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GA-Sportler des Monats: Caro Arft hat dank Corona eine Chance auf Olympia

GA-Sportler des Monats : Caro Arft hat dank Corona eine Chance auf Olympia

Die Kanutin Caro Arft aus Rheidt kämpft sich nach einem Bandscheibenvorfall zurück ins Boot und will nun zu den Olympischen Spielen 2021 in Tokio.

Caro Arft erinnert sich noch ganz genau an den Moment, als die Olympischen Spiele von Tokio offiziell in das kommende Jahr verschoben wurden – es war der 24. März 2020. „Zu der Zeit habe ich mit anderen Kanuten in Berlin trainiert, da die Corona-Richtlinien dort noch nicht so streng waren wie in NRW“, sagt die Kanutin aus Rheidt. „Nach dem Mittagstraining haben wir dann von der Entscheidung des IOC erfahren. Wir hatten damit gerechnet und es ist auch die einzig richtige Entscheidung, aber damals war das schon wie ein Schlag ins Gesicht.“

Auch für Arft ging es damals in den Lockdown, das Training auf dem Wasser wurde überwiegend eingestellt und das Krafttraining in die eigenen vier Wände verlegt – bis sich bei der 24-Jährigen immer stärkere Schmerzen im linken Bein bemerkbar machten. Die niederschmetternde Diagnose: Bandscheibenvorfall im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule. Eine Operation war unumgänglich.

„Aber zum Glück ist alles gut verlaufen. Die Zeit danach war nicht wirklich angenehm, da ich diese weitestgehend auf der Couch oder in der Reha verbringen musste“, sagt die Sportwissenschaftsstudentin der Ruhr-Universität Bochum. „Mittlerweile geht es mir aber schon wieder deutlich besser und ich werde von Tag zu Tag fitter.“

Seit zwei Wochen ist die Kanutin der KG Essen sogar schon wieder zurück im Training, sie darf aufs Wasser und absolviert leichtes Krafttraining. Der Heilungsprozess verläuft nach Plan, Arft arbeitet fleißig – immer den
1. Oktober vor Augen. Dann nämlich starten die Kanuten die Vorbereitung für die neue Saison – die diesmal so erhoffte tatsächliche Olympia-Saison. Ab diesem Stichtag möchte Arft auch wieder mit der Mannschaft trainieren.

„Eigentlich darf man es fast nicht laut sagen, aber nur wegen Corona besteht weiterhin die Chance, dass ich an Olympia teilnehmen kann“, sagt Arft. „Mit meinem Bandscheibenvorfall wäre das dieses Jahr ausgeschlossen gewesen.“ Und diese Chance ist, sollte Arft wieder an ihre vergangenen Leistungen anknüpfen können, sehr hoch.

Im Frühjahr geht’s um die Olympia-Plätze

Bei den Ranglistenwettbewerben des Deutschen Kanu-Verbandes wird im Frühjahr 2021 um die finalen Startplätze für Tokio gekämpft. Als deutsche Meisterin im Einer und Zweier über 200 Meter, Vizemeisterin im Einer und Vierer über 500 Meter und Drittplatzierte im Zweier über 500 Meter im vergangenen Jahr, ist sie eine heiße Favoritin auf einen Start in der japanischen Hauptstadt.

Das Ticket für Tokio hat Arft ihr Bonner Kanu-Kollege und Doppel-Olympiasieger von Rio 2016, Max Rendschmidt, schon voraus. Ebenso wie die erfolgreiche GA-Sportlerwahl-Historie mit zahlreichen Monatssiegen und drei Siegen bei der Jahreswahl. Doch seit vergangenem Sommer weist Arft zumindest schon einmal eine Nominierung für den GA-Sportler des Monats August auf. Bereits damals verkündigte sie angriffslustig und mit einem Lachen in Richtung Rendschmidt: „Ich werde alles versuchen, Max Paroli zu bieten. Er soll ja nicht immer gewinnen.“

Gereicht hat es damals zwar nicht für den Monatssieg, doch bei Arfts sportlichen Voraussetzungen scheint auch das lediglich eine Frage der Zeit zu sein. „Darüber würde ich mich sehr freuen! Es ist etwas Besonderes von den Menschen aus der Region für seine Leistungen gewürdigt zu werden“, sagt Arft. „Außerdem hat Max schon so von der Gala geschwärmt, das muss ich mir auch mal persönlich anschauen.“

Jetzt gilt es für Arft aber erst einmal wieder komplett gesund zu werden und den Weg zur alten Leistungsstärke zu finden. Sollte ihr das gelingen, würde der 24. März 2020 wohl bald von einem anderen Datum aus ihrem Gedächtnis verdrängt werden. Und zwar vom 23. Juli 2021: Für den Tag ist nämlich die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2021 geplant.