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US-Dreamteam verzaubert bei Olympia 1992 in Barcelona die Fans

Olympia 1992 : US-Basketballer verzaubern in Barcelona die Fans

Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewinnt die US-amerikanische Basketball-Nationalmannschaft in überragender Manier die Goldmedaille. Die Legende vom Dreamteam ist geboren.

Coach Chuck Daly lässt das Ergebnis schnell von der Anzeigetafel löschen. Niemand, schon gar nicht die Presse, soll erfahren, dass sich sein Team soeben blamiert hat. Im ersten Trainingsspiel der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona unterliegt die US-amerikanische Basketball-Nationalmannschaft einer Truppe von Collegespielern mit 54:62. Charles Barkley, einer der vielen Stars in Dalys Team, sagt später über Spiel und Gegner: „Sie sahen aus wie Babys, aber sie spielten, als wäre es das entscheidende siebte Spiel einer Playoff-Serie.“

Doch die Niederlage kommt dem erfahrenen Coach gerade recht, mehr noch: Daly hat sie mit seinem Coaching bewusst mit herbeigeführt. Er lässt Michael Jordan, den Topstar unter Stars, fast die gesamte Partie auf der Bank, gibt keine Anweisungen und wechselt vogelwild durch. Daly sieht die willkommene Blamage als Warnung an sein Team: Niemand ist unschlagbar. Die Botschaft kommt an. Am nächsten Tag fegen Jordan & Co. die College-Mannschaft im Rückspiel mit 100 Punkten Vorsprung vom Feld.

Kein Gegner ist dem Dreamteam gewachsen

Wenige Wochen später ergeht es den Gegnern der US-Boys im olympischen Turnier nicht wirklich besser. Der spielerischen Klasse der Amerikaner, gepaart mit beeindruckender Athletik und riesigem Selbstbewusstsein, ist kein Team gewachsen. Mit durchschnittlich mehr als 40 Punkten Differenz gewinnt die Mannschaft ihre acht Partien, zum Auftakt gibt es ein lockeres 116:48 gegen Angola. Schon nach diesem ersten Spiel steht für jeden Beobachter und Gegner fest: Die Goldmedaille ist an die USA vergeben. Das zwölfköpfige Team um die Ausnahmekönner Jordan, Earvin „Magic“ Johnson und Larry Bird spielt in einer anderen Galaxie – es ist ein Dreamteam, von dem Basketball-Fans noch heute schwärmen.

Dabei hätte der am hellsten funkelnde Stern beinahe gefehlt. Denn Jordan hat nach dem Gewinn der Goldmedaille 1984 in Los Angeles – damals noch als Collegespieler (siehe Infokasten) – wenig Lust auf den Trip nach Barcelona und möchte die Sommermonate lieber fürs Golfen nutzen. Als der Mann von den Chicago Bulls jedoch hört, dass Johnson (Los Angeles Lakers) und Bird (Boston Celtics) zum Abschluss ihrer eindrucksvollen Karrieren dabei sind, sagt er doch noch zu. Was wäre ein Dreamteam schließlich ohne den weltbesten Spieler?

"Ein Zug, der immer auf einen zurast“

In Barcelona sind es dann nicht nur die Zuschauer, die von dieser Mannschaft träumen, sondern auch die Gegner. Schon vor Beginn der Partien machen einige von ihnen mit den NBA-Idolen Fotos und lassen sich Autogramme geben. Der damalige Bundestrainer Svetislav Pesic verbietet seinem Team vor dem Aufeinandertreffen in der Gruppenphase eine solche Ehrerbietung. An der Hilflosigkeit auch der DBB-Auswahl ändert das nichts, am Ende steht es 68:111. „Jeder Fehler wurde ausgenutzt. Es war wie ein Zug, der immer auf einen zurast“, sagt der damalige Nationalspieler Stephan Baeck später einmal.

Und da für diesen Zug jeder Gegner ein grünes Signal ist, findet das Unvermeidliche einige Tage später seine Vollendung: Nach einem 117:85-Finalsieg gegen Kroatien ist der Olympiasieg des Dreamteams besiegelt und dessen Betriebsausflug nach Barcelona beendet. Mit Gold im Gepäck geht es zurück in die USA, die Begeisterung für die Mannschaft aber bleibt – bis heute. Welches Ausmaß sie hat, beschreibt ein Satz des gewieften Erfolgsarchitekten Chuck Daly: „Mit dem Dreamteam unterwegs zu sein, war, als hätte man Elvis und die Beatles vereint.“