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Kommentar zu Uli Hoeneß: Guter Uli, böser Uli

Kommentar zu Uli Hoeneß : Guter Uli, böser Uli

Kein anderer Mensch hat im deutschen Fußball mehr bewegt und mehr erreicht als Uli Hoeneß. Doch da ist auch der Charakter Uli Hoeneß - ein Mann mit zwei Gesichtern, findet GA-Redakteur Tobias Schild.

Als Uli Hoeneß am 1. Mai 1979 seinen neuen Posten als Manager übernahm, waren die großen Zeiten des FC Bayern München eigentlich vorbei. Kein Müller mehr, kein Beckenbauer, bald auch kein Maier. Der letzte Meistertitel lag fünf Jahre zurück, der letzte Pokaltriumph sogar acht. Der Club war zudem bei zwölf Millionen Mark Umsatz mit sieben Millionen verschuldet.

40 Jahre Hoeneß später ist der Trophäenschrank der Münchner mehr eine Lagerhalle, und aus Schulden ist das berühmte, fette Festgeldkonto geworden. Die Bayern sind eine Weltmarke, gehören mit 700 Millionen Euro jährlichen Einnahmen zu den umsatzstärksten Fußballvereinen des Planeten. Und hinter all dem steht ein Name: Uli Hoeneß.

Kein anderer Mensch hat im deutschen Fußball mehr bewegt und mehr erreicht als der Wurstfabrikant aus Ulm. Nicht einmal Franz Beckenbauer. Ohne Hoeneß wären die Bayern nicht einer der ganz Großen im Weltfußball. Und ohne ihr Aushängeschild FC Bayern wäre die Bundesliga nur europäischer Durchschnitt. Auch alle Welt- und Europameistertitel der deutschen Nationalmannschaft seit 1972 (mit Hoeneß als Spieler) wären ohne einen von Hoeneß geschaffenen Bayern-Block kaum möglich gewesen.

Eigentlich müsste man Hoeneß, wenn er denn wirklich im November seinen FCB als Präsident verlassen wird, tatsächlich eine Statue aufstellen. Aufgrund seiner Erfolge vielleicht sogar aus Gold. Wenn da nicht auch der Charakter Uli Hoeneß wäre. Ein Mann mit zwei Gesichtern. Einerseits der gute Mensch, der alles für seine Spieler tut, finanziell angeschlagenen Clubs mit Benefizspielen unter die Arme greift und sich sozial engagiert. Andererseits der Polterer, der jeden potenziellen Bayern-Konkurrenten bis aufs Blut bekämpft, der hinter dem Rücken der Liga Geheimverträge mit KirchMedia zugunsten der Bayern abschließt – und der letztlich wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis muss. Eine Strafe, die den heute 67-Jährigen deutlich demütiger und leiser hat werden lassen.

Hoeneß wird den Bayern fehlen, aber sie werden auch ohne ihn klarkommen. Denn dank ihm sind sie finanziell und sportlich prächtig aufgestellt. Hoeneß selbst ist ohnehin nur noch in bedingt verantwortlicher Position. Öffentlich hat er sich zudem eher rausgehalten.

Einzig die Bayern-Basketballer müssen eventuell zittern. Schließlich ist ihr größter Unterstützer in Zukunft nur noch Fan.