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Baskets legen neues Angebot vor

Baskets legen neues Angebot vor

Im jahrelangen Rechtsstreit mit Post-SV muss Amateurverein notfalls in Insolvenz gehen

Bonn. (gme) In den Rechtsstreit zwischen dem Post-SV Bonn und den Telekom Baskets Bonn e.V. (siehe Hintergrund) könnte Bewegung kommen. Baskets-Anwalt Lothar Schmude hat dem Post-SV ein letztes Angebot für eine außergerichtliche Einigung unterbreitet: "80 000 Euro, mehr kann ein Verein mit 44 000 Euro Jahresbeitragsaufkommen definitiv nicht leisten." Ob allerdings der Post-SV darauf eingeht, ist offen. "Ich gebe das meiner Mandantschaft zur Entscheidung weiter", sagte Werner Reinlein, Rechtsanwalt des Post-SV.

Die Dauer des Rechtsstreits erscheint ungewöhnlich. Der Post-SV forderte einst (1999) 750 000 Mark vor dem Landgericht, das die Klage abwies. Daraufhin ging der Post-SV in die Berufung, nun liegt die Angelegenheit seit Jahren beim OLG Köln. Ein Gerichtsgutachten kommt auf rund 300 000 Euro, die der Telekom Baskets Bonn e.V. zahlen soll. Gutachten der einzelnen Parteien schwanken zwischen null und 400 000 Euro.

Service Lesen Sie hierzu auch die Hintergrundinformationen.Unstrittig sei, so Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, "dass dem Post-SV eine Abfindung zusteht, aber von den Baskets angebotene Beträge stets als zu niedrig abgelehnt wurden". Sollte der Post-SV auf den Vergleich nicht eingehen, ist laut Pressesprecher Michael Mager für den Vorstand des Telekom Baskets Bonn e.V. die Marschroute bei der Verhandlung, die am 30. Juni stattfinden soll, klar: "Wenn es zu einem Urteilsspruch käme, das nur annähernd dem Gerichtsgutachter folgt, bleibt unserem Verein mit seinen 500 Kindern und Jugendlichen nur der Weg in die Insolvenz."Das sei zwar bedauerlich, aber dem Verein bleibe dann keine andere Alternative. "Wir haben jetzt schon Unsummen", so Wiedlich, "für unser Gegengutachten und andere prozessbedingte Kosten gezahlt, irgendwann ist einmal Schluss." Laut Wiedlich sorgt der Prozess in der öffentlichen Wahrnehmung für große Missverständnisse, weil man den Verein Telekom Baskets Bonn und den Bundesliga-Spielbetrieb getrennt sehen müsse.

Artikel Lesen Sie dazu auch Telekom Baskets kämpfen nun um Meistertitel.So sei der Bundesliga-Basketball, sagt er, nicht gefährdet, denn der neue Telekom Dome und alle Sponsoring- und Spielerverträge lägen in Hand der BonBas GmbH, dem wirtschaftlichen Träger des Bundesliga-Spielbetriebs. "Die GmbH musste unserem Verein sogar einen Kredit über rund 70 000 Euro geben, damit wir diesen Prozess überhaupt finanziell durchstehen", berichtet Hans-Günter Roesberg, 1. Vorsitzender des Vereins Telekom Baskets Bonn.Post-SV-Anwalt Reinlein glaubt offenbar nicht daran, dass es die Baskets zur Insolvenz kommen lassen. "Das ist schierer Poker", meinte er. "So ganz einfach geht niemand in die Insolvenz. Das würde doch einen ganz erheblichen Imageschaden bedeuten", ist er überzeugt. "Man würde wahrscheinlich auch mit seinem Sponsor Probleme bekommen, der es sicher nicht gerne sieht, wenn jemand mit seinem Namens-Bestandteil Telekom in die Insolvenz geht", führte er weiter aus.

Stephan Althoff, Leiter Konzernsponsoring der Deutschen Telekom AG, wiegelt aber ab. Althoff ließ auf GA-Anfrage gestern keinen Zweifel daran, "dass die Deutsche Telekom weiter zu ihrem Sponsorvertrag steht und sicher ist, dass die Telekom Baskets auch zukünftig in der Bundesliga spielen". Man könne und werde sich jedoch nicht "an den Kosten aus einem absurden Rechtsstreit beteiligen: Das ist allein Sache der Baskets." Auch in der Basketball-Bundesliga (BBL) beobachtet man den Rechtsstreit aufmerksam.

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer sagt: "Das sportliche Teilnahmerecht ist null Euro wert und ohne unsere Zustimmung nicht veräußerbar." Die wesentlichen Hürden, um eine für ein Jahr befristete Lizenz zu erhalten, seien eine ausreichend große Halle und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Pommer: "Eine BBL-Lizenz ist keine Lizenz zum Gelddrucken, sondern nur ein notwendiger Baustein zur befristeten Teilnahme am Hochrisikogeschäft Profisport." Was der Gerichtsgutachter zu Papier gebracht habe, sei für ihn "Ausdruck von wirklichkeitsfremder Hilflosigkeit".