Bonn-Marathon „Die Stimmung war mega“

Bonn · Das Wetter gut, alle Plätze im Teilnehmerfeld ausgebucht, die Sieger glücklich – beim Bonn-Marathon 2024 sieht man viele zufriedene Gesichter. Mann in der Rheinaue blockiert Führungsfahrzeug.

Strahlende Siegerin auf dem Marktplatz: Alexandra Krämer entscheidet den Marathon der Frauen für sich.

Strahlende Siegerin auf dem Marktplatz: Alexandra Krämer entscheidet den Marathon der Frauen für sich.

Foto: Wolfgang Henry

Zum ersten Mal in seiner Geschichte war der Bonn-Marathon ausgebucht. „Sensationell“, sagte Sarah Schmitz vom Veranstalter MMP Event. „Das war ein außergewöhnlicher Tag. Das ist mehr als ein voller Erfolg“, erklärte Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Sonntagnachmittag im Alten Rathaus. Als „Fortschreibung einer Erfolgsgeschichte“ bezeichnete Axel Brehme von Hauptsponsor Deutsche Post die 21. Ausgabe des größten Sportereignisses in Bonn. „Es war nach der Corona-Pause ein Risiko, die Veranstaltung wieder aufzunehmen. Jetzt sind wir da, wo wir vor der Pandemie aufgehört haben“, frohlockte Brehme.

13.633 Läuferinnen und Läufer und damit etwa 2300 mehr als im vergangenen Jahr bei dem Neustart nach der dreijährigen Zwangspause waren am Sonntag an den Start gegangen. Mehrere 10.000 Zuschauer standen an der Strecke und feuerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. „Die Stimmung war mega. Echt der Knaller“, sagte Alexandra Krämer, die den Marathon in 2:56:16 Stunden für sich entschied. „Überall vor den Häusern war etwas aufgebaut. Es war ganz, ganz toll. Ich werde bestimmt nicht das letzte Mal hier gelaufen sein. Es hat echt Spaß gemacht“, sagte die Dortmunderin, die vor vielen Jahren einmal den Halbmarathon in Bonn absolvierte.

Auch Patrick Ereng, der Sieger bei den Männern, war voll des Lobes. „Die Fans haben mich total angefeuert. Das war fantastisch“, meinte der in Frankfurt lebende Kenianer, der auch mit seiner Zeit von 2:24:25 zufrieden war.

„Die Stimmung war bombastisch“

Eine Bonn-Marathon-erfahrene Sportlerin geriet im Zielbereich auf dem Marktplatz ins Schwärmen. „Die Stimmung war bombastisch. Die Allerbesten sind die, die vor ihren Vorgärten Boxen und Frühstück aufbauen und einen anfeuern“, sagte Mona Hillesheim vom PSV Bonn Triathlon. „Ich bin hier schon öfter mitgelaufen. Und heute war die Unterstützung schon sehr, sehr gut.“ Im Halbmarathon blieb sie unter der avisierten Marke von 1:45 Stunden. „Und das, obwohl ich eine kleine Tochter habe, die mich heute Nacht nicht richtig hat schlafen lassen.“

Hannes Kötter nutzte einen Verwandten-Besuch, um den Bonn-Marathon unter die Füße zu nehmen. Der Hamburger war bereits in Berlin, Rom und Paris an den Start gegangen, in der Bundesstadt war er zum ersten Mal dabei. „Tolle Stimmung, tolle Strecke, toller Tag“, resümierte er nach dem Zieleinlauf. „Punktuell war die Unterstützung sehr, sehr gut. An anderen Stellen war es etwas ruhiger. Ich denke, ich werde noch einmal wiederkommen.“

Die Oberbürgermeisterin selbst verkündete im Auftrag der Einsatzleitung, dass es „weitestgehend ruhig“ geblieben sei. „Es gab 45 Sanitätseinsätze, siebenmal musste ein Krankenwagen kommen und 80 Fahrzeuge wurden abgeschleppt – es war also alles im Rahmen“, so Dörner.

E-Bike-Fahrer blockiert das Führungsfahrzeug

Neben ein paar Inline-Fahrern, die die falsche Route nahmen, sorgte ein E-Bike-Fahrer für Ärger. Laut Thomas Eickmann, Athletenbeauftragter des Bonn-Marathons, habe der Mann mit seinem Rad in der Nähe des Langen Eugen das Führungsfahrzeug blockiert. „Er war der Meinung, dass Autos dort nicht fahren dürfen“, sagte Eickmann, der die Spitze mit dem Fahrrad begleitete. Auch Hinweise darauf, warum das E-Auto dort unterwegs war, hätten den aufgebrachten Herrn nicht dazu gebracht, die Straße freizugeben. „Die Situation war etwas prekär“, so Eickmann.

Die Spitze des Marathonfeldes lief am Marathon-Fahrzeug vorbei. „Dann haben wir zwei Polizisten verständigt, die in der Nähe waren. Die Beamten haben die Situation gelöst und sich um den Mann gekümmert“, so Eickmann. Das Führungsfahrzeug schloss schnell wieder zu den Führenden auf.

Schnellster nach 42,195 Kilometern: Patrick Ereng gewinnt in 2:24:25 Stunden den Bonn-Marathon 2024.

Schnellster nach 42,195 Kilometern: Patrick Ereng gewinnt in 2:24:25 Stunden den Bonn-Marathon 2024.

Foto: Wolfgang Henry

Ereng ließ sich von dem Zwischenfall nicht aus der Ruhe bringen. Am Post Tower entschied er das Rennen für sich, hängte Hagen Bierlich und Julien Jeandrée, der Bonner Stadtmeister wurde, endgültig ab. „Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte der Sieger im Ziel.

Siegerin überrascht vom Erfolg

Vollkommen happy war Krämer. Für die schnellste Frau des Tages kam der Erfolg überraschend. „Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet. Ich bin auch zum ersten Mal unter drei Stunden geblieben“, jubelte die Läuferin vom LSC Rapid Dortmund. Beim Köln-Marathon im vergangenen Jahr sei sie „total eingegangen. Ich hatte da superstarke Krämpfe. Deswegen bin ich heute langsam losgelaufen. Und ich war froh, dass wir in einer Gruppe waren, in der wir alle gesagt haben: Hinten kackt die Ente.“ Am Ende hatte sie einen Vorsprung von etwa zweieinhalb Minuten auf die zweitplatzierte Kristina Höhen vom TSV Rothenburg. Als Dritte komplettierte Joanna Tallmann das Podium.

„Realisiert habe ich den Sieg erst, als ich über die Ziellinie gelaufen bin“, meinte Krämer. „Bisher habe ich nur ganz kleine Läufe gewonnen.“

Später wollte der Veranstalter Krämer noch zur Bonner Stadtmeisterin küren. Ein Missverständnis. „Eigentlich wollte ich heute in Hannover bei den Deutschen Meisterschaften laufen“, erzählte die Dortmunderin. Weil sie aber vergangene Woche erkrankte, habe sie noch abgewartet, welches Event sie angehe. „Ich komme eigentlich aus Leverkusen und habe mich für Bonn entschieden, weil so meine Mutter dabei sein konnte und die Stimmung im Rheinland meistens super ist.“ Die Startnummer habe sie übernommen und sich bei den Veranstaltern gemeldet. Im Zielbereich ging dann aber einiges durcheinander.

Ein nicht zufriedener Halbmarathon-Sieger

Während die Marathonläufer auf ihrer zweiten Runde doch noch viel Sonne abbekamen, war das Wetter für die Halbmarathon-Starter perfekt. „Die Temperaturen waren ideal“, meinte Gewinnerin Adele Blaise-Sohnius, die bereits im vergangenen Jahr die Strecke über 21 Kilometer für sich entschied. „Es lief für mich auch viel besser als 2023. Wie sich nachher herausgestellt hat, war ich krank. Der Lauf war zäh und ich musste mich durchkämpfen.“ 1:22:09 Stunden brauchte sie im vergangenen Jahr, 1:21:09 in diesem. „Die Veranstaltung war auch deutlich besser organisiert. Im vergangenen Jahr hat man gespürt, dass es die erste Auflage nach Corona war. Es hat an ein paar Ecken gehakt. Heute lief es deutlich reibungsloser.“

Weniger glücklich wirkte der Sieger bei den Männern, Selama Tesfamariam Estopia. „Ab Kilometer 15 hatte ich Probleme mit dem Magen. Hinter der Ziellinie musste dann alles raus“, meinte der Läufer, der bis zuletzt als Briefträger bei der Post in Rheinland-Pfalz arbeitete und für das Team des Konzerns startete. Er haderte zudem, dass er mit 1:08:30 Stunden über der von ihm ins Visier genommenen Marke von 1:05 Stunden geblieben war. Lachen konnte er wieder, als er die kleine Giraffen-Trophäe für den ersten Platz in der Hand hielt. „Die Giraffe ist super. Und ich bin sehr, sehr dankbar, dass die Leute an der Strecke mich motiviert haben. Es war ein toller Tag.“