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Die Sonntagsruhe muss eingehalten werden

Die Sonntagsruhe muss eingehalten werden

700 Tonnen Sand für die Volleyballer auf den Bonner Münsterplatz gekarrt

Bonn. Despektierlich, was sich diese Tauben in der Bonner Innenstadt so erlauben. Vom altehrwürdigen Beethoven muss ein Mindestabstand gehalten werden. Da kennt die Verwaltung der Stadt kein Pardon. Während sich die gurrende Spezies mitten auf dem Kopf des Komponisten platziert, steht die Tribüne für den zweiten Renault-Beach-Cup in angemessener Entfernung.

Am Wochenende baggert, schmettert und pritscht die Beachvolleyball-Elite mitten auf dem Münsterplatz.

700 Tonnen Sand wurden dafür in die City geschafft. Verteilt auf 50 Wagenladungen, denn die unter den drei Spielfeldern gelegene Tiefgarage erlaubt aus statischen Gründen nur eine begrenztes Gewicht für den einzelnen Lkw. Seit Mittwochmorgen um sechs Uhr haben 15 Arbeiter die sandige Arena aufgebaut.

Eine weitere Auflage gehört zu den Standortbestimmungen von Bonn: Am Sonntag, darauf besteht Stadtdechant Wilfried Schumacher, ist zwischen 10 und 11 sowie zwischen 12 und 13 Uhr Ruhe geboten. Während der Messen im Bonner Münster gibt es auf dem der Kirche zugewandten Platz keine Spiele, die Beschallung findet nicht statt. Das macht dem Veranstalter nichts aus. Wer bewusst in die Innenstädte will, muss derlei urbane Umstände in Kauf nehmen.

Für Martin Kern ist dieses Finale in jeder Hinsicht der Höhepunkt der Serie: "Es ist mein Favoritenturnier, weil es sozusagen mein Heimspiel ist." Bislang wurde der 22jährige, der für den TuS Schladern an den Start geht, mit seinem Partner Stefan Schmeckenbecher zwei Mal Zweiter auf der Tour. In Bonn sind die beiden an Nummer vier gesetzt.

"Die Setzung wollen wir auf jeden Fall bestätigen und die ersten drei noch ein bisschen ärgern", erklärt der Wahl-Kölner. Er spielte zuerst Volleyball und überbrückte den Sommer mit Volleyball im Schwimmbad. Mittlerweile wird der Winter überbrückt - mit der Hallenrunde in der Regionalliga.

"So ändern sich die Zeiten. Die Prioritäten haben sich gedreht." Da spricht Kern für die gesamte Sportart. Beachvolleyball ist mit 5 000 registrierten Aktiven nicht mehr nur noch Trendsportart. Spätestens seit der Aufnahme in das Olympische Programm am Bondi Beach in Sydney hat sich der kleine Bruder der Volleyballer etabliert.

In Bonn wird ab Samstag (8.45 Uhr) um die letzten Tickets für die Deutschen Meisterschaften gepritscht und gebaggert. Am Sonntag geht es um neun Uhr los, die Finalspiele gibt es ab 14.30 Uhr (Frauen) und 15.30 Uhr (Männer) zu sehen.

Beethoven allerdings, der im vergangenen Jahr sozusagen eine VIP-Loge hatte, blickt in die Röhre - respektive auf den Rücken der höheren Tribüne. Das wiederum war ein gefundenes Fressen für Touristen und Hobby-Fotografen. Sie erklommen die oberste Tribünenreihe und wendeten dem Spielfeld den Rücken zu - um das musikalische Genie von oben abzulichten.