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Profiboxerin aus Rheinbach: Sarah Liegmann ist GA-Sportlerin des Monats Oktober

Profiboxerin aus Rheinbach : Sarah Liegmann ist GA-Sportlerin des Monats Oktober

Profiboxerin Sarah Liegmann ist GA-Sportlerin des Monats Oktober. Für sie ist es nicht der erste Titel, aber der erste Monatssieg in einer neuen Sportart

Es dauerte keine fünf Minuten bis Sarah Liegmann ihre Freude über den Titel „GA-Sportlerin des Monats Oktober“ nicht mehr für sich behalten konnte. Mit strahlenden Augen wendete sich die 20-Jährige an ihre mehr als 17 000 Fans auf Instagram: „Das bedeutet mir mega viel und ich danke jedem einzelnen, der für mich abgestimmt hat.“ Die Boxerin wurde für ihren sechsten Sieg im sechsten Profikampf ausgezeichnet. Bei der Wahl setzte sie sich unter anderem gegen Taekwondo-Kämpferin Yanna Schneider und Rennfahrer Fabian Schiller durch.

Für die Rheinbacherin ist es nicht die erste Auszeichnung. Bereits im Juli 2019 setzte sich Liegmann bei der Monatswahl gegen die Konkurrenz durch. Ende 2019 wurde „The Princess“, wie sie im Ring genannt wird, sogar zur Sportlerin des Jahres gekrönt.

Die damals 17-Jährige war zu dem Zeitpunkt noch eine Kickboxerin. Eine sehr erfolgreiche sogar. Insgesamt 17 Weltmeistertitel und 24 deutsche Meistertitel holte sie. Dann entschied sie sich, vom Kickboxen zum klassischen Boxen zu wechseln. „Ich war mir nicht sicher, wie Boxen bei den Leuten ankommt, und ob da der Erfolg genauso akzeptiert wird“, sagt Liegmann. Über die Auszeichnung in der neuen Sportart freue sie sich daher umso mehr. Die Kampfsportlerin rundet damit ein sehr erfolgreiches Debütjahr ab.

Sechs Kämpfe bestritt sie bereits. Sechs Mal verließ sie den Ring danach mit erhobenen Fäusten als Gewinnerin. In ihrem vorletzten Kampf in Köln gewann sie dabei gleich zwei Interkontinental-Titel. Unter anderem den Gürtel des führenden Verbandes WIBF. Doch das Highlight ihrer noch jungen Karriere stellt für Liegmann der letzte Kampf am 15. Oktober in London dar. „Das ist ein ganz anderes Level, als ich es erwartet habe“, erinnert sich die 20-Jährige. Beim Betreten der 20 000 Zuschauer fassenden O2-Arena staunte die Athletin. Ihre bisher größte Bühne.

Im Eröffnungskampf des Abends setzte sich die 1,56 Meter große Boxerin im Federgewicht souverän gegen die Britin Bec Connolly nach Punkten durch. Dieser „größte Kampf der Karriere“ sollte eigentlich zwei Wochen eher stattfinden, wurde aber aufgrund des Todes der Queen verschoben.

Ihre Prüfungen im Studium konnte Liegmann dagegen nicht verschieben. Während des London-Kampfes befand sich die Psychologiestudentin im Klausurenstress. „Im Hotelzimmer saß ich vor der Waage und habe nebenbei noch lernen müssen“, erinnert sich die 20-Jährige. Großen Druck macht sich Liegmann, die ihr Abitur mit einem Einser-Schnitt in Bonn ablegte, aber selbst nicht. Die Prioritäten sind klar gesetzt: „Auch, wenn die Eltern das etwas anders sehen, steht der Sport für mich an erster Stelle.“ Das soll aber nicht den Eindruck erwecken, dass Sarah Liegmann nicht ambitioniert ist. Im Gegenteil, denn sich auf alten Erfolgen auszuruhen, ist so gar nicht ihre Art. Für 2023 hat sich die Rheinbacherin viel vorgenommen. Voraussichtlich Ende Januar wird Liegmann erneut in den Ring steigen, um ihre makellose Kampfbilanz auszubauen.

Im Sommer geht es dann zum bereits vierten Mal in die USA. In New York an der Athletik arbeiten, dann „runter nach Florida ins Trainingslager“. Am malerischen Hollywood Beach will Liegmann mit ihrem amerikanischen Trainerteam ihre Fähigkeiten im Boxen weiter verbessern. Das Sommersemester, so sagt sie, das könne sie unterbrechen, um ein halbes Jahr den Fokus in der Sonne Floridas zu behalten. Das Trainingslager, dass sei „viel besser im Ausland, man ist weg vom Stress in der Heimat“, findet die Rheinbacherin.

Außerdem stört es da die 20-Jährige weniger, wenn der strikte Trainingsplan keine Zeit für Partys und Freundinnen vorsieht. All diese Hingabe und der Verzicht werden Ende nächsten Jahres ihren Höhepunkt finden. Nichts geringeres als der WM-Titel steht für Sarah Liegmann auf dem Spiel. Es wäre ihr Erster im Boxen. Neben dem Gürtel würde sich eine weitere GA-Auszeichnung gut in ihrem Trophäenschrank machen. Optimistisch und zugleich angriffslustig beendete die junge Boxerin ihre Social-Media-Botschaft: „Als nächstes steht die Wahl zum Sportler des Jahres an und die rocken wir auch noch!“