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US-Schwimmer Michael Phelps bricht bei Olympia alle Rekorde

US-Schwimmer Michael Phelps : Der Aquaman aus Baltimore bricht alle Rekorde

US-Schwimmer Michael Phelps gewinnt insgesamt 23 Goldmedaillen bei vier Teilnahmen an Olympischen Spielen. Doch außerhalb des Beckens präsentiert sich der Mann aus Baltimore nicht immer souverän.

Es gibt nur wenige Menschen, die so für ein Element gemacht zu sein scheinen wie Michael Phelps. Der US-Schwimmstar funktioniert an Land einfach nicht. Seine Gelenke sind hyperflexibel. Joggen gehen kann er nicht, weil er dabei regelmäßig umknicken und die Bänder verletzen würde. Im Wasser fügt sich hingegen alles zusammen: Sein überlanger Oberkörper, die Spannweite der Arme von mehr als zwei Metern und die großen Füße (Schuhgröße 47,5), die er um 15 Grad stärker neigen kann als seine Konkurrenten.

Als der 15-jährige Phelps – der jüngste Schwimmer im US-Team seit 1968 – in Sydney 2000 zum ersten Mal die olympische Bühne betritt, gilt er bereits als das neue Wunderkind seiner Disziplin. Doch von seiner Premiere kehrt der Teenager aus Baltimore ohne eine einzige Medaille im Gepäck in die Heimat zurück – aber mit dem eisernen Willen, beim nächsten Mal alle Rekorde zu brechen.

Auf der Jagd nach dem Rekord von Mark Spitz

Für Athen 2004 nimmt er sich daher vor, die Bestmarke seines Landsmannes Mark Spitz zu knacken. Dieser hatte bei den Spielen in München 1972 siebenmal Gold gewonnen – kein Athlet hat bei Spielen bisher mehr geschafft. Phelps geht deswegen in der griechischen Hauptstadt in acht Disziplinen an den Start: 100 und 200 Meter Schmetterling, 200 und 400 Meter Lagen, 200 Meter Freistil sowie mit den Staffeln 4x100-Meter Freistil, 4x200-Meter Freistil und 4x100-Meter Lagen. Alle glauben an seinen Erfolg, sein Sponsor Speedo hat sogar eine Prämie von einer Million US-Dollar ausgelobt, sollte es der Jungstar zu acht Goldmedaillen schaffen.

Die Erwartungen sind also gewaltig, als der 1,93-Meter-Mann am 14. August 2004 am ersten Tag der Schwimmwettkämpfe im Aquatic Centre von Athen erscheint. Aber Phelps schirmt sich ab. Er schreitet mit großen Kopfhörern aus der Umkleide. Er hört langsame Techno-Musik, versetzt sich in eine Art Trance-Zustand, blendet alle Störgeräusche aus. Die Zuschauer, die Gegner, die Kameras. Als letztes legt er die Kopfhörer ab. Auf dem Startblock schlackert er die langen Arme dreimal um den Körper – sie wirken wie Fremdkörper aus Gummi.

„Es sieht so locker, so leicht aus“

Noch vor dem Startschuss zum 400-Meter-Lagen-Finale prognostiziert Kommentator Thomas Wark am ZDF-Mikrofon: „Mit 15 war er der jüngste Olympia-Teilnehmer seit 1932, jetzt könnte er der erfolgreichste werden.“ Bereits nach 50 Metern hat Phelps eine Körperlänge Vorsprung auf seine Verfolger. Wirkten seine Arme an Land noch wie aus Gummi, so stahlhart brechen sie nun durch das Wasser. „Es sieht so locker, so leicht aus“, kommentiert die ehemalige Schwimmerin Kristin Otto.

Phelps schwimmt ein Rennen für sich, nur noch gegen die Uhr, gegen die imaginäre rote Linie des Weltrekords. Als er die Wende zur letzten Bahn nimmt, stehen alle Zuschauer im Aquatic Center auf. Als Phelps anschlägt, hat er nicht nur Gold, sondern auch einen neuen Weltrekord mit 4:08,26 Minuten. Fünf weitere Goldmedaillen sollen es in den kommenden Tagen in der griechischen Hauptstadt werden, den Rekord von Mark Spitz verfehlt er damit.

Vier Jahre später wagt er erneut den Rekordversuch – und die Wettkämpfe in Peking 2008 werden für ihn zu Spielen der Superlative. Er gewinnt acht Goldmedaillen, drei davon mit der Staffel und stellt sieben Weltrekorde auf. Es ist der Lohn für ein Leben für den Schwimmsport. Die Tage in den vergangenen Jahren, an denen er nicht im Becken war, um zu trainieren, kann er an einer Hand abzählen, erzählt der Athlet einmal im Interview. Schwimmen, Essen, Schwimmen, Schlafen. Aber mit dem Erfolg kommt auch die Schattenseite. Nach seinem Karriereende gesteht er, dass er unter Depressionen litt. Kurz nach den Spielen und dem Trubel sei es immer am schlimmsten gewesen, erzählte er kürzlich in einer US-Doku.

Tiefpunkt im Oktober 2014

Für die Spiele in London 2012 qualifiziert sich Phelps erneut in allen Gold-Disziplinen von Peking, nimmt aber nur an sieben Rennen teil. Ergebnis: weitere vier Goldmedaillen. Mit der 4x100-Meter-Lagen-Staffel beendet er vorerst seine Weltkarriere.

Darauf folgt der Tiefpunkt, Phelps wird im Oktober 2014 in seiner Heimat mit Alkohol am Steuer erwischt – bereits 2004 war er wegen Trunkenheit von der Polizei im US-Bundesstaat Maryland festgenommen worden. Der US-Schwimmverband suspendiert ihn für sechs Monate und wirft ihn aus dem WM-Team. Aber der Ausnahmeathlet kämpft sich zurück und steht in Rio 2016 wieder am Beckenrand. Bei seinem Comeback holt er Gold Nummer 19 bis 22.

Am 13. August 2016 – beinahe zwölf Jahre nach jenem Tag, an dem er zum ersten Mal olympisches Edelmetall gewann – taucht er zum letzten Mal in einem olympischen Finale ab und mit Gold wieder auf. Gemeinsam mit der Staffel siegt Phelps über 100 Meter Lagen. Es ist seine Goldmedaille Nummer 23.