„Ein absoluter Tiefschlag“ Traum vom Junioren-WM-Titel für Leondrit Gashi vorerst geplatzt

Niederkassel · Der Traum vom Junioren-WM-Titel ist für Leondrit Gashi vorerst geplatzt. Der Veranstalter sagte den Kampf des Niederkasseler Boxers kurzfristig ab. Sein Trainer und Manager ist geschockt.

Der Niederkasseler Boxer Leondrit Gashi (r.) mit seinem Trainer Stefan Krengel.

Der Niederkasseler Boxer Leondrit Gashi (r.) mit seinem Trainer Stefan Krengel.

Foto: Sebastian Siebertz

Für Leondrit Gashi hätte am Samstagabend der größte Kampf seiner Karriere auf dem Programm gestanden. Zehn Wochen bereitete sich der 19 Jahre alte Boxer aus Niederkassel intensiv auf die Veranstaltung in München vor, bei der er den Junioren-Weltmeistertitel der IBO gewinnen wollte. Aus diesem Traum ist nun ein „Albtraum“ geworden, wie es sein Trainer und Manager Stefan Krengel ausdrückt. „Der Kampf ist geplatzt“, sagt der Vorsitzende des Boxclubs Niederkassel. „Ein absoluter Tiefschlag.“

Wenige Tage vor dem großen Tag erhielt Krengel eine Nachricht vom Veranstalter, der Bear Boxing Promotion, dass das Event nicht stattfinden kann. „Die ganze Vorbereitung, der komplette Einsatz – alles für die Katz“, sagt Krengel. Um perfekt auf den Fight gegen den Münchner Michael Rigas gerüstet zu sein, investierten Boxer und Coach viel. Unter anderem reiste das Duo zum renommierten SES-Boxstall nach Magdeburg. Gashi trainierte auch am Olympiastützpunkt in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts.

Tränen in den Augen

„Mir ist der Boden unter den Füßen weggegangen“, antwortet Krengel auf die Frage, wie ihm zumute war, als er die Sprachnachricht des Veranstalters hörte. Und sein Boxer? „Leondrit standen die Tränen in den Augen. Für ihn ist das eine Tragödie.“

Gashi trainiert bereits seitdem er 15 Jahre alt ist bei Krengel. Der Jugendliche war damals als NRW-Meister mit seinen Eltern in den Boxclub des Niederkasselers gekommen und hatte den Wunsch geäußert, Profi werden zu wollen. Nachdem Krengels Frau ihren Mann dazu überredete, dem Nachwuchskämpfer eine Chance zu geben, hatte der schnell das Talent erkannt und ihn unter seine Fittiche genommen. Inzwischen ist Gashi Europameister, Deutscher Meister und hat eine makellose Bilanz von zehn Siegen aus zehn Kämpfen.

Der Junioren-WM-Titel wäre ein Riesenschritt auf der Karriereleiter gewesen. „Wenn wir gewonnen hätten, wären ganz sicher Angebote aus England und den USA gekommen. Nicht mehr und nicht weniger“, meint Krengel. Doch nun ist der Manager damit beschäftigt, den Schaden zu begrenzen. „Die Koffer waren gepackt, ein Public Viewing geplant und auch schon ein Empfang danach. Ich muss auch mit unseren Sponsoren sprechen“, sagt er und fügt mit Galgenhumor dazu: „Ich denke viele Niederkasseler werden sich an diesem Wochenende München anschauen. Die Tickets sind ja schließlich gebucht.“

Probleme mit der Halle

Warum der Veranstalter den Kampfabend abgesagt hat? „Uns wurde gesagt, dass es Probleme mit der Halle gibt. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen“, erklärt Krengel. Bear Boxing Promotion äußerte sich bis dato nicht zu den Gründen, kündigte aber über die sozialen Netzwerke ein Statement dazu an. Eine Anfrage des General-Anzeigers an den Veranstalter blieb bis zum Erscheinen dieses Artikels unbeantwortet.

Auch unklar ist, wie es nun für Gashi weitergeht. Man habe den Niederkasselern einen Nachholtermin im Juni angeboten, berichtet Krengel. „Ich bin da aber noch sehr zwiegespalten, ob ich das Angebot annehme – nach der Erfahrung, die wir jetzt mit dem Veranstalter gemacht haben.“

Auch hätte es kurzfristig andere Möglichkeiten gegeben, in den Ring zu steigen. „Das habe ich abgelehnt. Ich gehe nicht so kurzfristig mit einem Jungen in einen Kampf. Erst recht nicht, wenn er mental angeschlagen ist“, stellt Krengel klar. „Wir müssen uns erst einmal sortieren. Dann schauen wir weiter.“

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