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NFL-Profi Carl Nassib: "Wollte nur kurz sagen, dass ich schwul bin"

NFL-Profi Carl Nassib : "Wollte nur kurz sagen, dass ich schwul bin"

Carl Nassib hat sich als erster aktiver Football-Profi in der NFL geoutet. Nicht nur aus der Liga gibt es großen Zuspruch.

Carl Nassib hat mit sich gekämpft. 15 Jahre lang, dann war der Moment gekommen: "Ich wollte nur kurz sagen, dass ich schwul bin." Mit diesen Worten schrieb Nassib am Montag Geschichte, mitten im "Pride Month" outete sich der 28-Jährige als erster aktiver Profi in der US-Footballliga NFL.

"Ich wollte das schon eine ganze Weile tun, nun fühle ich mich bereit, das loszuwerden", sagte der Defensive End der Las Vegas Raiders in einem Video auf seinem Instagram-Kanal. Nassib verknüpfte sein Coming Out mit einer Spende für das "Trevor Project", einer gemeinnützigen Organisation, die Krisenmanagement bei selbstmordgefährdeten Jugendlichen der LGBTQ-Community betreibt.

Entscheidend für den bahnbrechenden Schritt sei die Unterstützung seiner Familie, der Trainer und Teamkollegen gewesen. "Ich hätte das ohne sie niemals tun können", sagte Nassib, der seine Karriere 2016 bei den Cleveland Browns begonnen hatte. Nach zwei Jahren bei den Tampa Bay Buccaneers (2018-2020) wechselte er nach Las Vegas.

"Die NFL-Familie ist stolz, dass Carl heute so mutig die Wahrheit mitgeteilt hat. Wir teilen seine Hoffnung, dass so ein Statement wie seins auf dem Weg zur Gleichberechtigung der LGBTQ-Gemeinschaft schon bald keinen Meldungswert mehr hat", teilte Commissioner Roger Goodell mit.

Nassib erhielt viel Zuspruch. "Ein unglaublicher Moment", twitterte der frühere NFL-Star Julian Edelman. "Verbreitet die Liebe an das Trevor Project - eine sehr noble Geste." Auch Tennislegende Billy Jean King meldete sich. "Die Möglichkeit, ein authentisches Leben zu führen, ist so wichtig. Symbolkraft und Sichtbarkeit zählen", schrieb die 77-Jährige, die sich selbst seit Jahren für Gleichberechtigung engagiert.

Bislang hatten sich Profis erst nach ihrem Karriereende geoutet. 2014 wurde Michael Sam von den St. Louis Rams gedraftet, nachdem er sich offen zu seiner Homosexualität bekannt hatte, ihm gelang der Sprung in den Kader aber nicht.

Die Ausgangslage für Nassib ist eine andere, der Verteidiger ist bereits eine feste Größe in der Liga. Zudem scheint die Zeit endlich reif für einen solchen Schritt. Raiders-Eigentümer Mark Davis sagte bei ESPN: "Es ist 2021. Es ändert meine Meinung über ihn als Person oder als Raider kein bisschen." Und Cheftrainer John Gruden ergänzte: "Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass das, was einen Mann anders macht, ihn großartig werden lässt."

Ob andere Nassibs Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten. Noch lässt sich die Zahl der offen schwulen Athleten in den großen US-amerikanischen Ligen an einer Hand abzählen.

In Deutschland hatten im Februar über 800 Fußballspielerinnen und -spieler in einer Kampagne des Magazins "11 Freunde" homosexuellen Sportlern Mut zugesprochen sowie volle Unterstützung und Solidarität zugesichert. Die Aktion sollte die Angst vor den Folgen eines Coming-outs nehmen - geoutet hat sich allerdings nach wie vor kein aktiver Profi-Fußballer.

(SID)