Kommentar zur Saison von Bayer Leverkusen Rekord der Superlative hat einen schwarz-blauen Fleck

Berlin · Bayer Leverkusen hat in dieser Saison nur eins von 53 Spielen verloren. Das Geleistete ist mit Superlativen kaum zu beschreiben. Dennoch bleibt ein schwarz-blauer Fleck auf der weißen Weste, kommentiert GA-Redakteur Marcel Wolber.

Xabi Alonso hat Bayer Leverkusen zu einer Rekordsaison geführt.

Xabi Alonso hat Bayer Leverkusen zu einer Rekordsaison geführt.

Foto: dpa/Sebastian Christoph Gollnow

Wenn man auf die Saison von Bayer Leverkusen blickt, findet man nur einen blau-schwarzen Fleck. Allerdings nur einen kleinen. Atalanta Bergamo hat ihn auf die ansonsten blütenweiße Weste der Werkself gemacht. Im Finale der Europa League haben die Italiener dem neuen deutschen Meister nicht nur die einzige Saisonniederlage beigebracht, sondern auch das kleine Titel-Triple vermiest. Darüber darf man sich ärgern. Denn das i-Tüpfelchen der perfekten Saison fehlt nun.

Die Rekordserie mit 51 ungeschlagenen Partien in Folge und einer ganzen Bundesliga-Spielzeit ohne Niederlage wird lange – wenn nicht ewig – halten. Das ist sicher. Aber in einem europäischen Cup-Finale steht man eben nicht jedes Jahr. Das beweist die eigene Vereinsgeschichte, in der man nur einmal den Uefa Cup gewann (1988) und ein weiteres Mal im Endspiel der Champions League stand – und dort 2002 verlor. Man hat also eine historische Chance verpasst. Vielleicht sogar eine einmalige. Denn dass Bayer Leverkusen noch einmal so eine makellose Saison spielt, ist nahezu ausgeschlossen.

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Da ist es gut, dass Leverkusen mit dem DFB-Pokalsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern zumindest noch das Double perfekt gemacht hat. Und das Team hat trotz der einen Niederlage am Ende ein Jahr hinter sich, das mit Superlativen kaum zu beschreiben ist. Schließlich darf man nicht vergessen, dass Bayer in der Vorsaison noch auf einem Abstiegsplatz stand, als Xabi Alonso den Verein am 5. Oktober 2022 als neuer Chefcoach übernahm. Binnen weniger Monate führte der spanische Trainer-Novize, der zuvor „nur“ Übungsleiter der zweiten Mannschaft von Real Sociedad San Sebastián war, Bayer Leverkusen noch in die Europa League. Das ermöglichte überhaupt erst die Aussicht auf ein Triple in diesem Jahr.

Gemeinsam mit den Bayer-Verantwortlichen stellte Alonso vor dieser Saison einen Kader zusammen, der sofort funktionierte, obwohl fast eine komplette Elf hinzukam. Darunter eine zentrale Achse mit dem neuen Anführer Granit Xhaka, Mittelfeldmann Alejandro Grimaldo und Mittelstürmer Victor Boniface. Zusammen mit bewährten Kräften wie Jonathan Tah und Florian Wirtz, die der 42-jährige Chefcoach auf ein neues Level hob, formte Alonso eine harmonisch funktionierende Einheit, die in eine Richtung marschierte, sich gegenseitig forderte und förderte und so alles dominierte. Dazu entwickelte der Spanier seine Trainereigenschaften im Eiltempo weiter – auf taktischer wie auf menschlicher Ebene.

Nebenbei hat der Erfolg von Bayer Leverkusen aber eine vielleicht noch wichtigere Komponente: Der Club begeistert die Menschen in seinem Umfeld. Im Vergleich zur Vorsaison stiegen die Zuschauerzahlen, die Bayarena war in der aktuellen Spielzeit zu 99 Prozent ausgelastet. Im Schnitt kamen 29.984 Fans in das 30.210 Besucherinnen und Besucher fassende Stadion. Und noch wichtiger für die nachhaltige Entwicklung des Vereins: Die Mitgliederzahlen schnellten in die Höhe. Nachdem vor der Saison gut 33.000 Anhänger dem Club angehörten, wuchs die Zahl über 40.000 im Dezember auf mittlerweile mehr als 50.000 Mitglieder.

Und die Zahl der Bayer-Anhänger dürfte weiter steigen. Nicht nur weil Kinder – wenn sie nicht nach Geografie entscheiden – meist Fans von erfolgreichen Mannschaften werden. Nein: Auch, weil Xabi Alonso in der kommenden Spielzeit mit einem relativ unveränderten Kader antreten wird. Und ein Ende der Erfolgsgeschichte damit nicht in Sicht ist. Auch wenn es sicher nicht eine ähnliche Rekordsaison werden wird wie die gerade erlebte.

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