GA-Sportler des Monats Der beste Deutsche in der Bundesliga

Bonn · 34 Tore, 30 Vorlagen – mit überragenden Leistungen hat Floorballer Florian Weißkirchen die SSF Dragons Bonn erstmals in die Playoffs um die deutsche Meisterschaft geführt. Seinen Sport betreibt er wie ein Profi, aber ohne Bezahlung. Jetzt wurde er zum GA-Sportler des Monats März gewählt.

Florian Weißkirchen, Floorballer bei den SSF Dragons Bonn.

Florian Weißkirchen, Floorballer bei den SSF Dragons Bonn.

Foto: Privat

Es war ein hartes, ein enges Rennen. Und eines, das auf mehreren Ebenen ausgetragen wurde. Zum einen auf der offiziellen – beim virtuellen Urnengang, bei dem die Leserinnen und Leser des General-Anzeigers über die Siegerin oder den Sieger zu entscheiden hatten. In diesem Fall aber auch im persönlichen Wettstreit oder besser verbalen Duell via Whats­app. „Sarah und ich haben uns hart gebattled“, sagt Florian Weißkirchen lachend.

Seit einigen Jahren ist der junge Floorballer aus Bonn mit der Profibox-Weltmeisterin Sarah Liegmann aus Rheinbach gut befreundet. Nun standen beide zur Wahl als GA-Sportlerin oder -Sportler des Monats März. „Wir haben uns mehrfach geschrieben und gegenseitig aufgezogen“, erzählt Weißkirchen. Nebenbei habe er ein wenig Werbung in eigener Sache auf Instagram gemacht. „Trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass Sarah gewinnt“, sagt er. Am Ende war es eine knappe Entscheidung, doch sie fiel zugunsten von Weißkirchen aus. Liegmann landete auf Platz zwei, die Para-Taekwondoka Rajae Akarmach wurde Dritte.

Verdient hat sich der 25-jährige Weißkirchen seine Auszeichnung mit überragenden Leistungen über die gesamte Saison hinweg. Immerhin führte er die SSF Dragons Bonn auf den siebten Platz in der Floorball-Bundesliga und damit erstmals in der Clubgeschichte in die Playoffs um die deutsche Meisterschaft. 34 Tore und 30 Vorlagen steuerte der Center, also Mittelfeldspieler, zu dem riesigen Erfolg bei. Mit seinen 64 Scorerpunkten war Weißkirchen der beste deutsche und insgesamt zweitbeste Spieler der Bundesliga.

Gegen Leipzig erfolgt das Aus

In den Ausscheidungsspielen im März lief es für die Bonner dann nicht so optimal. Einer knappen Niederlage daheim folgte eine klare Schlappe in Leipzig und damit das Aus. „Wir hatten uns mehr erhofft. Immerhin haben wir in der Saison beide Spiele gegen Leipzig gewonnen“, sagt Weißkirchen. Doch als es drauf ankam, war der Hauptrundenzweite zu stark. „Man hat ihnen angemerkt, dass sie mehr Erfahrung in den Playoffs haben. Wir waren froh, erstmals dabei zu sein. Leipzig wollte deutscher Meister werden und hat Ernst gemacht.“

Floorball, eine Mischung aus Eishockey und regulärem Hockey, das in der Halle mit Plastikschlägern und einem leichten Plastikball gespielt wird, spielt Weißkirchen schon seit er sieben ist. Bis 13 war er parallel auch noch auf dem Fußballplatz aktiv. Dann wurde er als 13-Jähriger erstmals zur U17-Nationalmannschaft eingeladen und hat sich seitdem voll dem schnellen Spiel gewidmet. 2017 spielte er bei der U19-WM in Schweden mit, 2021 und '22 bei den Herren-Weltmeisterschaften in Finnland und der Schweiz. Im Februar hat er mit der Nationalmannschaft erneut die Qualifikation zur WM Ende des Jahres in Schweden geschafft.

„Wir wollen Fünfter werden“,

Bei dem Turnier mit 16 Mannschaften haben sich die Deutschen diesmal hohe Ziele gesteckt. „Wir wollen Fünfter werden“, sagt Weißkirchen, der mittlerweile in Bonn wohnt. Es wäre die historisch beste Platzierung für Deutschland bisher. Die ersten vier Plätze seien indes unmöglich zu erreichen. „Schweden, Finnland, die Schweiz und Tschechien sind die vier großen Nationen. Gegen die hat keiner eine Chance“, berichtet er. In diesen Ländern hat der Sport einen viel größeren Stellenwert als hierzulande, es gibt sogar viele Profis, die sich ihren Lebensunterhalt mit Floorball verdienen. In Deutschland werden hingegen keine Gehälter gezahlt.

Beim Blick auf den Aufwand, den er für seinen Sport betreibt, könnte man Weißkirchen indes schon für einen Profi halten. Viermal pro Woche haben die Dragons Mannschaftstraining, jeweils zwei Stunden lang. Weißkirchen schiebt zusätzlich bis zu sieben Extraeinheiten: Joggen, Kraftstudio, Schusstraining. Bei Auswärtsfahrten in der Bundesliga ist das Team, je nach Gegner, bis zu 20 Stunden unterwegs. Abfahrt mit dem Reisebus in der Früh, Spiel, Rückkehr nach Bonn mitten in der Nacht. Und zu dem Aufwand im Verein mit 22 Ligaspielen plus Pokal und Playoffs kommen noch die regelmäßigen Lehrgänge mit der Nationalmannschaft, zumeist im Bundesstützpunkt in Naumburg bei Weißenfels, sowie die Länderspiele und Turniere.

Zu stemmen ist das Programm nur, weil ihm seine Arbeitgeber bisher sehr entgegengekommen sind. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zum Industriekaufmann – „mein Chef hat mir viel frei gegeben“ – macht er nun ein duales Studium, studiert zwei Tage pro Woche an der Fachhochschule für Ökonomie und Management in Bonn. Zudem arbeitet Weißkirchen in der Geschäftsstelle der Schwimm- und Sportfreunde Bonn (SSF). Läuft alles rund, kann er das Studium in zwei Jahren abschließen. „Doch darauf liegt nicht mein Fokus. Der Sport geht vor“, sagt er. Fügt aber schnell lachend an: „Das darf ich so natürlich nicht sagen, sonst reißen mir meine Eltern den Kopf ab.“

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