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Baseball - Bonn Capitals: So lief die Corona-Saison für das Team

Baseball-Bundesliga : So lief die Corona-Saison für die Bonn Capitals

Die Corona-Krise, eine verkürzte Spielzeit und ein geschrumpfter Etat – trotz aller Widrigkeiten wurden die Bonn Capitals erneut deutscher Baseball-Vizemeister. Der Rückblick auf eine ungewöhnliche Saison.

Der Baseball-Bundesligist Bonn Capitals ist zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren deutscher Vizemeister geworden. Und wieder einmal standen die Heidenheim Heideköpfe dem ganz großen Wurf im Weg. Die Verantwortlichen werten dieses Ergebnis in schwierigen Corona-Zeiten dennoch als Erfolg. Und das, obwohl der zweite Titelgewinn nach 2018 durchaus möglich war. Aber die Mannschaft um Spielertrainer Wilson Lee konnte ausgerechnet im Finale nicht an die Topleistung aus der Normalrunde anknüpfen.

Die verkürzte Saison begann erst Anfang August – mit sportlichen  und organisatorischen Auswirkungen. Sportlich vor allem, weil die Capitals ihren Spielern aufgrund der Corona-Krise freigestellt hatten, bei anderen Vereinen ihr Geld zu verdienen. Mit Vincent Ahrens und Markus Solbach, die beide auf Einnahmen als Sportler  angewiesen sind, heuerten daraufhin zwei Caps in Italien an. Der fest eingeplante Neuzugang Terryll Joyce ging nach Schweden. Alle anderen Akteure blieben, obwohl sie nicht wussten, wann und wieviel Geld sie erhalten würden. Die Verantwortlichen der Capitals waren gezwungen, das ohnehin schmale Budget nochmals zusammenzustreichen.

„Es hat uns sehr berührt, wie die Spieler mitgezogen haben. Das war das echte Capitals-Feeling. Wir sind eben eine Familie“, sagte der Club-Vorsitzende Udo Schmitz. Mitgezogen haben auch die meisten Sponsoren, die trotz verkürzter Saison zu ihrem Engagement standen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Schmitz. Dennoch liegen, so die erste  Überschlagsrechnung, die  Einnahmen des Bundesliga-Bereichs rund 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Doch Corona brachte noch weitere Herausforderungen mit sich. „Wir mussten von einer Woche zur anderen ein Konzept entwickeln, wie wir Zuschauer unter Einhaltung aller Regeln ins Stadion bringen können“, erklärt Vorstandsmitglied Angela Beckmann. Freiwillige hatten die Sitzplätze des Stadions mit Schablonen und Sprühfarbe nummeriert. Ein Vorstandsmitglied programmierte eine Reservierungsplattform.

Um finanziell über die Runden zu kommen, beschlossen die Capitals außerdem, bei allen Spielen zehn Euro Eintritt zu verlangen. Unter normalen Umständen ist der Eintritt in der regulären Saison frei. „Wir sind stolz auf unsere Fans, die das voll mitgetragen haben. Das Stadion war stets ausverkauft“, so Beckmann.

Es ist davon auszugehen, dass dieses Konzept auch 2021 greifen muss. „Aus sportlicher Sicht haben uns Markus Solbach, Vinny Ahrens und Terryll Joyce natürlich gefehlt“, sagt Schmitz. „Aber wir wissen, dass wir auch an anderen Positionen noch nachlegen müssen, wenn wir wieder Meister werden wollen.“

Zwei Offensivkräfte und ein bis zwei neue Pitcher sollen das Team ergänzen

Finanziell kann Bonn mit Teams wie Heidenheim nicht mithalten, die trotz Corona ihr komplettes Team zusammenhalten konnten. Aber der Capitals-Spirit, der in der Szene bekannt ist, könnte bei der Suche nach neuen Spielern helfen. Zwei Offensivkräfte und ein bis zwei Pitcher stehen auf der Wunschliste.

Für Sportdirektor Florian Nehring heißt das: Nach der Saison ist vor der Saison. Denn um gute und bezahlbare Spieler aus Europa oder den USA zu ergattern, ist Eile geboten. Das Grundkonzept der Capitals bleibt davon unberührt: Solide haushalten und das Gros des Teams zusammenhalten. Dazu tragen weiterhin Eigengewächse und Spieler bei, die bereits seit vielen Jahren in Bonn spielen wie etwa Wilson Lee und Daniel Lamb-Hunt. Der Zusammenhalt dieses Teams war in dieser Corona-Saison besonders zu spüren und er soll die Mannschaft auch 2021 weit tragen.