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Sportschütze Ralf Schumann ist deutscher Rekord-Olympionike

Erfolgreicher Sportschütze : Ralf Schumann ist deutscher Rekord-Olympionike

Siebenmal hat der Sportschütze Ralf Schumann für Deutschland an Olympischen Spielen teilgenommen und ist damit Rekordhalter. Am 30. Juli 1992 holte er in Barcelona seine erste Goldmedaille.

Wer sich dem Kleinkaliber-Dreistellungskampf, der Laufenden Scheibe oder dem Luftgewehr verschrieben hat, betreibt seine Sportart zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit, selbst wenn er zur Weltspitze gehört. Ausnahme: die Olympischen Spiele. Alle vier Jahre sind auch die Schützen interessant, jedenfalls jene, die Medaillenchancen haben.

So wie Ralf Schumann, der mehr als 20 Jahre seine Konkurrenz mit der Schnellfeuerpistole beherrscht, dabei drei olympische Gold- und zwei Silbermedaillen gewinnt – und einen ganz besonderen olympischen Rekord aufstellt. Denn noch keinem deutschen Sportler ist es gelungen, an sieben Spielen teilzunehmen – ein Muster an Konstanz. Und hätte die DDR 1984 eine Mannschaft nach Los Angeles geschickt, Schumann stünde wohl bei acht Teilnahmen, denn schon damals hatte er sich als 22-Jähriger qualifiziert.

1988 in Seoul Gold knapp verpasst

So werden die Spiele 1988 in Seoul die ersten des gebürtigen Sachsen. Er ist hoher Favorit, führt auch lange Zeit, wird dann aber noch von dem für die Sowjetunion startenden Letten Afanasijs Kuzmins abgefangen. Trotzdem denkt er gern an die Spiele zurück: „Seoul waren meine schönsten Spiele, alles war noch sehr familiär“, erzählt er 2016 in der „Kicker-Sportmagazin“-Edition „Die deutschen Olympia-Sieger“.

Schumann wird Seriensieger bei internationalen Meisterschaften sowie Weltcups und am 30. Juli 1992 – an diesem Donnerstag vor 28 Jahren – in Barcelona folgerichtig auch erstmals Olympiasieger. Doch der Sieg fällt ihm nicht in den Schoß. Der gelernte Feinmechaniker, der nach der Wende samt seiner Trainingsgruppe nach Saarbrücken gezogen ist und bei Mercedes Störgeräusche an Autos repariert, redet während des Wettbewerbs ungewöhnlich viel mit sich selbst, um dem Druck der Nerven standzuhalten – mit Erfolg. Es ist am fünften Tag der Spiele auch das erste Gold der sonst so medaillenverwöhnten Schützen. Vier Jahre später in Atlanta wiederholt er seinen Olympiasieg.

Zu steife Handgelenke fürs Gewichtheben

Wie kommt man zum Schießen? Als Kind habe er es mit Gewichtheben versucht. „Aber meine Handgelenke waren zu steif, ich bin oft samt der Hantel umgekippt“, wird Schumann im „Kicker-Sportmagazin“ zitiert. Als kurze Zeit später ein Sportschütze in der Schule zu Gast ist, versucht sich der 14-Jährige auch einmal mit der Pistole und zeigt Talent – dafür sind die steifen Handgelenke ein Vorteil. Zwei Jahre später ist er schon DDR-Meister.

Dass es nicht immer nur bergauf gehen kann, erlebt Schumann im Jahr 2000 in Sydney. In den diversen Vorschauen wird er – als amtierender Welt- und Europameister sowie Weltcup-Sieger – natürlich erneut als Favorit gehandelt, wird aber nur Fünfter. Er will schon aufhören, doch dann wandelt er den Frust in sportliche Energie um, trainiert bis zu zwölf Stunden am Tag und zeigt vier Jahre später in Athen der Konkurrenz wieder einmal die Grenzen auf.

Mit viel Selbstbewusstsein hat er sich zuvor schon auf seiner Homepage als „Schützen-Schumi“ dargestellt. So wie der Rennfahrer aus Kerpen zu dieser Zeit die Formel 1 beherrscht, so dominiert der inzwischen in Franken beheimatete Schumann seine Disziplin. Doch privat befindet er sich in einem Loch. „Ich war ein Kotzbrocken und hatte meine Ehe zerstört“, gibt er in dem „Kicker“-Gespräch zu. Da sei ihm Gott begegnet und habe ihm gezeigt, „dass ich sein Kind bin“. Er engagiert sich in einer evangelischen Freikirche bei Stuttgart – bleibt aber auch Sportler und gewinnt 2008 in Peking noch mal Silber. In London 2012 reicht es für den dann 50-Jährigen nur noch zu Platz 16. „Das war das letzte Signal, dass es jetzt reicht“, sagt er dazu im Interview. Sein Teilnahme-Rekord ist ihm dadurch aber sicher.