Streit um Punktabzug Neuer Ärger bei Blau-Weiß Friesdorf

Bonn · Der von der Insolvenz bedrohte FC Blau-Weiß Friesdorf muss sich in der Bezirksliga neu aufstellen. Nach dem Abstieg startet der Verein mit drei Minuspunkten und einem Konflikt mit dem Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) in die neue Saison.

Wie geht es weiter auf der Anlage in Friesdorf? Die Zukunft ist derzeit unklar.

Wie geht es weiter auf der Anlage in Friesdorf? Die Zukunft ist derzeit unklar.

Foto: Wolfgang Henry

Zwei Abstiege, eine drohende Insolvenz und nun auch noch ein Konflikt mit dem FVM – der FC Blau-Weiß Friesdorf steckt seit einem knappen Jahr im Krisenmodus. Vor etwa elf Monaten, am 30. Juni des vergangenen Jahres, mussten die Verantwortlichen des damaligen Absteigers aus der Mittelrheinliga einen Insolvenzantrag stellen. Der Verein sah sich mit gewaltigen Forderungen konfrontiert. Aus den Geschäftsjahren 2014 bis 2018 sollten die Friesdorfer 270.000 Euro an die Rentenversicherung und verschiedene Krankenkassen nachzahlen. Dazu kommen 330.000 Euro an Säumniszuschlägen.

Inzwischen zeigt sich der zweite Vorsitzende optimistisch. „Heute gehen wir davon aus, dass wir eine Einigung mit den Gläubigern finden werden“, sagt Helmut Göbel. „Aber sicher ist es leider noch nicht. Das behindert uns in den Planungen schon enorm.“

Auch sportlich sind die vergangenen beiden Spielzeiten für die erste Mannschaft der Blau-Weißen zum Vergessen gewesen. Stiegen die Friesdorfer 2022/2023 noch am letzten Spieltag aus der fünftklassigen Mittelrheinliga ab, so war das Team von Trainer Thomas Huhn in dieser Spielzeit in der Landesliga zu keinem Zeitpunkt wirklich konkurrenzfähig. „Das muss ich mir auch ein Stück weit ankreiden lassen“, so Huhn. „Ich habe die Mannschaft stärker eingeschätzt, als sie schlussendlich war. Individuell waren wir ordentlich besetzt, aber leider sind wir nie so richtig als Team zusammengewachsen.“

Kein Punktgewinn mehr in der Rückrunde

Die Friesdorfer fanden sich bereits früh am Tabellenende wieder und holten in der Rückrunde keinen einzigen Punkt mehr. „Am Ende hat sich das Team auch leider aufgegeben. Wir haben viele Spiele in den letzten Minuten verloren“, resümiert Huhn. „Wir haben uns dann Anfang Mai dazu entschieden, die Mannschaft vom Spielbetrieb zurückzuziehen, um dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung zu entgehen.“ Im Vorfeld dieser Entscheidung hatte das Team unter anderem acht Gegentore bei der zu diesem Zeitpunkt noch akut abstiegsgefährdeten Sportvereinigung Deutz kassiert. In den letzten drei Partien wäre es zu Duellen mit den beiden späteren Aufsteigern, dem FC Pesch und dem SSV Merten, sowie der abstiegsbedrohten Spicher Mannschaft gekommen.

Da der Rückzug nach dem 30. April vollzogen wurde, blieben die bisherigen Ergebnisse der Friesdorfer stehen, die letzte drei Partien mit 2:0 für die Gegner gewertet. Hätte das Team von Huhn vor dem Stichtag den Rückzug angetreten, wären die Resultate annulliert worden und die Landesliga-Tabelle neu sortiert worden.

Die Entscheidung, im Mai nicht mehr anzutreten, hat für Friesdorf aber Konsequenzen für die nächste Saison. So wird der Absteiger in der Bezirksliga mit einer Hypothek von drei Minuspunkten starten. „Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass uns der Staffelleiter des Fußballverbands, Marco Feith, in dieser Thematik aus unserer Sicht nicht korrekt beraten hat“, so Huhn. „In Rücksprache mit ihm waren wir davon ausgegangen, einen Punktabzug für die kommende Saison vermeiden zu können.“

Unverständnis beim FVM

Der FVM reagiert auf Nachfrage des GA mit Unverständnis auf die Aussagen des Trainers. „Die vorgebrachten Vorwürfe von Herrn Huhn können wir nicht nachvollziehen", so der FVM in seiner schriftlichen Antwort. Der Verband bestätigt zwar ein ausführliches Gespräch mit den Friesdorfer Verantwortlichen, dementiert jedoch eine Unterhaltung über einen möglichen Punktabzug. „Eine Befreiung von Punktabzügen ist hier zu keiner Zeit thematisiert worden und wäre auch auf Grundlage der Spielordnung ab dem 1. Mai nicht möglich gewesen“, heißt es aus der Hennefer Verbandszentrale. Zudem weist der FVM darauf hin, dass die Friesdorfer bei zwei Instanzen mit der Beschwerde gegen den Punktabzug gescheitert seien. Die Sanktion sei damit rechtskräftig.

Sorgen wegen der Hypothek macht sich Huhn jedoch nicht: „Am Ende wird die Meisterschaft sicherlich nicht wegen dieser drei Punkte entschieden.“ Der 58-Jährige, der in Friesdorf bereits seit 2017 in verschiedenen Funktionen federführend im Amt ist, untermauerte, dass er die Verantwortung für den Abstieg übernehme und sein Engagement fortsetzen wird. „Ich bin überzeugt davon, dass man einen Verein, der am Boden liegt, nicht im Stich lässt.“

Hängepartie im Insolvenzverfahren

Um sorgenfrei in der Bezirksliga starten zu können, hatten die Vereinsverantwortlichen darauf gehofft, bereits eine Lösung im Insolvenzverfahren gefunden zu haben. „Wir hatten eigentlich mit einer Entscheidung gegen Mitte Mai gerechnet“, erklärt Göbel. „Leider zieht sich der Prozess noch deutlich länger.“

Somit kann die Auflösung des Vereins weiterhin nicht vollständig ausgeschlossen werden. In dieser Situation könnte sich der Club zwar neu gründen, aber alle erspielten Ligazugehörigkeiten wären verloren. Dieses Problem beträfe nicht nur den Seniorenbereich. Auch die Jugendmannschaften, von denen derzeit zwei überregional aktiv sind, müssten neu in der Kreisliga starten. Ein Scherbenhaufen, den die Verantwortlichen in jedem Fall vermeiden wollen.