waren Toni Schumacher, Bernd Schuster und Bernd Cullmann Europameister geworden. Doch der wohl größte Tag in der Kölner Länderspielgeschichte ist der 17. Juni 1976. Denn durch insgesamt vier Tore der eingewechselten Kölner Heinz Flohe und Dieter Müller dreht die Nationalmannschaft das EM-Halbfinale gegen Jugoslawien in Belgrad.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit führt der EM-Gastgeber 2:0 und drängt auf das dritte Tor, doch nach etwa 60 Minuten müssen die Jugoslawen um den Schalker Branko Oblak ihrem Tempo Tribut zollen. Flohe gelingt zwar der Anschluss (65.), aber der Ausgleich will nicht fallen. Elf Minuten vor Schluss wechselt Helmut Schön Dieter Müller ein, auf Drängen seines Assistenten Jupp Derwall, wie in Karlheinz Mrazeks Beitrag zu Karl-Heinz Hubas „Sternstunden des Fußballs“ zu lesen ist.

Müller ist gerade eine Minute im Spiel, als er eine Ecke von Rainer Bonhof ins Tor köpft. „Im ersten Länderspiel, bei der ersten Ballberührung das erste Tor, das an Bedeutung kaum noch zu übertreffen war und der deutschen Mannschaft den Knockout gegen einen bis dahin überlegenen Gegner ersparte. So etwas hatte es noch nicht gegeben“, so Mrazek. In der Verlängerung lässt der 22-Jährige noch zwei weitere Tore folgen und schießt Deutschland ins EM-Finale.

Die Namensgleichheit mit Gerd Müller, der zwei Jahre zuvor aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist, bringt die jugoslawische Zeitung „Borba“ zu den Schlagzeilen: „Ein Müller ist gegangen, ein anderer gekommen. Als ob ein Zauberer aus dem Zylinder Kaninchen hervorzieht“. Während Dieter Müller danach im Verein aufblüht und zweimal Bundesliga-Torschützenkönig wird, ist er in der Nationalelf nie mehr so erfolgreich wie bei seinem Debüt. In den elf folgenden Länderspielen erzielt er noch sechs Tore.

In der Serie EM-Stichtag erinnern wir täglich an markante Momente in der Geschichte der Fußball-Europameisterschaften.

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