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Prüfung bestanden, Finger gebrochen: Das G-A-Team testet Handball

Prüfung bestanden, Finger gebrochen : Das G-A-Team testet Handball

Für unser G-A-Team haben wie GA-Redakteur Simon Bartsch zum Handball geschickt. Bei den Damen des TSV Bonn rrh. wird er an schnell an seine Grenzen geführt.

Hauchdünn zeichnet sich ein dunkler Strich auf dem hellgrauen Hintergrund ab. Erst durch den Mauszeiger und die passende Erklärung versteht auch der Laie das Röntgenbild. „Genau an dieser Stelle ist der Finger gebrochen“, erklärt der diensthabende Arzt einer Bonner Notfallambulanz und mir wird schlagartig schlecht. Mit diesen Worten endet um 23.37 Uhr mein erster Einsatz für das G-A-Team. Dieser Abend hat mir nicht nur Schmerzen, sondern auch den Hohn und Spott der Kollegen eingebracht. Und auch das Verfassen dieser Zeilen fällt mir nicht leicht, stoße ich mit meiner Schiene doch immer wieder an die Umschalttaste der Tastatur.

Für unser G-A-Team testen zehn meist unerschrockene GA-Mitarbeiter Sportarten in Bonn und Umgebung. Der User entscheidet. Mich hat er zum Handball beim TSV Bonn rrh. geschickt. Und eigentlich hätte es für mich gar nicht besser laufen können. Ein Training bei den sportlichen Damen und eine Disziplin, die ich in meinem Studium bereits spielen durfte. Eigentlich. Denn der damalige Unterricht liegt mehr als zwei Kreuzbandrisse, 13 Jahre und geschönte 15 Kilogramm Schokolade zurück.

Ich schieße mich in mein hautenges blaues Trikot, das schonungslos die süße Schwäche offenbart. Denn ich werde bereits von Marie Cajetan, Torhüterin und Spielführerin der 1. Mannschaft, freundlich begrüßt. Das Team um Trainer Jochen Scheler spielt in der Regionalliga. Dementsprechend ambitioniert verläuft ein Training.

Schon das Aufwärmen stellt mich vor ungeahnte Probleme. Der Ball soll laufend durch einen Ring befördert und nach dem Wurf eine Turnübung auf einer Matte absolviert werden. Das diene der Koordination. Das hört sich leichter an, als es ist. Und es ist noch nicht mal die Turnübung, die mir Kopfzerbrechen bereitet – eine verlangsamte Flugrolle (oder auch Purzelbaum) ist selbst mit Kugelbauch ein Klacks. Viel mehr scheitere ich an dem Wurf. Der Ball entfernt sich zwar von meiner Hand, auch zunächst in die richtige Richtung, überlegt es sich dann aber anders und fällt wie ein nasser Sack zu Boden. Sämtliche Gravitationsgesetze scheinen außer Kraft. „Harz“, sagt Lara Karatanassis, Spielerin des TSV. „Dadurch klebt der Ball. Du musst die Hand nach unten abrollen.“ Tatsache: Beim zweiten Versuch geht es schon besser. Die Masse sorgt für eine bessere Haftung beim Werfen und Fangen. Übrigens klebt auch das GA-Mikro seit dieser Trainingseinheit 1A an der Hand fest.

Als nächstes stehen verschiedene Passübungen auf dem Plan, die mir meiner Meinung nach auch ganz gut gelingen. Vorausgesetzt eine Streuung von bis zu fünf Metern fällt in die Kulanz der Mitspielrinnen. Manch Blick lässt erhebliche Zweifel aufkommen. Das für mich doch hohe Laufpensum der durchtrainierten Regionalligistinnen oder wahlweise mein Übergewicht fordern auch ihren Tribut. Und so lässt die Konzentration nach. Offenbar habe ich den Pass falsch eingeschätzt und so ist es die Spitze meines linken Ringfingers, die den Kontakt zum Ball sucht. Ein dumpfer Schmerz durchfährt meinen Körper. „Handball gehört sicherlich zu den gefährlichsten Sportarten“, erklärt Maja Klingenberg, wohl gemerkt nachdem der Finger gebrochen ist. „Bei dem ständigen Körperkontakt sollte man immer unter Spannung stehen“, sagt die TSV-Spielerin. Bei mir steht allenfalls das Trikot unter Spannung. Als ehemaliger Aschenplatz-Kicker bin ich Schmerzen gewohnt und so traue ich mich sogar in den Kasten. Wenn man die Farbe und Form meines Fingers betrachtet, keine gute Idee.

Eigentliche Challenge im Krankenhaus

Beim Abschlussspiel werde ich vom Trainer wieder im Feld eingewechselt. Ich versuche, die Schmerzen so gut es geht, auszublenden. Hin und wieder gelingt mir das ganz gut. Im Gegensatz zum Spielverständnis. Schelers Truppe ist sehr gut eingespielt. Während die Mädels mit verschiedenen Laufwegen den Torabschluss suchen, hadere ich noch mit den Begriffen, die mir die Mitspielerinnen zurufen. „Drei“, „Halb“, „Wechsel“, heißt es da. Ich verstehe nur Bahnhof. „Man sollte schon frühzeitig mit dem Handball spielen anfangen, um alle Abläufe zu verstehen“, sagt Scheler. „Wenn man auf dem Level meiner Mädels spielen will, muss man im Juniorenalter angefangen haben.“ Habe ich nicht. Und so bin ich froh, als der Trainer ein Erbamen mit mir und meiner Kondition hat und das Spiel beendet. Doch es steht noch eine Abschlussaufgabe auf dem Programm. Ein Tempogegenstoß mit Torabschluss sowie ein Siebenmeter. Unter den Anfeuerungen der gesamten Mannschaft absolviere ich beide Hürden im ersten Versuch. „Du hast dich ganz gut geschlagen“, sagt Marie Cajetan. „Ich hoffe, es hat dir auch Spaß gemacht!“ Das hat es.

Die eigentliche Challenge beginnt jedoch erst Stunden später. Es ist mehr ein Gemeinschaftsprojekt und hört sich wie ein schrecklich schlechter Witz an: Wie bekommen ein Arzt, ein Pfleger und ein einhändiger Journalist einen Ring in Größe 57 über einen Knöchel in Größe 66? Die Antwort: Weder mit Vaseline noch mit genug Zugkraft. Die Säge muss her. Doch auch das erweist sich als schweres Unterfangen. Immer wieder rutscht das Metall durch die Gleitcreme ab und bohrt sich tief in meinen Knochen. In Gemeinschaftsarbeit biegen Arzt und Pfleger den Ring schließlich doch auf. Für die beiden war das keine Challenge aber eine willkommene Abwechslung zum Tagesablauf. So, wie für mich Handball beim TSV Bonn rrh.