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Troisdorfer Boxer Roman Fress: Der Weg nach Rio führt über Doha

Troisdorfer Boxer Roman Fress : Der Weg nach Rio führt über Doha

"Wer ganz nach oben will, der muss sich durchboxen." Auf wen trifft diese Redensart besser zu als auf einen jungen Boxer wie den Troisdorfer Roman Fress?

Der 21-jährige Schwergewichtler tritt ab heute bei der Amateur-Weltmeisterschaft in der katarischen Hauptstadt Doha an und hat sich ein großes Ziel gesetzt: "Ich will mich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifizieren. Dafür muss ich bei der WM ins Halbfinale einziehen."

Kein leichtes Unterfangen, schließlich ist Fress nicht der einzige Athlet, der mit diesem Ziel nach Doha reist. Zuversichtlich stimmt ihn jedoch die gute Vorbereitung, die er mit seinem Trainer Vladimir Pletnev in der Sportschule Hennef absolvierte: "Da ich mich nicht verletzt habe und mich fit fühle, schätze ich meine Chancen gut ein. Nun muss ich zeigen, was ich drauf habe." Nach einer intensiven Sparringsphase, in der Fress mit Boxern aus Brasilien, den Niederlanden, Dänemark und Polen trainierte, stand zuletzt wieder mehr die Arbeit an Technik und Taktik im Fokus.

Obwohl sein erster Kampf erst heute stattfindet, reiste er mit Trainer Pletnev bereits am letzten Mittwoch nach Doha, um sich an die klimatischen Bedingungen zu gewöhnen: Während hier herbstliche Temperaturen herrschen, erwarten die Boxer in Katar circa 40 Grad. Bis zum ersten Duell, das er gegen einen Gegner bestreitet, der kurz zuvor ausgelost wird, konzentrierte sich der gebürtige Kasache erneut auf technische und taktische Feinheiten.

Seinen Startplatz bei der Weltmeisterschaft sicherte er sich im vergangenen August, als er bei der Europameisterschaft im bulgarischen Samokow das Viertelfinale erreichte. "Da war ich selbst ein bisschen von meiner eigenen Leistung überrascht", gesteht Fress. Nach Siegen in der Vorrunde gegen den Ungarn Gergo Szavoly und den Georgier Levan Guledani musste er sich in der Runde der letzten acht dem Polen Igor Pawel Jakubowski geschlagen geben. Neben der erfolgreichen WM-Qualifikation holte er sich somit auch eine gute Portion Selbstbewusstsein für die kommenden Kämpfe.

An internationale Meisterschaften ist er zudem schon seit seiner Jugend gewöhnt: Mit siebeneinhalb Jahren kam er durch einen Freund zum Boxclub Troisdorf, errang in den folgenden Jahren sechs deutsche Meisterschaften und holte jeweils einen dritten Platz bei Jugend-Welt- und Europameisterschaften. Die Leidenschaft fürs Boxen übertrug sich in seinen Anfangsjahren auch auf Vater Willi, der seit dieser Zeit Trainer beim BC Troisdorf ist. "Auch wenn er selbst nicht geboxt hat, besitzt er die Gabe, Trainer zu sein. Das gelingt umgekehrt nicht jedem ehemaligen Boxer", sagt der Sohn anerkennend. Der Mutter fällt die Begeisterung für seinen Sport jedoch deutlich schwerer - zumindest dann, wenn er im Ring steht: "Ihr tut es einfach weh, wenn ich von jemandem geschlagen werde. Das kann sie nicht ertragen."

Bedingt durch seine Boxkarriere ist er allerdings nur noch selten in seiner Heimat Troisdorf. Abgesehen von der WM-Vorbereitung in Hennef trainiert er am Olympiastützpunkt in Heidelberg, wo er parallel eine Ausbildung zum Lagerlogistiker bei Mercedes-Benz macht. Die zahlreichen Entbehrungen können seine Liebe fürs Boxen aber nicht schmälern: "Mich fasziniert an diesem Sport, dass man auf sich selbst gestellt ist. Wenn etwas nicht so läuft wie gewollt, kann ich die Schuld nicht auf andere schieben. Dass alles in meinen Händen liegt, motiviert mich." In Doha werden diese Hände nun wieder zu zwei Fäusten, die ihn zu den Olympischen Spielen boxen sollen.