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Bonn: Vereine verlieren in der Corona-Krise vor allem die Jugend

Sinkende Mitgliederzahlen : Bonner Vereine verlieren in der Corona-Krise vor allem die Jugend

Der Stadtsportbund Bonn verzeichnet in der Corona-Krise einen Mitgliederrückgang von etwa acht Prozent im Jugendbereich.

Die Corona-Krise hat in Bonn im vergangenen Jahr vor allem Kinder und Jugendliche sowie die mittelgroßen bis großen Vereine getroffen. Das geht aus einer Erhebung des Landessportbundes (LSB) Nordrhein-Westfalen zu den Mitgliedszahlen hervor, die der Stadtsportbund Bonn (SSB) für die Vereinslandschaft der Bundesstadt aufgeschlüsselt hat. „Jugendliche sind auch im Sport die großen Verlierer der Pandemie“, sagte SSB-Geschäftsführer Bernd Seibert bei der Vorstellung des neuen Zwölf-Punkte-Plans für die Zukunft des Bonner Sports. Insgesamt haben die Bonner Vereine im Laufe des vergangenen Jahres rund fünf Prozent ihrer Mitglieder verloren – bedeutet, dass mehr als 3800 Menschen sich nicht mehr im wöchentlichen Sportkurs oder im Mannschaftstraining fit halten. Das Erschreckende: Die Mehrheit von ihnen sind Kinder und Jugendliche (2482).

Viele Jugendliche verließen die Sportvereine

In der Altersklasse bis 18 Jahre verließen 8,35 Prozent ihren Sportclub. Bei größeren Vereinen mit mehr als 500 Mitgliedern trat sogar durchschnittlich jeder zehnte Jugendliche aus. „Das ist ein dramatisches Signal“, so Seibert. Um diesem Trend entgegenzusteuern, sei es daher wichtig, den Amateursport im Kinder- und Jugendbereich auch bei einer weiteren Welle nicht zu stark einzuschränken – natürlich unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen.

Auch im Leistungsbereich zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Während die Athletinnen und Athleten der Kader und Landeskader trotz der Krise an den Stützpunkten weiter trainieren durften, mussten viele Kinder und Jugendliche, die sich noch an der Schwelle zur Kaderzugehörigkeit befinden, monatelang pausieren. „Die werden wir auf Dauer nur schwer zurückholen“, erklärte Ute Pilger, Vorsitzende des SSB.

Bei den Erwachsenen verzeichneten die mittelgroßen Vereine (501 bis 1000 Mitglieder) in Bonn hingegen keinen Rückgang, sondern einen minimalen Zuwachs von 0,16 Prozent. Dabei erfüllen Vereine für verschiedene Altersgruppen unterschiedliche Funktionen: Für die 30-Jährigen sind es vornehmlich Dienstleister, für Kinder und Jugendliche hingegen ein Stück Heimat.

Bonn liegt über dem Durchschnittswert

Bei den Gesamtzahlen liegt Bonn allerdings über dem Durchschnittswert, den der Landessportbund für NRW ermittelt hat. Der LSB spricht von einem „moderaten Rückgang“ von insgesamt 3,4 Prozent. Das entspricht 166 000 Personen, die während der Corona-Krise aus ihrem Verein ausgetreten sind.

„Die Mitgliederzahl ist aber nur ein Puzzleteil davon, wie es den Vereinen geht“, erklärte Seibert. Durch den Lockdown haben die Vereine auch Sponsoren verloren, zudem sind Einnahmen aus Sportfesten weggebrochen. Neben den finanziellen Problemen stehen die Clubs vor personellen Engpässen. Seit der Pandemie nimmt auch die Zahl der Ehrenamtlichen ab, gleichzeitig pausieren die meisten Lehrgänge zur Übungsleiter-Ausbildung. Seibert schätzt, dass rund 80 Prozent der Qualifizierungskurse des SSB im vergangenen Jahr verschoben werden mussten.

„Die Rückkehr zur Normalität ist für die Vereine wichtig“, sagte Pilger auf die Frage, was die Vereine nach der Krise brauchen. Denn Sportvereine leben schließlich von der Gemeinschaft. Sie benötigen zudem eine Plattform, um sich vorzustellen und wieder neue Mitglieder zu akquirieren.

Die Situation der Vereine soll langfristig auch der neue Zwölf-Punkte-Plan des SSB verbessern. Unter anderem ist vorgesehen, im Rahmen des Projektes „Smart City Bonn“ ein digitales Vereinsmonitoring zu etablieren, um Mitgliedszahlen künftig nach Altersgruppen auffächern und analysieren zu können, um Vereine besser zu beraten. Außerdem soll die Kommunikation zwischen Sportvereinen und der Stadt verbessert werden und das Engagement im Ehrenamt mehr Wertschätzung erfahren.