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Cologne 99ers mit Rhöndorfer Lizenz in der Ersten Liga

Cologne 99ers mit Rhöndorfer Lizenz in der Ersten Liga

Aber Widerstand der Zweiten Liga gegen den Tausch der Teilnahmerechte

Berlin. (gme) "Heute hat die Arbeitsgemeinschaft Basketball-Bundesliga mehrheitlich beschlossen, der Gesellschafterversammlung BBL GmbH vorzuschlagen, dass die Cologne 99ers die Erlaubnis bekommen, mit SER Rhöndorf die Lizenzen zu tauschen, nach Maßgabe unserer Bestimmungen." Die Erklärung von Wolfgang Kram, dem Präsidenten der AG Basketball-Bundesliga (BBL), war so nüchtern wie folgenreich.

Die Rhöndorfer, in der abgelaufenen Saison durch die Meisterschaft in der Zweiten Liga Nord in die Erste Liga aufgestiegen, haben damit am Samstag ihr Ziel erreicht. Durch die Übergabe der Lizenz an Köln, das gerade erst aus der Regionalliga in die Zweite Liga aufgestiegen ist, ermöglichen sie ihrem Partner am sportlichen Aufstieg vorbei den Durchmarsch in die höchste Klasse. Im Gegenzug wollen sie, so der Plan, mit der Kölner Lizenz weiter in der Zweiten Liga spielen.

"Mit einem Erstligisten als Partner können wir unser Jugendkonzept weiterführen und ausbauen", freute sich Rhöndorfs Vorsitzender Hansjörg Tamoj über die Entscheidung. Scheitern könnte das Unternehmen aber am Widerstand der Zweiten Liga. Diese ist in der AG zweite Basketball-Bundesliga organisiert und von der BBL-Entscheidung schlichtweg übergangen worden. "Dass Rhöndorf seine Lizenz an Köln weitergibt, daran können wir nichts ändern. Aber die Rückübertragung der Kölner Zweitliga-Lizenz nach Rhöndorf braucht unsere Zustimmung", sagte Vorstandssprecher Matthias Dischler.

Bisher sei aber bei der AG offiziell noch kein Antrag eingegangen. Dischler verärgert: "Das spricht Bände über die Vorgehensweise. Das macht unseren Sport lächerlich."

Man warte die Dinge ab und gehe davon aus, dass ein solcher Antrag kommen werde. "Die AG muss dann in einer Mehrheitsentscheidung darüber befinden. Fällt diese negativ aus, muss Rhöndorf in die Regionalliga." Dischler selbst machte aus seiner Meinung keinen Hehl: "Ich halte nichts von Entscheidungen, die am Sport vorbeigehen." Das war auch die Meinung von Wolfgang Wiedlich, des Präsidenten der Telekom Baskets Bonn.

Er war der einzige, der bei der BBL-Abstimmung gegen den Vorschlag stimmte. "Unser Klub-Vorstand ist ausdrücklich für die sportliche Qualifikation. Ich hatte also einen klaren Auftrag", sagte Wiedlich und wunderte sich: "Nachdem innerhalb der BBL für eine öffentliche Abstimmung votiert wurde, kippten zahlreiche Mandatsträger von ''dagegen'' auf ''Enthaltung''." Als BBL-Vizepräsident hoffe er aber, dass Köln alles erfülle, was es versprochen habe.

Klappe dies, bereicherten die Cologne 99ers die Liga. Er gehe davon aus, dass zumindest die Zustimmung des DBB als Minderheits-Gesellschafter an der BBL GmbH (26 Prozent) nur noch Formsache sei.

Pesic als Coach?

Marco Baldi, Vorstandsmitglied von Alba Berlin und einer der treibenden Kräfte im deutschen Basketball in den letzten Jahren, wertete es als gutes Zeichen, dass die Klubs über die Vereinsinteressen hinweg die Entwicklung des Sports in den Vordergrund stellten. Die Entscheidung mache aber auch auf Defizite aufmerksam. "Wir haben erkannt, dass die Schnittstellen zwischen Erster und Zweiter Liga nicht deutlich genug definiert sind. Das ist die nächste Aufgabe, die ansteht. Unser Ziel muss sein, alle in einem Boot sitzen zu haben", so Baldi.

Mit Erleichterung nahm Kölns Manager Stefan Baeck die Entscheidung auf. "Jetzt müssen wir unser Konzept auch in die Tat umsetzen, weiterführen und ihm zum Erfolg verhelfen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Rhöndorf ein ganz wichtiger Stützpfeiler", so Baeck. Er versprach: "Wir vergessen den Sport nicht und veranstalten keine Zirkusnummer, sondern nehmen unsere Aufgabe ernst." Köln könne zur Weiterentwicklung des deutschen Basketballs einen entscheidenden Beitrag leisten.

Als Zugpferd soll Trainer Svetislav Pesic verpflichtet werden, der einst die deutsche Nationalmannschaft zur Europameisterschaft führte und mit Berlin vier Mal Deutscher Meister wurde. "Wir sind in den Gesprächen schon sehr weit. Es sind aber noch ein paar Schritte nötig, um alles perfekt zu machen. Und diese Schritte sind oft die schwierigsten und müssen am besten durchdacht sein." Ein "Baumeister" wie Pesic sei für Köln ideal.