Stürmer von Bayer Leverkusen Patrik Schick ist der Fachmann für späte Tore

Leverkusen · Stürmer Patrik Schick hat nach langer Verletzungspause seine Rolle bei Bayer Leverkusen gefunden. Doch intern wird die Konkurrenz nun wieder größer.

 Patrik Schick jubelt nach seinem Siegtreffer gegen die TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit.

Patrik Schick jubelt nach seinem Siegtreffer gegen die TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit.

Foto: dpa/Marius Becker

Patrik Schick ging es am Osterwochenende genauso wie Thomas Tuchel. Als der Bayern-Trainer vor dem Spiel gegen Dortmund in der Münchner Allianz Arena ankam und die TV-Bilder vom Leverkusener Siegtreffer gegen Hoffenheim sah, gab es keinen Zweifel. „Ich dachte eigentlich“, berichtete Tuchel, „dass es ein klares Abseitstor war.“

Ein Abseitstor von Schick, der seinem Treffer zum 2:1 in der Nachspielzeit spontan ebenfalls nicht recht über den Weg traute. „Wenn ich ehrlich bin: Ich war mir nicht so sicher, denn es war wirklich knapp“, erzählte der 1,91 Meter große Angreifer in der BayArena. „Aber zum Glück stand ich noch auf einer Linie mit dem Hoffenheimer Spieler – und die Serie geht weiter.“

Ihre stolze Erfolgsreihe von mittlerweile 39 Pflichtspielen ohne Niederlage, die sie am Mittwoch mit ins Pokal-Halbfinale gegen Zweitligist Düsseldorf nehmen, garnieren die Leverkusener dabei fast wöchentlich mit einer Sonderserie: späten Treffern kurz vor oder gerne auch in der Nachspielzeit – und ihr ultimativer Experte auf diesem Gebiet ist Schick.

Elf Saisontreffer stehen zu Buche

Vier seiner letzten fünf Tore erzielte der tschechische Nationalstürmer, der wettbewerbsübergreifend auf elf Saisontreffer kommt, nach Ablauf der regulären Spielzeit. Eines im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Aserbaidschans Serienmeister Qarabag Agdam, zwei im Rückspiel. Und nun den Treffer gegen Hoffenheim, der die Werkself ganz nah an den ersten Meistertitel der Clubgeschichte brachte.

Ruhe und Geduld zu bewahren – diese Übung kennt Schick zur Genüge. Im aufreibenden Abnutzungskampf gegen die lange führenden Kraichgauer etwa kam er am Osterwochenende nur auf 18 Ballkontakte. Und einen langen Atem brauchte der 35-malige tschechische Nationalspieler auch im gesundheitlichen Bereich.

So vermasselte ihm eine hartnäckige Adduktorenverletzung fast die gesamte vergangene Saison. Im vergangenen Juni unterzog er sich schließlich einer Leisten-OP, während sich sein Verein den Sommer über nach einer Verstärkung für die Offensive umsah. Und in Victor Boniface fündig wurde.

Boniface schießt sich in die Herzen der Fans

Der vielseitige, gewitzt und unkonventionell agierende Nigerianer, vom belgischen Erstligisten Saint-Gilloise ins Rheinland gekommen, spielte und schoss sich im Handumdrehen in die Herzen der Fans. Mit zehn Liga-Treffern und acht Assists ist er immer noch Bayers zweitbester Scorer – obwohl er wegen einer schweren Muskelsehnenverletzung im Adduktorenbereich seit Anfang Januar ausfiel.

Im Halbfinale gegen den zweimaligen Pokalsieger Düsseldorf (1979, 1980) rückt Boniface nun erstmals wieder in den Kader – und dürfte Schick, der zuletzt sinnbildlich für den unerschütterlichen Siegeswillen des Liga-Spitzenreiters stand, im Saisonfinale nach und nach seinen zuletzt gewonnenen Stammplatz im Sturmzentrum abspenstig machen.

Gegen die Fortuna traut Xabi Alonso Rückkehrer Boniface einen 30-minütigen Teileinsatz zu. „Er hat eine super Regeneration hinter sich, hat gut trainiert – und kann es nicht erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen“, berichtete Bayers Cheftrainer am Dienstag.

Ohnehin wird Señor Alonso nicht müde zu betonen, wie wichtig jeder einzelne Spieler in seinem auch in der Breite erstklassig besetzten Kader ist. Wie zum Beispiel gegen Hoffenheim, als Josip Stanisic und Nathan Tella, beide erst kurz zuvor eingewechselt, Schicks Siegtreffer einleiteten.

Lob von Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes

„Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, kommentierte Schick selbst seine Rolle. Eine Rolle, die auch Simon Rolfes längst sehr zu schätzen weiß. „Als Stürmer musst du bis zur letzten Sekunde auf deine Chance warten – und das macht Patrik. Er hat vor dem Tor eine extrem hohe Präzision, wenn wir ihn bedienen – auch das macht er hervorragend“, lobt der Sport-Geschäftsführer den 28-Jährigen, für den auch Bayers Bank-Chef ein paar aufmunternde Worte parat hat.

„Manchmal reicht eine Chance, um es zu schaffen“, weiß Alonso. Und speziell an die Adresse von Patrik Schick gerichtet, fügte der freundliche Baske nach dem hochemotionalen Finish gegen Hoffenheim noch hinzu: „Ich freue mich sehr, das Tor ist sehr wichtig für ihn.“

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