Final Four 2024 Hockey-Spektakel mit Tausenden Gästen in Bonn

Bonn · Die Mischung aus heftigem Regen, Gewitter und Schlamm sowie Foodtrucks, Bier und Musik hat am Wochenende beim Feldhockey-Final-Four in Bonn für regelrechte Festivalstimmung gesorgt. Die Heimmannschaft hatte keine Aussichten auf eine Teilnahme. Wie erlebten sie das Turnier? Und wie kam das Spektakel bei den Gästen an?

 Für besonders gute Stimmung sorgten die Ultras aus Hamburg beim Herren-Finale.

Für besonders gute Stimmung sorgten die Ultras aus Hamburg beim Herren-Finale.

Foto: Emre Koc

Herrliche Düfte von Pasta, Gyros, Fritten sowie der Geruch von nassem Rasen und Schlamm lagen am Wochenende auf dem Gelände des Bonner Tennis- und Hockey-Vereins (BTHV) in Dottendorf in der Luft. Während viele auf den Tennisplätzen unbeschwert trainierten, feierten ringsum Tausende Fans des Hockeysports das Feldhockey-Final-Four 2024. Die meisten trugen Trikots ihrer Lieblingsspieler, zahlreiche Kinder waren auf Autogrammjagd.

Das Turnier fand allerdings ohne die Gastgeber statt - zumindest auf dem Feld. Hunderte Freiwillige, darunter auch Kinder, Eltern und Spieler aus allen BTVH-Teams engagierten sich an beiden Tagen. Jede Hand war angesichts des Unwetters gefragt. „Alle Volunteers haben deutlich mehr gearbeitet, als ihre Schichten hergegeben haben“, sagte Jakob Misof, Hockey-Stürmer der 1. Herren beim BTHV und Turnier-Helfer, während des Herren-Finalspiels zwischen dem Mannheimer Hockeyclub und dem Hamburger Polo Club. „Das Finale ist vergleichbar mit einem Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München“, kommentierte er.

Gleich zu Beginn des Spiels herrschte auch auf den Tribünen entsprechend ähnliche Stimmung. Während die Fans Hymnen sangen und feierten, zündeten abwechselnd Fans aus den Ultra-Kurven farbige Rauchbomben. Rot für Hamburg, Blau für Mannheim. Wird auch Bonn einmal die Chance haben, beim Final Four Zentrum des Jubels zu werden? „Es wird schon sehr, sehr schwierig, in den nächsten Jahren beim Final Four dabei zu sein. Eine gewisse Professionalität ist gefordert, die wir im sportlichen Bereich noch nicht hundertprozentig haben“, sagte Misof. Aber der BTHV befinde sich auf bestem Wege: „Als Studentenstadt erreichen uns immer mehr Hockeytalente aus allen Regionen.“ Der Hockeysport erfahre wachsende Beliebtheit.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass der BTHV seit der Premiere des Final Four im Jahr 2022 nun zum zweiten Mal als Gastgeber fungierte. Wieso dient Bonn als Austragungsort, obwohl die Damen- und Herrenmannschaften aktuell für die Teilnahme am Turnier nicht infrage kommen? „Die Hockey-Bundesliga sucht nach Clubs, die die Möglichkeit haben, so ein Turnier zu veranstalten. Vor zwei Jahren und auch dieses Jahr wurden wir gefragt, ob wir das Final Four austragen möchten“, erklärte Guido Becker, Hockey-Jugendwart und -Ansprechpartner des BTHV.

Wichtige Kriterien seien ein entsprechend großes Gelände mit einem guten Kunstrasen sowie ausreichend Parkplätzen, Flutlichter, viel Platz für Tribünen und elektronische Werbetafeln. Solche Orte, die dafür infrage kämen, gebe es vor allem im Rheinland, in Hamburg, teilweise aber auch im Südosten Deutschlands. „Bonn liegt ganz gut in der Mitte, zudem konnten wir auch genügend engagierte Helfer aufbringen, die dieses Event überhaupt erst möglich machen.“

Angesichts des Unwetters kurz nach den Halbfinalspielen der Damen wurde deutlich, wie wichtig diese Kriterien sind. Denn durch den wolkenbruchartigen Regen stand der Kunstrasen unter Wasser und der ehemalige Rugbyplatz, wo das ganze Spektakel rund um das Turnier stattfand, nahm festivalartige Züge an. Schlamm, Pfützen und Matsch soweit das Auge reichte. Die Volunteers handelten schnell, stellten Pavillons auf und brachten die Gäste in den Räumen des Clubhauses sowie in den Hallen unter.

„Mit Bier und Musik war die Stimmung trotzdem überragend“, sagte Becker. Doch ein wesentliches Problem bestand noch am Nachmittag des Halbfinales: Der Kunstrasen war überschwemmt. Die Volunteers ließen sich aber schnell etwas einfallen, das vor allem Muskelkraft und Ausdauer erforderte: „Unsere Helfer streiften Bierbänke wie große Duschabzieher über den Kunstrasen.“

Zum Final Four schafften es folgende Teams: Rot-Weiss Köln und der Mannheimer Hockeyclub (HC) (1. Halbfinale Damen), der Club an der Alster und der Düsseldorfer HC (2. Halbfinale Damen), der Mannheimer HC und der Crefelder Hockey- und Tennisclub (1. Halbfinale Herren), der Hamburger Polo Club und der Club an der Alster (2. Halbfinale Herren). Im Finale der Herren siegte Mannheim über Hamburg mit 4:2 (2:2) im Shoot-Out. Bei den Damen gewann Düsseldorf gegen den Club an der Alster. So war auch schon die gleiche Finalkonstellation vor zwei Jahren ebenfalls in Bonn ausgegangen. „Wir hatten uns viel vorgenommen für das Wochenende, und im Finale zu stehen, war für uns ein Riesending“, sagte Pia Lhotak vom Düsseldorfer HC.

Lhotak spielte auch für die Hallenhockey-Nationalmannschaft. Wie ist es, vor so vielen Fans zu performen? „Es ist immer was ganz Besonderes und ein tolles Gefühl, vor einer Kulisse wie in Bonn zu spielen.“

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