Baseball-Bundesligist Bonn Capitals sehen Pitchen als Club-Philosophie

Bonn · Bei den Bonn Capitals dreht sich alles ums Werfen. Schon in den Jugendmannschaften des Baseball-Bundesligisten werden alle Spieler zum Pitcher ausgebildet. Die größten Talente Deutschlands wollen deshalb alle nach Bonn.

 Top-Neuzugang: Nationalspieler Niklas Rimmel verstärkt die Pitching-Riege der Capitals.

Top-Neuzugang: Nationalspieler Niklas Rimmel verstärkt die Pitching-Riege der Capitals.

Foto: Bonn Capitals

Mit ein wenig Stolz verweist Clemens Cichocki auf die jüngsten Erfolge seines Clubs. Erfolge, an denen der 39-Jährige maßgeblichen Anteil hatte. Dabei meint er nicht etwa die deutsche Baseball-Meisterschaft, die die Bonn Capitals 2022 gewannen. Nein, noch viel größere Freude haben Cichocki drei Spielerabgänge gemacht, die der Verein in jüngster Zeit verzeichnete. Drei Abgänge, die die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit der Capitals unterstreichen.

„Wir wollen Bundesligaspieler entwickeln, Nationalspieler und Collegespieler“, erklärt Cichocki, der bei den Capitals Co-Trainer des Bundesligateams sowie Chefcoach der Jugendabteilung ist. Letzteres ist den Caps zuletzt gleich dreimal gelungen. Mit Paul Schmitz, Noah Lindt und Titus von Kapff schafften drei Bonner den Sprung an eine Uni in den USA, dem Mutterland des Baseballs. Und für Cichocki noch wichtiger: Alle drei sind Pitcher.

Denn gerade auf die Ausbildung der Werfer legen die Capitals besonderen Wert. Hierzu wurde im vergangenen Sommer neben Ex-Pitcher Cichocki, der seit 2018 auch noch als Landes- und Bundesstützpunkttrainer in Bonn arbeitet, Markus Solbach verpflichtet. Der Nationalspieler mit jahrelanger Erfahrung in den Minor Leagues, der zweiten Profiliga in Amerika, arbeitet als Pitching Coach bei den Capitals, soll die Werfer im Bundesligateam und in den Jugendmannschaften weiterbilden.

Gemeinsam haben die beiden Vollzeittrainer ein Konzept entwickelt, das für alle Mannschaften des Clubs von der U12 bis zum Bundesligateam gilt. In dessen Mittelpunkt steht das Pitchen. „Bei uns müssen alle Spieler pitchen können. Das ist unsere Vereins-Philosophie. Ab der U15 werden auch alle als Pitcher eingesetzt“, erklärt Solbach. Cichocki ergänzt: „Wir sind uns alle einig, dass das der Grundstock für langfristigen Erfolg ist.“ Gerade bei Turnieren sei es in den Jugendteams wichtig, genügend Werfer auf ähnlichem Niveau zu haben. Zudem ist Werfen ohnehin ein zentrales Element des Sports. „Wer pitchen kann, kann den Ball in der Verteidigung auch vom dritten zum zweiten Base zielgenau werfen“, sagt Solbach.

 Gemeinsam sollen Markus Solbach (r.) und Clemens Cichocki die Nachwuchspitcher der Bonn Capitals ausbilden.

Gemeinsam sollen Markus Solbach (r.) und Clemens Cichocki die Nachwuchspitcher der Bonn Capitals ausbilden.

Foto: Tobias Schild

Voll aufs Pitching hat auch Max Schmitz als Kaderplaner bei der Zusammenstellung der diesjährigen Bundesligamannschaft gesetzt. „Wir haben unsere Pitching-Riege enorm verbessert, weil wir das als Grundlage für unseren langfristigen Erfolg ansehen“, sagt der einstige Headcoach, der die Caps 2022 zum Meistertitel geführt hat. Größte Verstärkung ist natürlich Solbach, den Schmitz als „besten Pitcher der Bundesliga“ bezeichnet. Nachdem er vergangene Saison verletzt nicht spielen konnte, ist der 32-Jährige nun die Nummer eins des Clubs auf dem Wurfhügel. Dazu kamen mit Niklas Rimmel und Marcel Girou zwei weitere Nationalspieler, der vierte war mit Sascha Koch schon da. Insgesamt stehen fünf Hauptpitcher, dazu drei Nachwuchskräfte, die ans Team herangeführt werden sollen, und im Sommer phasenweise auch die drei Collegespieler Schmitz, Lindt und von Kapff zur Verfügung.

Selbstbestimmte Athleten – auf und neben dem Platz

Dass der Club mit Rimmel, der auch schon Minor League in Amerika gespielt hat, und Girou zwei deutsche Topleute verpflichten konnte, hat er vor allem Cichocki und Solbach zu verdanken. „Markus und ich sind die Zugpferde, warum die Top-Pitchingtalente nach Bonn kommen wollen“, erklärt Cichocki, den die jungen Spieler alle aus der U18-Nationalmannschaft kennen, die er maßgeblich betreut.

„Wenn du als Pitcher besser werden willst, dann solltest du nach Bonn kommen“, sagt auch Solbach. Die Kandidaten meldeten sich sogar von sich aus bei den beiden Trainern. Von Kapff etwa wurde von seinem früheren Coach nach Bonn geschickt, um sich durch die Arbeit mit dem Duo weiterzuentwickeln. Nur ein Jahr später ging er ans College. In Amerika soll er sich nicht nur sportlich, sondern auch beruflich und als Persönlichkeit weiterentwickeln. Denn auch darauf legen Solbach und Cichocki großen Wert. „Wir wollen selbstbestimmte Athleten entwickeln, die sich auf dem Platz und im Leben zurechtfinden“, sagt Cichocki. Und möglichst alle auch nach ihrer Karriere den Capitals verbunden bleiben.

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