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Super Bowl 2017: Tom Bradys Titel für die Geschichtsbücher

Super Bowl 2017 : Tom Bradys Titel für die Geschichtsbücher

Tom Brady gewinnt mit den New England Patriots nach einem unglaublichen Comeback zum fünften Mal den Super Bowl. Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein

Tom Brady kniete auf dem Boden. Umzingelt von Ordnern, Reportern und Fans hatte er den Kopf in seinen Händen vergraben. Mehrere Augenblicke vergingen, ehe ein Teambetreuer und sein Mitspieler LeGarrette Blount sich neben ihn hockten und den Arm um ihn legten. "Du bist der Größte", flüsterten sie ihm zu. Brady reagierte immer noch nicht. Erst als Bill Belichick dazu stieß, raffte sich der Quarterback der New England Patriots auf und drückte seinen Coach fest an sich. Die Last einer außergewöhnlichen Football-Saison schien von den beiden abzufallen. Mit einem krönenden Höhepunkt.

Denn Chefcoach Belichick und Starspieler Brady hatten gerade zum fünften Mal zusammen den Super Bowl gewonnen, mehr als jede andere Trainer-Quarterback-Kombination in der Geschichte der National Football League (NFL). In Houston besiegten die New England Patriots in einer historischen Partie die Atlanta Falcons mit 34:28 nach Verlängerung.

Doch dass es überhaupt so weit kam, war mehr als außergewöhnlich. Nach einem unerwarteten ersten Viertel ohne Punkte für die hochgelobten Angriffsreihen der beiden Finalteilnehmer fanden die Falcons zuerst ins Spiel. Dabei profitiert Atlanta von einem Ballverlust der Patriots.

Quarterback Matt Ryan, am Vorabend der Partie zum wertvollsten Spieler (MVP) der regulären Saison gewählt, führte die in Rot und Weiß gekleideten Falcons zielstrebig über das Feld. Devontae Freeman war es schließlich vorbehalten, seine Mannen mit einem Touchdown in Führung zu bringen. Ein ungewohntes Gefühl für die Patriots, die seit Ende November in keinem Spiel mehr in Rückstand geraten waren.

Und die Falcons machten weiter Druck auf Brady, was dem 39-jährigen Spielmacher bekanntermaßen überhaupt nicht behagt. Zwei Mal brachte Atlantas Verteidigung den Patriots-Quarterback zu Boden und ließ ihn damit erst gar nicht seinen Rhythmus finden. Die Konsequenz: Brady verfehlte in wichtigen Situationen mehrmals mit seinen Würfen seine Passempfänger.

Ganz anders Atlanta. Matt Ryan hatte jede Menge Zeit, und er nutzte sie. Mit dem besten Angriff der Liga markierte Ryan zwei weitere Touchdowns zur 21:0-Führung. So hoch hatten Belichick und Brady noch nie in einem ihrer insgesamt sieben Super-Bowl-Auftritte zurückgelegen. Überhaupt hatte noch nie ein Team zuvor einen solchen Rückstand in einem NFL-Finale wettgemacht. Auch die drei Punkte für New England zwei Sekunden vor der Pause ließen nicht daran glauben, dass sich dies ändern sollte. Zumal Atlanta vor 70 807 Zuschauern, darunter US-Vizepräsident Mike Pence, Mark Wahlberg, Elton John und John Travolta, gleich nach der Pause erneut punktete: 28:3.

Es dauerte fast bis zum Ende des dritten Viertels, ehe die Patriots erstmals die Endzone fanden. Der im Anschluss verschossene Extrapunkt passte zum bis dato verkorksten Auftritt. Ein wirkliches Fünkchen Hoffnung schenkten erst die Falcons ihrem Gegner mit einem Ballverlust acht Minuten vor Schluss. Daraus wurde gar ein kleines Flämmchen, als Brady Danny Amendola in der Endzone bediente. Mit der verwandelten Two-Point-Conversion - statt des Extrapunktes lief New England den Ball erneut in die Endzone - betrug der Rückstand nur noch acht Zähler.

Doch das Momentum schien nicht völlig auf die Seite der Patriots wechseln zu wollen. Ryan dirigierte die seinen über das Feld, und Atlanta stand erneut davor zu punkten und die Partie final für sich zu entscheiden. Doch New England hatte Lunte gerochen, brachte Ryan für einen Raumverlust zu Boden. Und eine Strafe nach einem Foul drängte Atlanta außer Field-Goal-Reichweite.

So blieb Zeit für Brady, um einen letzten Angriff zu inszenieren. Ein unglaublich von Julian Edelmann gefangener Ball ebnete den Weg für einen weiteren Touchdown von James White. Aus dem Fünkchen Hoffnung war längst ein hell leuchtendes Feuer geworden. Erneut verwandelten die Patriots eine Two-Point-Conversion. 57 Sekunden vor Spielende war die Begegnung beim Stand von 28:28 ausgeglichen. Verlängerung. Zum ersten Mal in der Super-Bowl-Geschichte.

Dort gewannen die Patriots den Münzwurf und sicherten sich so den Ball zum Start der Verlängerung. Brady marschierte das Feld hinunter, und James White besiegelt mit einem kurzen Lauf die Comeback-Sensation.

Von all seinen Meister-Titeln dürfte dieser der schwerste für Brady gewesen sein. Vier Spiele hatte der 39-Jährige zu Saisonbeginn wegen der Affäre um zu schwach aufgepumpte Bälle in den Playoffs vor zwei Jahren aussetzen müssen. Zudem sorgte er sich die ganze Saison um seine an Krebs erkrankte Mutter, die bis zum Super Bowl kein Spiel ihres Sohnes hatte im Stadion verfolgen können.

Kein Wunder also, dass Brady nach dem Spiel seine Ehefrau Gisele Bündchen, seine Kinder und seine Mutter Galynn mit Tränen in den Augen in die Arme schloss. "Ich war so froh, dass alle hier waren", sagte der 39-Jährige. "Ich bin so stolz auf die Jungs, das Team, die Coaches - es ist unglaublich. Wir werden uns für den Rest unseres Lebens daran erinnern", schwärmte Brady, dessen Trikot nach der Partie gestohlen wurde.

Mit seinem fünften Super-Bowl-Triumph setzte sich Brady an die alleinige Spitze der Rekordliste für Quarterbacks. Er zog damit an seinem Idol aus Kindheitstagen, Joe Montana, und Terry Bradshaw, vorbei. Zudem wurde der Quarterback zum vierten Mal als wertvollster Spieler des Finals ausgezeichnet und warf erfolgreiche Pässe über eine Distanz von 466 Yards - ebenfalls Bestmarken. "Sieg für die Ewigkeit", titelte der "Boston Globe".

Allerdings ist es das noch nicht gewesen. Und das sollte allen Konkurrenten Angst machen. Denn Brady hat angekündigt, dass er noch drei bis fünf Jahre weitermachen will.