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Radrennen "Rund um Köln": Nils Politt verpasst knapp das Podium

Radrennen "Rund um Köln" : Nils Politt verpasst knapp das Podium

In seinem Hausrennen hat der Kölner Rad-Profi Nils Politt knapp das Podium verpasst. Beim Kampf um Platz drei ließ er sich kurz vor dem Ziel von Lionel Taminiaux düpieren. Sieger des renommierten Radrennens in der Domstadt wurde im Sprintduell der Außenseiter Baptiste Planckaert.

Christoph Pfingsten zuckte kurz mit den Schultern und lächelte dann gequält. Sekunden später ließ Nils Politt den Kopf bei der Zieldurchfahrt auf der Bayenstraße am Rheinaufhafen hängen. Während die beiden deutschen Radsport-Profis mit ihrem Schicksal haderten knallten ein paar Meter weiter im Team Wallonie-Bruxelles schon die Sektkorken. Erst sicherte sich Außenseiter Baptiste Planckaert im Sprintduell mit Pfingsten auf den letzten Metern den Sieg bei der 103. Auflage des Radklassikers Rund um Köln. Dann düpierte Lionel Taminiaux im Kampf um Rang drei Politt und schnappte dem enttäuschten Kölner in dessen „Wohnzimmer“ den letzten Platz auf dem Podium weg.

Das Warten für die deutschen Radprofis und Politt geht also weiter. Mit dem Rheinbacher Christian Knees hatte 2006 zuletzt ein Deutscher bei Rund um Köln gesiegt. Und der 25-jährige Kölner Politt aus dem Team Katusha-Alpecin hatte sich nach seinem zweiten Platz beim Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix Chancen auf seinen ersten Erfolg vor der Haustür ausgerechnet. Politts Team hatte eine Renntaktik gewählt, die darauf aus war Vorjahressieger und Mitfavorit Sam Bennett von Beginn an unter Druck zu setzen. Die Stärken des Iren liegen im Sprint und deshalb wollte Katusha eine Massenankunft in Köln vermeiden. Die Taktik ging auf. Nach einer Anfangsphase mit hohem Durschnittstempo (44km/h) setzte sich schnell eine 16-köpfige Spitzengruppe mit Politt ab. Bennett musste reagieren. Nach 115 der insgesamt 206,6 Kilometern gehörte der 28-Jährige zwar zur Spitzengruppe, die am Bensberg bereits 3:50 Minuten Vorsprung auf das große Feld herausgefahren hatte, er hatte aber auch schon viele Körner investieren müssen. Die Gruppe, zu der auch Pfingsten und Planckaert vergrößerte sich später und arbeitete so gut, dass schnell klar war, dass es in diesem Jahr keine Sprintankunft geben würde.

Rund 30 Kilometer vor dem Ziel an „Schmitze Bud“ in Rath war Bennett zermürbt. Der Fahrer aus dem Team Bora-hansgrohe fiel zusammen mit dem Sieger der Bergwertung Nathan Haas (Katusha) zurück und wurde am Ende nur Zehnter.

Acht Fahrer bildeten die Spitzen, als es auf den dreimal zu durchfahrenden 6,2 Kilometer langen Rundkurs in Köln ging. Nach einer Attacke des Franzosen Clement Carisey (Israel Cycling) und des Deutschen Andreas Schillinger (Bora) auf der zweiten Runde, setzte Planckaert in Runde drei zehn Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Konterattacke. Nur Pfingsten (Bora) konnte folgen, während Politt in der Verfolgergruppe isoliert war und in der Hitzeschlacht mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius und teilweise starkem Wind den Sieg davonfahren lassen musste.

Vor der letzten Runde hatte das Führungsduo 40 Sekunden Vorsprung. Im Schlusssprint versuchte es der 31-jährige Potsdamer Pfingsten von vorne weg, musste sich den größeren Kraftreserven Planckaerts geschlagen geben. Der auch schon 30 Jahre alte Belgier aus Kortijk hatte in seiner Karriere bislang nur ein Jugend- und zwei U23-Rennen gewinnen können. Die Überraschung war perfekt. Mit den Belgiern hatten die beiden einzigen Profiteams im Rennen, Bora und Katusha, nicht wirklich gerechnet – allen voran Nils Politt und am Ende auch Christoph Pfingsten.