Eishockey-WM Deutschland unterliegt Russland

Köln · 3:6-Niederlage gegen Russland und verletzungsbedingter Ausfall von NHL-Torjäger Tobias Rieder: Deutschlands Eishockey-Team hat bei der Heim-WM die zweite bittere Pleite im dritten Spiel erlitten.

 Deutschlands Brooks Macek (l) und Russlands Iwan Proworow kämpfen um den Puck.

Deutschlands Brooks Macek (l) und Russlands Iwan Proworow kämpfen um den Puck.

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Erst mit den Kölner Haien Deutscher Meister werden und dann mit Deutschland eine tolle Heim-WM spielen. So in etwa dürfte sich Patrick Hager sein perfektes Jahr 2017 vorgestellt haben. Es ist aber anders und deutlich unangenehmer gekommen. Was Teil eins der Sehnsüchte betrifft, suspendierten die Haie den 28-Jährigen während der verlorenen Playoff-Viertelfinalserie gegen Wolfsburg unter noch immer ungeklärten Umständen. Bei der Weltmeisterschaft fing für Hager mit dem 2:1-Siegtreffer gegen die USA und einem zweiten Tor gegen Schweden alles traumhaft an. Dann kam die Partie am Montag gegen Russland und Hagers Eishockey-Welt verschwand wieder hinter dunklen Wolken. Der gebürtige Stuttgarter handelte sich eine Matchstrafe ein und wird gesperrt. Das Foul des Mittelstürmers und die daraus resultierende fünfminütige Unterzahl des deutschen Teams waren zudem verantwortlich für die 3:6 (0:3, 0:2, 3:1)-Niederlage gegen den Rekordweltmeister.

13 und eine halbe Minute waren vor 18734 Zuschauern in der auch beim dritten deutschen Spiel ausverkauften Lanxess Arena absolviert, als Patrick Hager von hinten in Sergei Mozyakin fuhr. Sah eigentlich nicht so schlimm aus, doch Hager hatte den russischen Kapitän so ausgehebelt und von den Beinen geholt, dass dieser mit dem Kopf und voller Wucht auf das Eis knallte. Während der junge Sergei Plotnikov auf Hager losging, um seinen Kapitän zu rächen, musste der 36-jährige Mozyakin von zwei Teamkollegen gestützt und schwer gezeichnet das Eis verlassen. Der deutsche Angreifer musste sich den Rest der Partie im Raum des Video-Coaches ansehen. Die Schiedsrichter sprachen eine Matchstrafe gegen ihn aus, die mindestens ein Spiel Sperre nach sich ziehen wird.

Bis zu dieser Szene begegnete die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm dem hohen Favoriten fast auf Augenhöhe. Die Russen waren zwar mit ihrem ersten Torschuss durch Vadim Shipachyov (2.) in Führung gegangen, die Deutschen hielten aber dagegen. Zum ersten Mal mit Kapitän Christian Ehrhoff und sieben Verteidigern in der Aufstellung musste sich der WM-Gastgeber nicht wie gegen die USA und beim 2:7 gegen Schweden ständig in die Defensive drängen lassen, so dass Torwart Thomas Greiss nicht so unter Dauerbeschuss stand.

Mit Hager aber verschwand diese Ausgeglichenheit in den Katakomben der Arena. „Es war ein klares Foul. Da muss sich Hagi besser benehmen. Wenn er die Bilder sieht, weiß er das auch selbst“, kritisierte Sturm den Übeltäter und ärgerte sich: „Er ist einer unserer besten Stürmer, aber er muss sich besser kontrollieren. Es hat sicher auch damit zu tun, dass die Mannschaft bei der Heim-WM etwas übermotiviert ist.“ Hagers Vergehen wirkte sich sofort negativ aus. „Klar war die Unterzahl danach der Killer“, räumte Philip Gogulla von den Haien ein. Nachdem Plotnikov zwei Minuten für seine Racheakt abgesessen hatte, blieben Russland von der Großen Strafe noch drei Minuten Überzahl. Shipachyov (18.), der nächste Saison für die neue NHL-Organisation in Las Vegas aufläuft, und Plotnikov (19.) erhöhten innerhalb von 65 Sekunden auf 3:0. Die Partie war entschieden. Zumal bei den Deutschen noch Tobias Rieder ausfiel. Nach einem Zusammenprall mit Teamkollege Brooks Macek im ersten Drittel versuchte es der NHL-Profi von den Arizona Coyotes zu Beginn des zweiten Durchgang nochmal, musste nach einem Foul aber endgültig in die Kabine. „Tobi ist im Krankenhaus beim Röntgen. Es sieht nicht allzu gut aus“, informierte Marco Sturm.

Als die Russen dann durch ihr drittes Powerplaytor von Nikita Gusev (32.) und NHL-Profi Nikita Kucherov (46.) im zweiten Durchgang auf 5:0 erhöhten, sah es schlimm für die Deutschen aus. Doch das Team von Marco Sturm bewies Moral und Kampfgeist. Es verwöhnte seine Fans im Schlussdrittel durch drei Tore von Macek (46.), Gogulla (49.) sowie Frederik Tiffels (60.) und konnte trotz des zweiten Treffers von Kucherov (52.) und der zweiten Niederlage bei der WM erhobenen Hauptes das Eis verlassen - vielleicht mit Ausnahme des unglücklichen Patrick Hager.

Deutschland: Greiss; D. Seidenberg, Müller; Ehrhoff, Abeltshauser; Reul, Hördler; Krueger; Rieder, Kahun, Macek; Reimer, Tiffels, Ehliz; Gogulla, Hager, Schütz, Kink, Fauser, Y, Seidenberg; Plachta.
SR.: Gouin (Kanada)/Salonen (Finnland).
Zuschauer: 18734.
Tore: 0:1 Shipachyov (1:04/Dadonov, Panarin)), 0:2 Shipachyov (17:10/Gusev, Panarin, PP1), 0:3 Plotnikov (18:15/Provorov, Antipin PP1), 0:4 Gusev (31:10/Pananrin Belov, PP1), 0:5 Kucherov (45:16), 1:5 Macek (45:53/Müller, D. Seidenberg), 2:5 Gogulla (48:34/Ehrhoff, Kahun, PP1), 2:6 Kucherov (51:40/Panarin), 3:6 Tiffels (59:09/Kink, D. Seidenberg).
Strafminuten: Deutschland 9 plus Matchstrafe Hager (14.); Russland 12.

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