Ältester Bonn-Marathon-Teilnehmer 89-jähriger Läufer verrät Geheimnis für Fitness im hohen Alter

Bonn · Mit 89 Jahren ist Karl Harrichhausen der älteste Läufer beim Bonn-Marathon. Weder Alter noch Anstrengung merkte man ihm am Ziel an. Was treibt ihn an, fast jeden Tag zu laufen, und wie erlebte er den Lauf?

 Karl Harrichhausen präsentiert nach dem Zieleinlauf seine Medaille. Er ist der älteste Teilnehmer beim diesjährigen Marathon in Bonn.

Karl Harrichhausen präsentiert nach dem Zieleinlauf seine Medaille. Er ist der älteste Teilnehmer beim diesjährigen Marathon in Bonn.

Foto: Emre Koc

Zehn Kilometer und sogar ein wenig über das Ziel am Bonner Marktplatz hinaus läuft der 89-jährige Karl Harrichhausen beim Bonn-Marathon, als wir ihn auf dem Weg zur wohlverdienten Medaille abfangen. „Ja, das strengt schon ordentlich an“, sagt der gebürtige Bonner mit einem Lächeln. „Ich bin gut durchgekommen, die Zeit hätte aber besser sein können.“ Seine Laufzeit: 1:34:19 Stunden. Zeichen der Anstrengung sind bei ihm nicht erkennbar. Wie läuft sich so eine Strecke im hohen Alter? „Ich laufe vier- bis fünfmal die Woche“, erklärt Harrichhausen. In der Woche komme er auf 30 bis 40 Kilometer Laufstrecke. „Bei gutem Wetter sind es auch mal 50 oder 60“, sagt er.

Harrichhausen ist in diesem Jahr der älteste Teilnehmer beim Bonn-Marathon. Seit seiner Rente im Jahr 1997 läuft er so gut wie jeden Tag und bereitet sich gleichzeitig auf den alljährlichen Marathon vor. Vorher hatte er im Heizungs- und Sanitärbereich gearbeitet. „Der ASV Sankt Augustin hatte damals eine Laufgruppe gegründet. Seitdem laufe ich regelmäßig.“ Aber auch vorher schon war Harrichhausen im Verein sportlich aktiv.

25 Goldmedaillen hat er im Rahmen des Deutschen Sportabzeichens bislang errungen. Und ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Über die Jahre nahm er bereits an elf Marathons, 20 Halbmarathons und 23 Zehn-Kilometer-Läufen teil. Seine Bestzeit im Marathon, im Rentenalter wohlgemerkt, lag bei 3:52:50 Stunden. Was ist das Geheimnis eines gesunden und sportlichen Lebens im hohen Alter? „Das Laufen macht einen fitter, und wenn man merkt, dass man schlank bleibt, treibt es einen immer weiter an“, antwortet er nicht ohne ein Schmunzeln.

Harrichhausen hat in diesem Jahr in kompletter Eigenregie am Marathon teilgenommen. „Die Laufgruppe hat sich durch Corona gewissermaßen aufgelöst“, seitdem laufe er meistens alleine. Im Jahr 2021 verstarb seine Frau. „Wir waren 63 Jahre lang verheiratet. Neben der Gartenarbeit und Arbeiten im Haus stellte ich mir in dieser Zeit zum ersten Mal Fragen wie: Wie koche ich und wie geht das Putzen oder Waschen?“ erinnert sich Harrichhausen. Dadurch habe er ständig was zu tun.

„Prinzipiell lebe ich auch sehr gesund. Ich koche viel Gemüse und trinke wenig Alkohol.“ Ab und zu trinke er natürlich mal ein Glas Kölsch. Das sei aber nur etwa alle 40 Tage der Fall. „Mein Sohn kommt noch regelmäßig vorbei und schaut nach dem Rechten“, aber ansonsten komme er ganz gut alleine zurecht. Auf fremde Hilfe sei er gar nicht angewiesen. Wieso ist der Sohn nicht dabei? „Er weiß gar nicht, dass ich an Marathons teilnehme. Sonst würde er noch behaupten, ich sei verrückt“, sagt er lachend.

Die Strecke entlang des Rheins von der Kennedybrücke bis zur Rheinaue fand Harrichhausen am schönsten. „Es treibt einen sehr an, wenn einem zugejubelt wird.“ Nahm er das Verpflegungsangebot in Anspruch? „Nein, direkt vor dem Lauf hatte ich noch eine Banane und Cola. Aber während des Laufs brauche ich nichts.“ Und jetzt heißt es: alkoholfreies Weizen trinken und entspannen. „Ich werde heute ganz sicher gut einschlafen.“ Eins weiß Karl Harrichhausen auch ganz sicher: Nächstes Jahr möchte er wieder teilnehmen. „Die Zeiten werden altersbedingt zwar immer schlechter, aber ich stecke den Lauf ganz gut weg.“

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