1. Sport
  2. Mehr Sport

Olympische Spiele in Tokio: Die Spiele wären eröffnet

Olympische Spiele in Tokio : Die Spiele wären eröffnet

An diesem Freitag hätten in Tokio die Olympischen Spiele begonnen – hätte nicht Covid-19 die Verschiebung um ein Jahr erzwungen. Über den sonst so fröhlichen Auftakt

Da braut sich etwas zusammen über Peking. Die Meteorologen haben für diesen 8. August 2008 bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent eindringlich vor Unwettern gewarnt. Es ist der Abend der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in der chinesischen Metropole. Im Nationalstadion warten 91 000 Gäste auf die große Show. Den Einmarsch der Nationen, das Entzünden des Feuers.

Da werfen Chinas Regenmacher ihre Maschinerie an. Jetzt ein Unwetter? Das wäre kein guter Einstieg für perfekte Spiele. Erst später wird bekannt, dass die chinesischen Wetterspezialisten 1104 Raketen mit Silberjodid auf die Regenwolken feuerten, um sie abregnen zu lassen, ehe sie das Stadion erreichen konnten.

Pünktlich zum Höhepunkt der Feier, dem Showteil und dem anschließenden Einmarsch der Nationen, hatte sich die Gefahr zugespitzt. Das Wetteramt schlug Alarm und die Feierlichkeiten blieben dank des kaum weniger spektakulären Einsatzes am Himmel vor dem Nationalstadion trocken.

Auf den Inbegriff der Idee, dass sich die Jugend der Welt trifft, hat sich längst auch Pierre de Coubertins „Citius, altius, fortius“ übertragen. Aus „schneller, höher, stärker“ wird noch ehe die Spiele wirklich beginnen „bunter, schriller, spektakulärer“. Inzwischen gehört es allerdings zum guten Ton, etwas mehr Zurückhaltung zu üben, es steigert die Chancen bei der Bewerbung.

In den Anfängen der Spiele war an derartigen Wettbewerb noch nicht zu denken. Die wesentlichen traditionellen Elemente haben sämtlichen Ehrgeiz überlebt: Da ist zunächst das Hissen der Flagge und das Abspielen der Hymne des Gastgeberlandes. Dann folgt der Showteil, im Altertum „künstlerischer Part“, in dem der Gastgeber der ganzen Welt, die an den TV-Geräten sitzt, Land und Leute präsentiert.

Eines der größten Highlights neben all den Auftritten großer Söhne und Töchter der Gastgeberländer bleibt der Auftritt von Queen Elizabeth in London. Von Daniel Craig alias James Bond abgeholt im Buckingham Palace, flog sie per Hubschrauber mit dem Superagenten zum Olympiastadion und sprang dort (gut, es war ein Stuntdouble, sah aber spektakulär aus und war eine verrückte Idee) per Fallschirm ab und schwebte zur Eröffnungsfeier.

Nach der Show folgt der Einmarsch der Nationen. In Rio etwa waren es 207, was dem Abend durchaus Längen bescherte. Vorweg gehen aus offensichtlichen traditionellen Gründen die Griechen, zum Schluss marschiert das Gastgeberteam hinter seiner Landesflagge ins Stadion. Dazwischen: alle anderen nach Alphabet. Unvergessen manche grauenhafte modische Verfehlung.

Da waren die Gruselanzüge der 70er Jahre, denen anzusehen war, dass jedem, der sie anfasste, die Haare zu Berge stehen mussten. Immerhin, sie passten in die Zeit. Aber wirklich chic? Das haben Heerscharen von Designern selten geschafft. Bei den Deutschen war es die Firma Bogner, die von 1936 an das Team ausstattete. Meist mit einer farblichen Papageien-Reminiszenz. Auf das triste Buchhalter-Outfit, in dem Dirk Nowitzki mit der Flagge 2008 vorweg maschierte, folgte in London genderstereotypes Hellblau und Pink und in Rio Langeweile in Schwarz, Grau und Bordeaux. Seit den Winterspielen vor zwei Jahren kleidet Adidas das deutsche Team ein. Der erste Versuch: Ein bisschen wie gerne im Partnerlook auftretende Hobbywanderer.

Was bleibt noch hängen von all den gewaltigen Abenden, die kein Sportler verpassen mag, weil der Geist der Spiele hier seine Aura verbreitet. Todtraurig, wer da passen muss, weil am nächsten Tag der erste Wettbewerb ansteht. Wer darf die Fahne tragen? Eine größere Sportlerehre gibt es kaum, als die ganze Mannschaft anzuführen. Boxer und Dressurreiter, Schwimmer und Hockeyspieler, Turner und Kanuten.

Schließlich folgt das Entzünden des olympischen Feuers. Eine DER Szenen in der Historie der Eröffnungsfeiern: Atlanta, 1996. Muhammad Ali, deutlich gezeichnet von der Parkinsonschen Krankheit, entzündet in einem gar nicht so spektakulären und deshalb umso berührenderen Moment das Feuer. Ein Gänsehautmoment.

Heute hätten die Spiele in Tokio eigentlich beginnen sollen. Dann kam Corona. Keine schillernden Auftritte, keine Athleten. Anstatt seine Worte an die Sportler der Welt zu richten, holte sich Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, zumindest ein wenig olympisches Flair an seinen Arbeitsplatz – per Video aus Fernost.

Im leeren und abgedunkelten Olympiastadion von Tokio richtete die japanische Schwimmerin Ikee Rikako, die im vergangenen Jahr eine Leukämie-Erkrankung überstanden hat, in ein weißes Kostüm gekleidet Worte der Hoffnung an die Athleten der Welt. Die Botschaft von Respekt und Dankbarkeit soll den Sportlern Mut machen auf dem Weg nach Japan. Und Hoffnung, dass Tokio 2021 stattfinden kann.