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Olympische Sommerspiele 2032: Telekom Baskets Bonn bedauern Entscheidung des IOC

Olympische Sommerspiele 2032 : Telekom Baskets Bonn bedauern Entscheidung des IOC

Deutschland hat das Bewerbungsrennen um die Olympischen Spiele 2032 schon so gut wie verloren, bevor es richtig begonnen hat. Ausgebremst wurde die Rhein-Ruhr-Initiative durch die Entscheidung des IOC, Brisbane zum bevorzugten Dialogpartner im Vergabeprozess zu machen.

Der Vorstoß des IOC überrascht, ist umstritten und stößt auf heftige Kritik. „Die Mitteilung des IOC ist aus meiner Sicht weit mehr als eine unverbindliche Vorfestlegung auf Brisbane als Ausrichterstadt der Olympischen und Paralympischen Spiele 2032“, sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, am Donnerstag.

„Langjährige Beobachter der Szene haben genau dieses schon seit geraumer Zeit prognostiziert“, unterstrich die SPD-Politikerin. „Und das neue Auswahlsystem, von IOC-Präsident Thomas Bach als ,kostengünstiger und unpolitischer, zudem jegliche unzulässige Einflussnahme verhindernd’ gepriesen, ist aus meiner Sicht an Intransparenz kaum zu überbieten“, fügte Freitag hinzu.

Damit würden andere Interessenten „nun zu Statisten“ – darunter auch die Region Rhein-Ruhr, die lange darauf vertraut habe, dass das in der IOC-Reformagenda 2020 beschriebene „Primat der Nachhaltigkeit tatsächlich eine Rolle für die Entscheidung spielen würde“, meinte Freitag.

Die privaten Initiatoren der Rhein-Ruhr-Bewerbung wollen ihre Bemühungen, Deutschland 60 Jahre nach den Sommerspielen 1972 in München wieder zum Schauplatz zu machen, dennoch fortsetzen. Mit welchen Eifer, dürfte auf einer schon vor dem IOC-Beschluss geplanten Pressekonferenz am Freitag sichtbar werden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will vom Treffen mit den Bürgermeistern der betroffenen Städte berichten – und wohl auch, ob die Bürgerbefragung zu Olympia im Herbst noch stattfinden wird.

„Was war nun, elf Jahre zuvor, ausschlaggebend für die Präferenz für Brisbane?“, fragt Max Hartung (Dormagen), Säbelfechter und Vorsitzender des Vereins Athleten Deutschland. „Wenn der Prozess nicht nachvollziehbar ist, dann entstehen Misstrauen und der Verdacht auf willkürliche Entscheidungen.“

Der ehemalige Fecht-Olympiasieger Bach pariert: Das neue Vergabeverfahren reduziere Kosten, sei unpolitischer, versachliche den Prozess – und produziere weniger Verlierer.

Für Hartung ist das Rhein-Ruhr-Konzept ein Gegenentwurf zu herkömmlichen Bewerbungen – mit einer Region anzutreten, unter starker Einbeziehung der Athleten und mit Rückenwind aus der Zivilgesellschaft. „Jetzt sieht es so aus, dass die Chancen darauf, einen solchen Gegenentwurf zu gestalten, geschrumpft sind“, sagte er.

Während sich von der Stadt Bonn im Vorfeld des Treffens am Freitag niemand äußern wollte, stellte sich Angela Beckmann, Pressesprecherin des Baseball-Bundesligisten Bonn Capitals, die Frage, „ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterzumachen und weiteres Geld zu investieren, oder ob man sich lieber für spätere Spiele bewerben will“. Das Stadion der Capitals in der Rheinaue wäre für den olympischen Baseball-Wettbewerb vorgesehen gewesen. Kritik übte Beckmann an der bisherigen Vorgehensweise, das Rhein-Ruhr-Projekt noch nicht als offizielle Olympiabewerbung für Deutschland in die Diskussion zu bringen. „So fehlt die volle Rückendeckung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).“

Was den Verein Bonn Capitals betrifft, halten sich die Auswirkungen indes in Grenzen. „Natürlich ist ein weiterer Ausbau des Baseballstadions wünschenswert, wir haben da auch schon einige Ideen vorgelegt“, meint Beckmann. „Wenn die Bewerbung hinfällig wird, wird es in Teilen sicher schwerer, diese umzusetzen. Wir hoffen aber, dass sich einige Projekte dennoch erfüllen werden.“

Beim Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn – im Telekom Dome hätte das Basketballturnier stattfinden sollen – bedauern sie die Entscheidung. „Es wäre sehr interessant gewesen, olympischen Basketball im Telekom Dome auszutragen und somit den Sport und die Stadt Bonn zu repräsentieren“, erklärt Pressesprecher Marius Volkmann.

Die indirekte Absage des IOC an die Mitbewerber der australischen Stadt verlängert die Geschichte der Enttäuschungen deutscher Bewerbungsversuche um Sommerspiele mit Berlin (für 2000), Leipzig (2012) und Hamburg (2024) oder für den Winter mit Berchtesgaden (1992) und München (2018, 2022).

DOSB-Präsident Alfons Hörmann wurde bei der Eröffnungsfeier der nordischen Ski-WM am Mittwochabend in Oberstdorf von der IOC-Präferenz für Brisbane kalt erwischt. „Dass das IOC die Entscheidung über die Olympischen Spiele 2032 nicht 2025 trifft, sondern bereits vier Jahre früher eine Weichenstellung vornimmt, kommt überraschend“, sagte er. Sie sei aber vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nachvollziehbar: „Berechenbarkeit und Planungssicherheit für die olympische Bewegung haben in den zurückliegenden zwölf Monaten seit Beginn der Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen.“

Zugleich verteidigte er das Vorgehen, beim IOC nicht längst ein ernsthaftes Bewerbungsinteresse und Gesprächsbereitschaft hinterlegt zu haben. Vielmehr wollte der DOSB nicht vom „klaren Fahrplan“ für das Jahr 2021 abweichen. „Ein überzeugendes Konzept abschließend erarbeiten, dann die Finanzierung klären, mit diesen Ergebnissen die Bevölkerung befragen und auf dieser Basis die Zustimmung der DOSB-Mitgliederversammlung einholen“, erklärte Hörmann.

Zweifel, ob dies so einvernehmlich mit den Machern an Rhein und Ruhr abgestimmt war, weckt eine Passage in der Stellungnahme der Initiative. Der IOC-Entscheid sei auch auf die starke Unterstützung von Brisbane durch das australische Nationale Olympische Komitee zurückzuführen, „die im Falle Deutschlands leider nicht gegeben“ gewesen sei. Dazu sagte Dagmar Freitag: „Der DOSB ist auf internationaler Ebene nicht wahrnehmbar.“