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Philipp Waßenberg: Juli 2015: Philipp Waßenberg

Philipp Waßenberg : Juli 2015: Philipp Waßenberg

Krebs - so lautete die erschütternde Diagnose, als Philipp Waßenberg acht Jahre alt war. Dann wurde sein rechtes Bein amputiert. Heute ist der 17-Jährige im Spitzensport zuhause. Für die GA-Leser ist er Sportler des Monats Juli

Niederschmetternd - die Diagnose gefühlt ein Todesurteil. Acht Jahre alt war Philipp Waßenberg, als er von seiner Krebserkrankung erfuhr. Ein normaler Junge, der in der E-Jugend des VfL Alfter Fußball spielte. Der das Schwimmen liebte und Judo machte. Ein Drittklässler mit reichlich Bewegungsdrang. Ein Jahr später wurde sein rechtes Bein amputiert. Nichts war mehr normal. Inzwischen ist Philipp Waßenberg 17 Jahre alt und im Spitzensport zuhause. Und fühlt sich - normal.

Kürzlich wurde er Junioren-Weltmeister in der paralympischen Leichtathletik, sogar dreifach: Über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung. "Der Sport hat mich zurück ins Leben gebracht", sagt der Schüler der Bornheimer Europaschule. Seine Geschichte hat die Leser des General-Anzeigers bewegt: Sie haben Waßenberg zum GA-Sportler des Monats gewählt. Vor Bradley Roper-Hubbert, dem Spielertrainer des Baseball-Bundesligisten Bonn Capitals. Und vor Lena Schöneborn von den SSF Bonn, der Weltmeisterin im Modernen Fünfkampf.

Der Dunkelhaarige lacht viel und gerne. Ist aufgekratzt, wie jeder Jugendliche seines Alters, wenn der gerade das Gefühl hat, es stünden ihm alle Himmelstüren offen. Diese Empfindungen genießt Philipp derzeit. "Ich bin sehr überrascht", kommentiert er die Nachricht vom Sieg bei der Sportlerwahl. Seine Tonlage verrät, dass sein Herz vor Freude Purzelbäume schlägt, als er die Erklärung liefert: "Die Mitstreiter sind mir teilweise seit Jahren ein Begriff." Für den Moment steht er vor ihnen. "Bisher war das anders", so Waßenberg, der 2013 den Sportförderpreis der Sparkasse Rhein-Sieg erhielt, die ihn seither unterstützt.

Er spürt den Auftrieb seines Junioren-WM-Triumphs, hofft auf die Nominierung für die Erwachsenen-WM im Oktober in Doha - und sieht sogar die Chance auf eine Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Mit seinen 5,84 m im Weitsprung hat er sich auf Platz vier der Welt bei den Männern katapultiert - in der Klasse T42. Das ist die der Oberschenkelamputierten. Waßenberg sagt: "In Rio dabei sein - das wäre für mich alles." Ein ganz normaler Athletentraum. Der in seinem Fall sehr gut Realität werden kann. "Wenn du so weitermachst, nehme ich dich mit zur WM nach Katar, damit du nicht unvorbereitet in ein so großes Ereignis wie die Spiele gehst." Das hat Bundestrainer Willi Germann ihm gesagt.

Vor wenigen Jahren sah die Realität noch keine Normalität für Philipp Waßenberg vor. Es war die Zeit der Olympischen Spiele von Peking 2008. "Während der Chemotherapie sah ich die Leistungen von Oscar Pistorius. Und dabei wurde mir klar, dass man trotz einer Amputation alles machen kann", erinnert er. Der damalige Superstar des paralympischen Sports ist tief gestürzt. Er erschoss bekanntlich seine Lebensgefährtin. Doch Vorbilder gibt es ja auch in Deutschland.

Sogar ganz in der Nähe, in Leverkusen. Fehlte nur noch ein hilfreicher Hinweis. "Es war dieselbe Ärztin, die vor jetzt 20 Jahren Heinrich Popow im Bonner Krankenhaus behandelt hatte", erzählt Vater Hans Waßenberg, "sie gab uns den Tipp, zum Bayer-Behindertensport zu gehen." Dort ist Popow, der 2012 bei den Paralympics in London Gold über 100 Meter und insgesamt 27 Medaillen bei Paralympischen Sommerspielen, Welt- und Europameisterschaften holte, heute Waßenbergs Pate. Popow steht ihm bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Und ist Trainingskollege. Wie Markus Rehm, der populäre Prothesenspringer.

"Wir sind gemeinsam in Trainingslagern, und es gibt immer viel zu lachen", sagt Waßenberg, der sich als "Botschafter der Normalität" fühlt. Weil es in seinem Sport nicht ums große Geld geht, weiß er genau, "dass mein Abitur 2017 Vorrang hat". "Eigentlich", lässt er wissen, "bin ich schon fast durchgeplant". Orthopädiemechaniker will er werden. Wie Rehm. Das lässt sich bestens mit der Karriere verbinden.

"Ich möchte zeigen, wie man mit Behinderung zurechtkommt und dass man ein ganz normaler Mensch ist." Als Waßenberg das sagt, klingt er reifer als andere 17-Jährige. Und ergänzt: "Sport ist der beste Weg, es den anderen Leuten klarzumachen."