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Sportserie: Das G-A-Team testet Wasserball bei den SSF Bonn

Sportserie : Das G-A-Team testet Wasserball bei den SSF Bonn

GA-Mitarbeiter Sebastian Knauth hat sich als erster der Herausforderung gestellt und ist sprichwörtlich ins kalte Wasser gesprungen. Bei den Schwimm- und Sportfreunden Bonn hat er sich einen Abend lang als Wasserballer versucht - und ist an seine Grenzen gekommen.

Der Geruch, das hängende Netz an der Decke und die großen Trommeln mit den Absperrbändern – die Schwimmhalle im Sportpark Nord ist mir noch bestens aus meiner Schulzeit bekannt. In der Sportanlage sind die Schwimm- und Sportfreunde Bonn (SSF) zu Hause. Neben den klassischen Schwimmdisziplinen werden hier auch andere Sportarten ausgeübt. Zum Beispiel Wasserball.

Nachdem ich über 20 Jahre auf Asche Fußball gespielt habe, tausche ich nun als Mitglied des G-A-Teams zum ersten Mal den Belag. Fest entschlossen, meine dürftigen Erfolge im Fußball wettzumachen, will ich im Becken überzeugen. Ich schlüpfe in meine Badehose und betrete die „Folterkammer“ – denn Schwimmen ist nun wirklich nicht meine Stärke.

Fester Händedruck und nettes Lächeln

Mir fällt eine Gruppe von muskulösen Männern auf. Das müssen meine Trainingspartner sein. „Du bist Sebastian. Herzlich willkommen!“, empfängt mich Manfred Rumi, Abteilungsleiter Wasserball der SSF. Der feste Händedruck und das vermeintlich nette Lächeln lassen in mir Zweifel aufkommen, ob das Training für mich problemlos ablaufen wird. Rumi spielt seit Jahrzehnten Wasserball. „Wir haben uns extra etwas überlegt, das für dich gut zu schaffen ist“, erklärt er, überzeugt mich aber nicht.

Fabian Werkhausen leitet heute das zweistündige Training: Einschwimmen, Passspiel in kleinen Gruppen, Torwurfübungen und ein Abschlussspiel stehen heute auf dem Plan. Schnell wird klar, hier wird keine Rücksicht auf mich genommen. Doch bevor ich womöglich auf den Grund des Beckens sinke, bekomme ich meine Ausrüstung. Die besteht beim Wasserball aus einer reißfesten Badehose – natürlich hauteng – und einer schicken Badekappe mit Ohrenschützern.

Die Hose hält, die Ohren sind sicher

Der erste Eindruck: Die Hose hält und die Ohren sind sicher. Dann geht es los mit dem Aufwärmen. „Bitte quer durch das Becken tauchen und zurück kraulen“, brüllt der Coach. Das Tauchen fällt mir überraschend leicht. Komischerweise bin ich alleine. Meine Mitschwimmer befinden sich schon längst auf dem Rückweg. „Beim Wasserball werden Kraft, Ausdauer und Technik kombiniert“, so Rumi. „Schwimmen und der Umgang mit dem Ball werden zum Automatismus, damit die Konzentration ganz beim Spiel selber liegen kann.“ Nach dem Kraulen sind die Muskeln völlig überreizt. Wild nach Luft schnappend, schaue ich den Mannschaftskollegen zu. Die sind gerade aufgewärmt, ich komplett fertig.

Die nächste Aufgabe heißt: Wassertreten. Eine Übung ohne Arme – nach 27 Jahren Fußball scheinen meine Beine für diese Aufgabe prädestiniert. „So Jungs, schaut mal her“, fordere ich die Kollegen mutig auf, stelle aber fest, dass es soeben zum Nicht-Abtauchen reicht – mehr nicht. „Einfach versuchen. Es ist viel Technik und jeder hat am Anfang damit Probleme“, erklärt mir Rumi. Ich habe eher Probleme mit der Atmung.

Endlich kommen die Bälle ins Spiel. „Ball fangen und zum Mitspieler passen. Erst kurze Entfernung und später die längeren Pässe“, ruft Trainer Werkhausen. Das bedeutet Arm- und Beineinsatz gleichzeitig. Für mich ein Aufwand, der nur noch unter großen Schmerzen zu leisten ist. „Am Anfang fällt es natürlich schwer, da die Kombination aus allen Fertigkeiten eine Herausforderung ist“, erklärt Werkhausen. Ich benutze meinen Ball als Liegekissen und lasse mich treiben. Im Nachbarbecken beobachte ich das Jugendtraining, rund 20 Nachwuchssportler sind anwesend. „Wir versuchen, mit Trainingslagern im Ausland und anderen Aktivitäten, die Sportart für die Kinder spannend und attraktiv zu machen“, sagt Rumi.

Kampf um Nachwuchs

Beim Abschlussspiel agiere ich als Einwechselspieler. Immerhin habe ich allen bewiesen, dass ich talentfrei bin. Werkhausen wechselt mich dennoch ein. Ich positioniere mich zentral und erkläre das Toremachen zur Reportersache. Im Zweikampf wird deutlich, warum die Badehose reißfest sein muss. Im Gewühl wird so ziemlich jedes Körperteil in Mitleidenschaft gezogen. In der Regel hat das Spielfeld eine Länge von 20 bis 30 Metern und eine Mannschaft besteht aus sieben Spielern. Zum Glück ist das Spielfeld diesmal deutlich kleiner und die Spielerzahl variabel. Ohne Tor und mit einer Quote von null Prozent gewonnener Zweikämpfe beende ich das Abschlussspiel.

Als ich aus dem Becken will, bekomme ich noch meine finale Aufgabe. Aus fünf Metern soll ich drei von fünf Bällen verwandeln. „Das ist doch keine Entfernung“, rufe ich selbstbewusst. Ins Tor verirrt sich nur ein Ball, und das auch nur mit Hilfe des Torhüters. Die aus meiner Sicht unterschätzte Sportart hat es mir angetan. „Wir müssen um den Nachwuchs kämpfen. Wer am Ende dabeibleibt, ist für den Rest seines Lebens Wasserballer“, so Rumi.