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Bonn/Rhein-Sieg wird Landesstützpunkt Taekwondo

Erfolgreiche Kooperation : Bonn/Rhein-Sieg wird Taekwondo-Landesstützpunkt

Der Landessportbund NRW hat die Region Bonn/Rhein-Sieg zum Taekwondo-Landesstützpunkt NRW ernannt. Der langjährige Streit der Verbände ist damit aber wohl nicht beendet.

Das Stück Papier sieht unspektakulär aus. „Urkunde“ steht dort in blauen Lettern. Die Bedeutung könnte für die Beteiligten allerdings größer nicht sein. Der Landessportbund (LSB) NRW hat die Region Bonn/Rhein-Sieg zum Landesstützpunkt Taekwondo ernannt. „Die Ernennung zu einem gemeinsamen Stützpunkt zeigt zum einen, dass die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis die Sportart gemeinsam fördern und es hier eine leistungsstarke Region in der Sportart Taekwondo gibt“, sagt Michael Scharf, der Direktor Leistungssport des LSB. „Das ist für uns natürlich sehr wichtig“,meint Dimitrios Lautenschläger, Trainer des TKD Swisttal, eines der beiden Top-Vereine im GA-Verbreitungsgebiet, was die Kampfsportart betrifft. „Es ist eine Wertschätzung.“

Aber auch noch viel mehr. Der TKD gehört seit vielen Jahren zu den Top-Adressen des deutschen Taekwondo. Yanna Schneider, Martin Stach, Ranye Drebes – zahlreiche Swisttaler Athleten haben bereits internationale und nationale Titel eingefahren. Auch aktuell verfügt das Trainingszentrum über viele junge Talente, die den großen Sprung schaffen können. Dafür hat Lautenschläger eine Menge investiert: Zeit, Geld, aber vor allem Herzblut.

Und: Nerven. Denn die vergangenen Jahre waren auch von einem Machtkampf auf Verbandsebene geprägt. Amtsträger wurden suspendiert, andere installiert. In der Folge kapselten sich zunächst 14 Vereine vom Landesverband NWTU ab und gründeten ihren eigenen Verband, die TU-NRW. Es folgte der nächste Streit über die Anerkennung, Sportler wurden gesperrt, traten unter der Flagge anderer Vereine an, wurden wieder zugelassen. Es folgten zahlreiche Rechtsstreite. „Wir sind seit 2017 ein anerkanntes Mitglied des Dachverbandes“, sagt Lautenschläger. „Aber es gab immer wieder Prozesse, die uns das Leben erschwert haben.“

Landesförderung bis 2024

Nun kommt auch der TKD in den Genuss der Landesförderung. „Die wird ja immer nach dem Olympischen Zyklus vergeben. Diese gilt nun bis 2024.“ Eine Förderung, die der Verein gut gebrauchen kann. Denn trotz des sportlichen Erfolgs gibt es finanzielle Hürden. „Wir haben jahrelang ohne elektronische Westen trainiert“, sagt Lautenschläger. „Das ist einfach kein Maßstab im Vergleich zu den anderen Vereinen. Das wäre so, als würde man Fußballtraining mit einem Softball absolvieren. Die Westen haben wir im vergangenen Jahr dann selbst angeschafft.“

Seit mehr als zehn Jahren ist der OTC Bonn bereits Landesstützpunkt. Nun gemeinsam mit Swisttal. „Es war immer mein Wunsch, eine Kooperation mit dem TKD zu haben“, sagt OTC-Trainer Aziz Acharki. „Das Konzept des Landesverbandes, auf eine Region zu setzen, ist richtig. So können wir Kräfte bündeln.“ Unter anderem teilen sich die Trainer die Wettkampfreisen auf. Während der eine Coach mit den Senioren zu einem Turnier fliegt, bereitet der andere die Junioren auf Wettkämpfe an anderer Stelle vor. „Wir ergänzen uns da schon sehr gut“, sagt Acharki.

Stützpunkt schneidet in allen Bereichen gut ab

Für den LSB war die Ernennung nur folgerichtig. „Es geht vor allem darum, ob eine entsprechende Anzahl von herausragenden Athleten und Athletinnen am Standort trainiert. Außerdem werden die Trainerqualität und die Rahmenbedingungen in Form von Trainingsstätte, Betreuung über den Olympiastützpunkt, sportmedizinischer Betreuung und dualer Karriere bewertet“, sagt Scharf.  In allen Bereichen habe der Stützpunkt sehr gut abgeschnitten. „So ist zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Eliteschule und NRW-Sportschule Tannenbusch Gymnasium vorbildlich.“

Acharki musste auch um die Position des Landesstützpunkts fürchten. Als der OTC sich entschloss, ebenfalls unter der TU-NRW anzutreten, wollte der Landesverband den Stützpunkt kurzerhand nach Herne verlegen. Acharki wehrte sich gegen das Politikum, der Landessportbund erklärte, dass nur er die Stützpunkte vergebe und nicht der Verband. „Da läuft eine ganze Menge in unserem Verband schief“, sagt Acharki. „Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass die Streitereien beendet sind.“

Das sieht Michael Scharf ähnlich. „Mit Janis Dakos gibt es in der DTU nun eine Person, an der man viel festmachen kann, denn er stellt bei seinem Engagement die Athleten und Athletinnen in den Mittelpunkt der Förderung – unabhängig davon, ob diese in einem Verein trainieren, der Verband A oder Verband B angehört“, so Scharf. „Aber die Gräben brechen bei den Sportfunktionären immer wieder auf. Von daher sehe ich noch kein Ende in dem Prozess.“