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Ex-Weltmeister: Großkreutz künftig nur noch Sechstligist

Ex-Weltmeister : Großkreutz künftig nur noch Sechstligist

Ein Musterprofi war Kevin Großkreutz ohnehin nie. Künftig will der Weltmeister von 2014 nur noch als Amateur kicken. Über eine Profi-Karriere, die märchenhafte und traurige Kapitel schrieb.

Dafür, dass er nach eigener Aussage „vielleicht keine Bilderbuchkarriere“ hinlegte, hat Kevin Großkreutz während seiner Profi-Laufbahn erstaunlich viel erreicht.

Weltmeister - wenngleich ohne Einsatz - wurde er, dazu zweimal deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, das Champions-League-Endspiel 2013: All das war mehr, als man bei seinem Talent hätte erwarten können. Zur Laufbahn, die der 32-Jährige via Instagram zumindest im Profibereich für beendet erklärte, gehören aber natürlich auch die Tiefen. „Wenn ich an den Dönerwurf denke“, sagte Großkreutz selbst „oder den Abgang in Stuttgart, der nicht schön war.“

Zunächst erinnerte viel an ein modernes Märchen: Dem Ur-Dortmunder wurde in der BVB-Jugend - wie auch Mitspieler Marco Reus - die Fähigkeit abgesprochen, das Zeug zum Bundesligaprofi zu haben. Mit Willen und Leidenschaft kämpfte sich Großkreutz über starke Leistungen beim Zweitligisten Rot-Weiß Ahlen zurück zu seinem Herzensclub, dem er noch als Zweitligaprofi ständig mit Kumpels von der legendären Südtribüne zujubelte. „Ich musste ihm ein BVB-Verbot erteilen“, sagte Ahlens damaliger Coach Christian Wück einmal.

Bei der traditionsbewussten Borussia liebten ihn die Fans für seine Authentizität. Großkreutz war einer von ihnen. Für Begeisterung sorgten nicht nur seine Sprüche gegen den Erzrivalen Schalke 04. „Dann kommt er ins Heim“, sagte Großkreutz mal auf die Frage, was er machen würde, sollte ein Sohn von ihm Schalke-Fan werden. „Die sind mein Feindbild Nummer eins“, sagte er zudem. „Für kein Geld der Welt würde ich dort spielen. Schalker hasse ich wie die Pest.“

Auch die Titel zur bislang letzten BVB-Glanzzeit Anfang des vergangenen Jahrzehnts zelebrierte er wie ein Fan von der „Süd“. „Kevin wird heute sicher nicht nur stilles Wasser trinken, vielleicht nimmt er eins mit Kohlensäure“, sagte Teamkamerad Mats Hummels auf der Meisterparty 2011, die Großkreutz zunächst mit Kumpels und später erst, schon reichlich angeschlagen, mit den Mitspielern feierte.

Gegen Ende der BVB-Zeit sorgte Großkreutz indes auch für andere Eskapaden, die vor allem außerhalb Dortmunds als nicht mehr ganz so sympathisch angesehen wurden. Nach dem verlorenen Pokalfinale 2014 gegen die Bayern soll er angetrunken in eine Hotel-Lobby uriniert haben. Bestritten hat Großkreutz dies nie. Kurz zuvor war es zum vielzitierten Dönerwurf von Köln gekommen. Während einer Partynacht mit Kumpels kam es wohl zum Streit mit einem anderen Feierwütigen.

„Fehler macht, glaub ich, jeder. Wichtig ist, dass man dazu steht“, sagte Großkreutz rückblickend. Weltmeister 2014 wurde er dennoch, beim BVB ging seine Zeit ein Jahr später aber zu Ende und auch mit der Karriere bergab. Wegen einer Transferpanne durfte er bei seinem neuen Club Galatasary Istanbul nur trainieren, aber nicht spielen, was Großkreutz entnervte. Weiter ging es nach Stuttgart, wo es den von ihm erwähnten „nicht schönen“ Abschied gab. Das Kapitel VfB war nach einer Schlägerei im Rotlichtviertel, bei der Großkreutz übel zugerichtet wurde, Anfang 2017 beendet. Weiter ging es in Darmstadt und zuletzt beim inzwischen insolventen Drittligisten Uerdingen, von dem er sich bereits im Herbst vergangenen Jahres wieder trennte.

Nun ist Schluss - als Profi. Wahrscheinlich in der Westfalenliga beim TuS Bövinghausen soll es weitergehen. „Jetzt möchte ich im Amateursport, wo ich hergekommen bin, mit Freunden die nächste Geschichte schreiben“, sagte Großkreutz. „Da freue ich mich drauf.“

Instagram-Video Großkreutz

© dpa-infocom, dpa:210124-99-153598/3