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Bundesliga-Kolumne: Misslungene Eigenwerbung in Sachen Spannung

Bundesliga-Kolumne : Misslungene Eigenwerbung in Sachen Spannung

Der FC Schalke 04 ist beim 0:8 nur ein Opfer für den FC Bayern München. Gute Reklame für die spannende Bundesliga sieht anders aus.

Eigenwerbung ist doch etwas Schönes. Da will man sich und sein tolles Produkt von der besten Seite zeigen, damit es nachher alle kaufen. Bei der Bundesliga ist diese Werbung besonders aufs Ausland gezielt, hierzulande kennt sie ja eh jeder. Die propagierten Alleinstellungsmerkmale, mit der die Fans in aller Welt gefangen werden sollen, lauten dabei: unglaubliche Stimmung in vollen Stadien, spannende Spiele und ein vollkommen ausgeglichener Wettbewerb.

Dumm nur, wenn einem gerade das Saisonauftaktspiel, das in mehr als 200 Ländern weltweit live übertragen wird, einen Strich durch die Rechnung macht. Gut, für die fehlende Stimmung aufgrund durch Corona fehlender Zuschauer kann niemand etwas. Aber bei der Besetzung dieses aus marketingtaktischen Gründen so wichtigen Startmatches hätten die hohen Herren bei der Deutschen Fußball Liga schon ein bisschen länger nachdenken können.

Oder hatte irgendwer mit einem spannenden Spiel gerechnet, wenn der amtierende Champions-League-Sieger, der unlängst einen unbedeutenden Club wie den FC Barcelona knapp mit 8:2 niedergerungen hat, auf eine Mannschaft trifft, die in der Rückrunde einen einzigen Sieg einfahren konnte und den vor acht Monaten? Einen Club, der in 17 Bundesligaspielen 2020 stolze neun Tore erzielt hat und in der Vorbereitung glorreiche Niederlagen gegen Drittligisten erkämpfen konnte? Der FC Schalke in seiner aktuellen Verfassung als Gegner auf Augenhöhe für den FC Bayern München? Opfer trifft es eher.

Naiv, aber nicht unterzukriegen

Da ging es in anderen Bundesliga-Stadien schon deutlich spannender zu – und aufgrund der dort zumindest in Teilen zurückgekehrten Zuschauer auch deutlich stimmungsvoller. In Stuttgart etwa, beim Baden-Württemberg-Derby zwischen den frisch wieder aufgestiegenen Schwaben und den Fast-Europapokalern aus Südbaden. Beeindruckend, wie sich die hinten naiven VfBler von allen widrigen Umständen nicht unterkriegen ließen. Drei dumme, zu Gegentoren führende Abwehrfehler, reihenweise hastig vergebene Torchancen und zwei glasklare, nicht gegebene Elfmeter – und doch kämpften sich die Stuttgarter auf 2:3 gegen den nicht mehr ganz so kleinen Nachbarn SC Freiburg heran. Darauf lässt sich im Ländle aufbauen.

Gummiboot im Ozean

Noch besser machte es der andere Aufsteiger, der von der Alm. Von vielen selbsternannten Experten zum kommenden Absteiger Nummer eins deklariert, zeigten die Arminen aus Bielefeld, dass sie große Lust auf ihr Abenteuer Bundesliga haben. Nach 4137 Tagen Abstinenz trotzte der Rekordaufsteiger der Bundesligageschichte der Frankfurter Eintracht immerhin ein Remis ab. Geschäftsführer Samir Arabi sieht seine Mannschaft als Gummiboot im riesigen Bundesliga-Ozean. „Wir müssen gemeinschaftlich paddeln, um am Ende bei hoher See die eine oder andere Jacht zum Kentern zu bringen.“ Gegen die Eintracht haben die Arminen jedenfalls schon eine ordentliche Welle gemacht.

Wieder kein Seepferdchen

Wie man den Kopf so gerade über Wasser hält, hat Werder Bremen in der Vorsaison gezeigt. Richtig schwimmen gelernt haben die Hanseaten anscheinend aber nicht. Gerade im eigenen Schwimmbad an der Weser scheitern die Schüler von Bademeister Florian Kohfeldt regelmäßig bei der Seepferdchen-Prüfung. Abgesehen vom finalen Dreier am letzten Spieltag 2019/20 gegen desolate Kölner (6:1) hat Bremen seit dem 1. September des vergangenen Jahres kein Bundesliga-Heimspiel gewonnen.

Dass gegen die Neureichen aus der Hauptstadt wieder ein blamables 1:4 heraussprang, hat die Situation für Kohfeldt und Co. sicherlich nicht leichter gemacht. „In vielen Dingen war das nicht gut genug, um Bundesliga zu spielen“, resümierte der Bremer Coach die wenig inspirierte Leistung seiner Mannen gegen Hertha BSC.

Der König von Köpenick

Bei den anderen Berlinern, den Eisernen aus Köpenick, drehten sich alle Themen in diesem Sommer nur um einen Namen: Max Kruse. Der designierte neue König von der Alten Försterei feierte denn auch endlich sein Debüt im Trikot des 1. FC Union, wenn auch nur für 20 Minuten. Immerhin, mit seiner Einwechslung ging ein Ruck durch die bis dato phantasielosen Unioner. Und gleich fiel auch der Ausgleich zum 1:1 gegen den FC Augsburg. Mehr konnte der sichtlich unfitte einstige Nationalspieler aber nicht helfen. Zumal es den Ost-Berlinern an diesem Tag an ihren Kernkompetenzen – kämpfen und verteidigen – zu mangeln schien, beides nicht gerade Kruses Stärken. Vorne noch nicht hui, hinten richtig pfui – am Ende hieß es 1:3. Aber immerhin war es spannend.