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Nationalmannschaft: Bierhoff-Hauptrolle in Löw-Frage - Dutt: „Ein typischer DFB“

Nationalmannschaft : Bierhoff-Hauptrolle in Löw-Frage - Dutt: „Ein typischer DFB“

Die Aufgabe ist klar: Das DFB-Flaggschiff Nationalmannschaft muss wieder auf Kurs gebracht werden. Einen distanzierteren Ton des DFB in Richtung Bundestrainer wertet ein Insider nicht als Signal für eine mögliche Trennung. Die Hauptrolle spielt ohnehin ein Löw-Vertrauter.

Eine Woche vor der DFB-Präsidiumssitzung in der Causa Joachim Löw kristallisiert sich immer mehr die Schlüsselrolle von Oliver Bierhoff heraus.

Der DFB-Direktor und im 18-köpfigen Präsidium allein für das Nationalteam Verantwortliche hat nach der historischen 0:6-Pleite in Spanien bereits sein weiterhin „volles Vertrauen“ für den seit 2006 amtierenden Bundestrainer bekräftigt. Am 4. Dezember soll Bierhoff ohne Löw dem obersten Verbandsgremium eine ausführliche Analyse zum Zustand der Nationalmannschaft ein halbes Jahr vor der nächsten EM vorlegen - natürlich geht es dabei vor allem um Löws Arbeit und dessen Perspektiven mit der Mannschaft.

„So lange er im Amt ist, wird man das zwar hinterfragen, aber den Vorschlägen von Oliver Bierhoff folgen“, sagte der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt im „NDR2-Bundesligashow-Podcast“. Sonst würde Bierhoffs Job in Frage stehen und der Verband müsste sich auch vom Nationalmannschafts-Direktor trennen. Dafür aber gibt es derzeit keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil: Bierhoffs Rolle im DFB ist durch viele weitere Verantwortungsbereiche wie die zukunftssichernde Akademie in den vergangenen Jahren immer mehr gewachsen.

Verbands-Insider Dutt sieht die jüngste Erklärung seines ehemaligen Arbeitgebers keinesfalls als Hinweis darauf, dass ein Rücktritt oder die Ablösung von Löw vorbereitet werden solle. „Dieser Wortlaut ist ein typischer DFB, in dem man auch nicht zu viel reininterpretieren darf“, sagte Dutt. Die DFB-Erklärung sei vor allem „eine Reaktion auf den Aufschrei“ nach der 0:6-Blamage in Spanien gewesen. Um das nackte Ergebnis gehe es in der Tagesaktualität: „Bei der Gesamtbeurteilung darf es nicht nur darum gehen“, sagte der Ex-Manager und -Trainer.

Der DFB hatte zu Wochenbeginn einen „Fahrplan“ veröffentlicht, um die Pleite von Sevilla zu analysieren und mögliche „nächste Schritte“ einzuleiten. Dieser Fahrplan sieht vor, „dem Bundestrainer die zeitliche und emotionale Distanz zu geben, die aktuelle Situation der Nationalmannschaft grundlegend aufzuarbeiten“. Das verstärkte die Spekulationen um die Zukunft von Löw, der 2014 mit dem WM-Triumph seinen größten Erfolg feierte. Speziell in Brasilien habe Löw einen „überragenden Job“ gemacht „mit einer unglaublichen Souveränität“, erklärte der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Aktuell aber habe er jedoch „keinerlei Einblick in die internen Abläufe“.

Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn sieht wie viele andere Experten und Fans eine Beurteilung der Situation „aus der Distanz“ als „nicht ganz so einfach“. Zunächst einmal habe er Vertrauen in die handelnden Personen beim DFB: „Die machen sich im Moment sehr, sehr viele Gedanken. Wir gehen mal davon aus, dass dort jetzt die aktuelle Situation richtig aufgearbeitet wird und dass dann dementsprechend Entscheidungen gefällt werden“, bemerkte der künftige Bayern-Chef im TV-Sender Sky.

Für Dutt, der von August 2012 bis Mai 2013 als DFB-Sportdirektor gearbeitet hat, ist eine Trennung von Löw zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellbar. „Natürlich muss es immer Abschnitte geben, in denen man sich überprüft. Und wenn ich das inzwischen von außen beurteile, wurde das nach der letzten Weltmeisterschaft bewertet. Und man hat sich zu einem neuen Weg entschieden“, ergänzte Dutt: „Dieser neue Weg steht bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr auf dem Prüfstand - und nicht zwischendrin.“

Dass Löw, der sich in mehr als 14 Jahren als oberster deutscher Fußballlehrer nie öffentlichem Druck gebeugt hat, jetzt von selbst sein Amt zur Verfügung stellt, ist weiter unwahrscheinlich. Daran ändert auch die jüngste distanzierte Erklärung des DFB nichts, glaubt Dutt: „Jogi Löw wird da weder Vertrauen noch Misstrauen hinein interpretieren.“

So deutet derzeit viel auf ein ähnliches Szenario wie nach dem WM-Debakel von 2018 in Russland hin. „Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben heute eine sehr überzeugende Analyse der Fußball-WM in Russland vorgelegt. Das ganze Präsidium ist der Überzeugung, dass unsere Sportliche Leitung auf dem richtigen Weg ist“, hatte der damalige DFB-Chef Reinhard Grindel nach einer Löw-Analyse zwei Monate nach dem peinlichen Vorrunden-Aus befunden. Löw sagte: „Wir haben beide gespürt, dass wir auch nach 14 Jahren die große Motivation und die Energie haben, das, was wir in Russland verbockt haben, auf gute Beine zu stellen und mit aller Kraft dieses Schiff wieder auf Kurs zu bringen.“ Viel Zeit bleibt ihm allerdings dafür nun nicht mehr.

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