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GA-Sportler des Monats: Bonner Judoka Falk Petersilka zwischen Matte und Medizin

GA-Sportler des Monats : Bonner Judoka Falk Petersilka zwischen Matte und Medizin

Der Bonner Judoka Falk Petersilka erlebt die Corona-Krise aus zwei Perspektiven – als Athlet und als Praktikant der Notaufnahme.

Der so häufig erlebte Corona-Blues – eine Mischung aus Langeweile, Antriebslosigkeit und Ungewissheit über die Zukunft – kam bei Falk Petersilka gar nicht erst auf. Dafür standen bei dem Judoka und zweimaligen GA-Sportler des Monats aus Bad Godesberg seit dem Frühjahr einfach zu viele To-Dos auf der Agenda: Nämlich Training, Studium und Praktikum. Zu Beginn des Lockdowns zog Petersilka, der für sein Medizinstudium an der Uni Köln in der Domstadt lebt, wieder bei seinen Eltern ein, um der kleinen Studentenwohnung zu entfliehen. Komplettiert wurde der neue Corona-Haushalt von Petersilkas Freundin Agatha Schmidt, die, wie er selbst, Judoka im Bundeskader ist.

„Das war im Nachhinein genau die richtige Entscheidung“, sagt die 22-jährige Nachwuchshoffnung vom 1. Godesberger Judo-Club. „Bei meinen Eltern haben wir im Garten Zirkeltraining absolviert und konnten weiter judospezifische Übungen durchführen. Später hat der Olympiastützpunkt aus Köln noch Gewichte für das Krafttraining bereitgestellt, sodass ich körperlich total fit geblieben bin.“

Für die geistige Fitness sorgte indes der Beginn des Sommersemesters und der damit einhergehende Start von Online-Seminaren und Videokonferenzen. „Für mich persönlich war diese Form des Lernens nicht so schwierig und neu wie für andere Studierende“, sagt Petersilka. „Bei Präsenzveranstaltungen kann ich sowieso ganz oft nicht anwesend sein, weil ich beim Training, bei Lehrgängen oder auf Wettkämpfen bin.“

Dennoch war es auch für Peter-
silka eine Erleichterung, als die Mitglieder des Bundeskaders Mitte Mai die Sondergenehmigung erhielten, unter strengen Richtlinien wieder in der Judohalle trainieren zu dürfen. Zuerst nur mit festem Partner ganz alleine in der Halle – lediglich der Trainer durfte von der Tribüne aus dabei sein – später dann in Kleingruppen. „In der Zeit habe ich gemerkt, wie mir das ‚normale’ Training gefehlt hat und wie wichtig die soziale Komponente und das Teamgefühl sind.“

Seitdem hat Petersilka in Köln schon wieder an einem Lehrgang teilgenommen. Für November sind die Europameisterschaften in Prag geplant. „Auch wenn ich noch nicht zu 100 Prozent davon überzeugt bin, dass die stattfinden werden“, sagt er. Petersilka will nicht zu weit in die Zukunft schauen, zu ungewiss ist ihm dafür die derzeitige Situation. Zumal er diese momentan aus einem ganz neuen Blickwinkel wahrnimmt: „Ich absolviere gerade mein Praktikum in der Notaufnahme Köln-Merheim und laufe da acht Stunden mit einer Maske rum“, sagt er. „Deswegen ist es für mich völlig unverständlich, wenn es einige nicht schaffen, ihre Maske für wenige Minuten in der Bahn aufzusetzen.“

Apropos etwas schaffen: Das große Ziel für den Modellathleten in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm bleibt weiterhin die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. „Daran hat sich auch in den letzten Monaten nichts geändert“, sagt der derzeit 53. der Weltrangliste. „Ich will mich weiter verbessern, bin total motiviert und glaube daran, mir den Traum von Olympia zu erfüllen.“

Petersilkas Ansprüche sind hoch, aber bei weitem nicht unberechtigt, wie seine Erfolge aus der Vergangenheit zeigen: Die Silbermedaille bei den deutschen Meisterschaften 2018 in der Herrenklasse, der U21-Europameistertitel aus demselben Jahr und der Sieg bei der U18-WM von 2015. Für den Erfolg von vor fünf Jahren durfte sich Petersilka sogar in das Goldene Buch der Stadt Bonn eintragen. „Es tut gut, auch als Judoka mal im Rampenlicht zu stehen und eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen. Deswegen ist es auch etwas Besonderes, wenn ich zum GA-Sportler des Monats gewählt werde und am Ende der Saison auf der Gala meine Leistungen gewürdigt werden“, sagt Petersilka. „Außerdem ist es total spannend auf andere Sportler zu treffen und sich über die verschiedenen Sportarten oder auch über private Dinge auszutauschen.“ Aber erst einmal heißt es für ihn: Training, Studium und Praktikum.