Bezirksligist steht im Cup-Endspiel : Vom Sofa ins Pokalfinale

Ein ganz besonderes Erlebnis steht dem Wied-Fußball-Bezirksligisten VfB Linz am Wochenende bevor. Am Samstag (14 Uhr) tritt das Team dank einer gehörigen Portion Losglück am „Finaltag der Amateure“ im Endspiel des Rheinlandpokals gegen den Regionalligisten RW Koblenz an.

Es ist ein Montagabend vor gut zwei Wochen; gebannt verfolgen Vorsitzender Mirko Schopp, der Sportliche Leiter Paul Becker und die Spieler des Wied-Fußball-Bezirksligisten VfB Linz an ihren Computern über Facebook die Auslosung für den Rheinlandpokal. Genauer gesagt: Ermittelt wird der Gegner des Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz im Endspiel des Cupwettbewerbs am 29. Mai um 14 Uhr im Stadion Oberwerth. Am Ende ist der Jubel groß: Der VfB entpuppt sich als der glückliche Gewinner der Lotterie und wird nicht nur mit dem Finale, sondern auch mit einer TV-Übertragung am „Finaltag der Amateure“ belohnt. Das SWR-Fernsehen berichtet live ab 14 Uhr.

Während sich die Vereine am benachbarten Mittelrhein angesichts der Corona-Pandemie dafür aussprachen, den FVM-Pokal in abgespeckter Form nur mit Dritt- und Regionalliga-Clubs auszutragen, präferierten die Vereine im Rheinland eine andere Vorgehensweise. „Die Koblenzer sollten für das Finale gesetzt werden, weil sie der einzige Club waren, der sich noch im Spielbetrieb befand“, erklärt Schopp. „Der Gegner aber sollte unter den 35 noch im Wettbewerb befindlichen Vertretern per Losentscheid ermittelt werden.“ Denn nach der geltenden Corona-Schutzverordnung bestand keine Möglichkeit mehr, die noch ausstehenden Runden auszutragen.

Zahlreiche kleinere und unterklassige Vereine verzichteten auf die Teilnahme am Losverfahren; am Ende blieben 15 Kugeln übrig, mit denen die Trommel bestückt wurde.

Dann wird es spannend: Das letztgezogene Los gewinnt – so wird es festgelegt. Mit jeder Kugel, die aus dem Behälter gefischt wird, steigt die Nervosität bei den Linzern. Als Erster wird Bezirksligist TuS Oberwinter gezogen – Pech gehabt. Die folgenden Kugeln fördern unter anderem an Position neun den Rheinlandligisten SV Windhagen zutage; Linz darf weiter hoffen. Schließlich sind nur noch Oberligist FV Engers und der VfB im Topf: Nägelkauen, Schweißausbrüche, dann der kollektive Jubel in den diversen Wohn- und Arbeitszimmern – Linz darf am 29. Mai auflaufen. „Toll, dass wir es geschafft haben“, freut sich Schopp. „Das wird ein schönes Erlebnis für die Jungs.“ Im Grunde, so der Linzer Vorsitzende, sei sein Team nun nur noch ein Match vom Einzug in den DFB-Pokal und von einem möglichen Gegner FC Bayern München entfernt.

Die Außenseiterrolle könnte freilich größer kaum sein. Nicht nur, dass mehrere Spielklassen zwischen den Rivalen liegen; im Gegensatz zu den Koblenzern konnte der VfB in den vergangenen Monaten praktisch nicht mehr trainieren. „Die Jungs sind gelaufen, haben Online-Training absolviert und sind einmal pro Woche zum Individualtraining auf den Platz gegangen“, berichtet Schopp. „Wir kommen praktisch vom Sofa ins Pokalendspiel.“

Mittlerweile aber waren die Bemühungen des Bezirksligisten um eine einigermaßen geregelte Vorbereitung auf das „Spiel des Jahres“ erfolgreich. Achim Hallerbach, Landrat des Kreises Neuwied, erteilte eine Ausnahmegenehmigung für „normale“ Trainingseinheiten. Seit vorigem Mittwoch sind Coach Behar Prenku und sein Team wieder aktiv. Voraussetzung sind allerdings Schnelltests aller Beteiligten vor jedem Training.