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Moritz Müller arbeitet an Gründung von Spielergewerkschaft

Kapitän der Kölner Haie im Interview : Moritz Müller arbeitet an Gründung von Spielergewerkschaft

Die Corona-Krise führt zu viel Unsicherheit bei Vereinen und Spielern der deutschen Eishockeyliga. Nun wollen sich die Profis in der DEL in einer Gewerkschaft organisieren. Im Interview äußert sich Moritz Müller von den Kölner Haien zu den Beweggründen.

Die Corona-Krise hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in eine finanzielle Schieflage gebracht, die durch Klauseln in Spielerverträgen sowie Gehaltsverzicht entschärft werden soll. Die Profis wiederum wollen sich nun über eine eigene Gewerkschaft absichern. Über deren Gründung sprach Tobias Carspecken mit dem Kapitän der Kölner Haie, Moritz Müller.

Herr Müller, als was fühlen Sie sich in diesen Tagen eher: Als Eishockeyprofi oder als Gewerkschaftler?

Moritz Müller: Meine Ausrüstung hatte ich schon lange nicht mehr an. Wir können momentan ja auch gar nicht aufs Eis gehen. Stattdessen war ich am Montag im Kraftraum arbeiten. Insgesamt fühlt es sich momentan nicht so sehr nach Eishockey an.

Wie ist bei Ihnen die Idee entstanden, eine Spielergewerkschaft für die DEL zu gründen?

Müller: Eines vorweg: Oberste Priorität bei alldem besitzt der Erhalt des deutschen Eishockeys und seiner Vereine. Dabei möchten wir Spieler mithelfen, und deshalb stehen wir als Spielervertretung mit der Liga und den Clubs im Austausch. Die Idee hinter der Spielergewerkschaft ist, den DEL-Profis eine eigene, starke Stimme nach außen zu geben. Das gibt es in dieser Form im deutschen Eishockey bislang noch nicht. In anderen Eishockey-Ländern, zum Beispiel Nordamerika, Schweden und der Schweiz, ist eine Spielergewerkschaft dagegen ganz normal.

Wie weit ist die Gründung vo-
rangeschritten?

Müller: Wir haben bereits vieles in die Wege leiten können. Mit Patrick Reimer (Spieler der Nürnberg Ice Tigers, Anm. d. Red.) und Marcus Kink (zuletzt Spieler bei Adler Mannheim) habe ich super Unterstützer an meiner Seite. Das Grundlagenpapier ist geschrieben und wird gerade juristisch geprüft. Außerdem haben wir eine entsprechende Zusammenfassung an die Liga versendet. Es gibt aber auch noch einiges zu tun. Im Moment besitzen wir eher noch den Status einer Interessengemeinschaft. Wir müssen erst noch eine Satzung schreiben, einen Verein gründen und den Titel einer Gewerkschaft an den Start bringen.

Welche Ziele verfolgen Sie?

Müller: Wir möchten in den Lösungsprozess für die aktuelle Situation miteingebunden werden und mit Liga und Vereinen an einem gemeinsamen Verhandlungstisch sitzen. Denn natürlich haben auch die Spieler der DEL gerade jetzt viele Fragen und Anliegen. Wichtig ist uns dabei, nicht gegen die Liga zu arbeiten, sondern eine für alle Beteiligten gute Lösung zu finden. Das würde aus unserer Sicht das Produkt DEL auch noch besser machen.

Um die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten, müssen die DEL-Clubs ihre Spielergehälter zunächst um 25 Prozent reduzieren. Wie bewerten Sie diese Regelung?

Müller: Aus Spielersicht ist es schwierig, eine für alle Spieler konforme Lösung zu finden, weil sich jeder Verein in einer ganz unterschiedlichen vertraglichen Situation mit seinen Spielern befindet. Manche DEL-Spieler besitzen beispielsweise einen Achtmonatsvertrag, bei anderen läuft der Vertrag über zehn oder über zwölf Monate. Es gibt viele Fragen, die die Clubs individuell beantworten müssen.

Wie verläuft Ihr Austausch in diesem Zusammenhang mit Haie-Geschäftsführer Philipp Walter?

Müller: Super. Es ist ein Austausch auf Augenhöhe, von Anfang an fair und transparent. Für viele Haie-Spieler ist der Club eine echte Herzensangelegenheit. Und deshalb will das Team dem Verein auch helfen, die aktuelle Situation bestmöglich zu überstehen.

Für wie realistisch halten Sie einen Saisonstart im September?

Müller: Ich persönlich halte das nach momentanem Stand für durchaus realistisch. Aktuell werden die Corona-Verordnungen schließlich wieder gelockert, es scheint sich alles ein wenig zu entspannen. Ich hoffe sehr, dass wir im Sommer wieder mit dem Training auf dem Eis beginnen können. Aber die absolute Sicherheit gibt es nicht.

Wären Geisterspiele in der DEL aus Ihrer Sicht zumindest überbrückend vorstellbar?

Müller: Natürlich wäre es viel schöner, immer vor Zuschauern zu spielen, das ist doch ganz klar. Auch aus wirtschaftlicher Sicht wären volle Hallen wichtig für die Vereine. Rein sportlich betrachtet geht es jedoch vor allem darum, überhaupt wieder ans Spielen zu kommen. Denn eines darf man nicht vergessen: Wir haben am Ende der Saison 2020/2021 noch eine Weltmeisterschaft sowie die Olympischen Spiele zu absolvieren. Und je länger die Liga pausiert, desto schwieriger wird es für die Spieler, ihr bisheriges Niveau zu halten.

Um eher in den Trainings- und Spielbetrieb zu gelangen, gibt es Überlegungen, künftig mit einem Vollvisier zu spielen. Wie stehen Sie dazu?

Müller: Alles, was in der aktuellen Situation hilft, ist in Ordnung. Als Spieler würde man sich schnell an ein Vollvisier gewöhnen. Da bin ich mir sicher.